"Krumm kommen alle guten Dinge ihrem Ziele nahe. Gleich Katzen machen sie Buckel, die schnurren innewendig vor ihrem nahen Glücke – alle guten Dinge lachen."
- Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, Frankfurt am Main 1976, S. 297.
Unterschätzte Tierarten MDCLIV: Tangara punctata.
"Die Gemeinschaft der Liebenden, ob sie es wollen oder nicht, ob sie es genießen oder nicht, ob sie verbunden sind durch Zufall, durch »Amour fou« oder durch Todesleidenschaft (Kleist), hat zu ihrem wesentlichen Ziel die Zerstörung der Gesellschaft. Dort, wo sich eine vorübergehende Gemeinschaft zwischen zwei Wesen bildet, die füreinander geschaffen sind oder nicht, baut sich eine Kriegsmaschine auf, oder besser gesagt, die Möglichkeit des Desasters, das, wenn auch nur in infinitesimaler Dosis, die Drohung einer universellen Vernichtung in sich trägt."
- Maurice Blanchot: Die uneingestehbare Gemeinschaft, Berlin 2007, S. 84.
Unterschätzte Tierarten MDCLXIII: Neoclinus blanchardi.
"Mein Leib verspürte in dem ihren seine eigene Wärme und drängte zu ihr, ich wachte auf. Die übrige Menschheit war mir dann ferngerückt zu dieser Frau, die ich vor Sekunden erst verlassen hatte; meine Wange war noch warm von ihrem Kuß, mein Leib von ihrem Gewicht zerschlagen."
- Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, In Swanns Welt, Erster Teil Combray, Werkausgabe, Band 1, Frankfurt am Main 1976, S.11.
(Quelle: nokturn, via abendgesellschaft)
"Ich sah mich sehr sicher voranschreiten und mich mit der lässigen Bewegung zu Eddas Füßen auf das Bett setzen, auf dem sie lag. Meine tatsächliche Person blieb jedoch wie ein kaputter und unbrauchbarer Anhänger hinter diesen schönen Vorstellungen zurück.
Edda bat mich, Platz zu nehmen. Und ich setzte mich in großem Abstand von ihr auf einen Stuhl."
- M. Blecher: Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit, Frankfurt am Main2003, S. 122f.
"Eine endgültige Perspektive auf die Mode ergibt sich nur aus der Betrachtung, wie jeder Generation die gerade verflossene als das gründlichste Antiaphrodisiacum erscheint, das nur denkbar ist. Mit diesem Urteil hat sie nicht so durchaus Unrecht, wie man annehmen könnte. Es ist in jeder Mode etwas von bitterer Satire auf Liebe, in jeder sind alle sexuellen Perversitäten aufs mitleidloseste angelegt, jede ist von geheimen Widerständen gegen Liebe erfüllt."
- Walter Benjamin: Das Passagen-Werk, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main 1991, Band V.1, S. 113.
"Mußt nicht vor dem Tage fliehen:
Denn der Tag den du ereilest
Ist nicht besser als der heut’ge;
Aber wenn du froh verweilest
Wo ich mir die Welt beseit’ge,
Um die Welt an mich zu ziehen;
Bist du gleich mit mir geborgen,
Heut ist heute, morgen morgen,
Und was folgt und was vergangen
Reißt nicht hin und bleibt nicht hangen.
Bleibe du, mein Allerliebstes,
Denn du bringst es und du giebst es."
- Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan, in: Karl Richter (Hg.): Johann Wolfgang Goethe - Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Müncher Ausgabe, München 2006, Band 11.1.2, S. 67.
"Es gibt Grenzen des Begriffs. Im Lateinischen oder im Französischen wie auch im Deutschen nennt Begriff die Geste des Ergreifens, es ist ein Erfassen. Die Dekonstruktion gilt als hyperbegrifflich, und gewiß ist sie es in Wirklichkeit auch; sie hat einen großen Verbrauch an Begriffen, die sie ebenso hervorbringt wie ererbt - allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem eine gewisse denkende Schrift über das Ergreifen oder die begriffliche Beherrschung hinausgeht. Sie versucht daraufhin, die Grenze des Begriffs zu denken, sie hält sogar die Erfahrung dieses Hinausgehens aus; sie läßt es in ihrer Verliebtheit geschehen, über sich hinauszugehen. Es ist gleichsam eine Ekstase des Begriffs: Man genießt sie bis zur Entgrenzung."
- Jacques Derrida und Elisabeth Roudinesco: Woraus wird Morgen sein? Ein Dialog, Stuttgart 2006, S. 17.
"Dann zuletzt ist unerläßlich,
Daß der Dichter manches hasse,
Was unleidlich ist und häßlich
Nicht wie Schönes leben lasse."
- Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan, in: Karl Richter (Hg.): Johann Wolfgang Goethe - Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe, München 2006, Band 11.1.2, S. 14.
"Sag mir: entfliegt dein Herz bisweilen auch, Agathe,
Dem schwarzen Meere der unreinen Stadt, hinan
Zu eines andern Meers hellerleuchtendem Achate,
Blau, klar und tief wie nur der Keuschheit Ozean?
Sag mir: entfliegt dein Herz bisweilen auch, Agathe?
-
Das Meer, das weite Meer ist unsrer Mühsal Trost!
Doch welcher Troll verlieh des rauhen Barden Tönen,
Zu dem der Winde Groll aus Riesenorgeln tost,
Die Kraft des Wiegenliedes mit Schlaf uns zu versöhnen?
Das Meer, das weite Meer ist unsrer Mühsal Trost!
-
Nimm, Wagen, du mich mit! Entführe mich Fregatte!
Weit fort, ja weit! Hier speist die Träne nur den Kot …
- Raunt nicht bisweilen dir dein traurig Herz, Agathe:
Fort von der Reue Dorn, von Untat, Schmerzensnot
Nimm, Wagen, du mich mit! Entführ mich, Fregatte!
-
Wie bist du ferne nun, du Paradies voll Duft,
Wo unter lichtem Blau nur Liebe webt und Wonne,
Wo alles, was du liebst, zurecht nach Liebe ruft,
Wo unser Herz ertrinkt in reinster Lüste Bronne!
Wie bist du fern nun, du Paradies voll Duft!
-
Das grüne Paradies der jungen Liebesfreuden,
Die Spiele, Lieder, Küsse und der Blumenstrauß,
Der Geigen hinterm Hang erregendes Vergeuden,
Die Krüge Weins vor Nacht im kleinen Gartenhaus,
- Das grüne Paradies der jungen Liebesfreunden,
-
Unschuldig Paradies, verstohlenen Glückes Hag,
Ist es denn ferner schon als fernstes Land im Osten,
Ob es denn wohl ein Wehlaut wiederbringen mag?
Erweckt ein Silberklang vielleicht aus Nacht und Frosten
Unschuldig Paradies, verstohlenen Glückes Hag?"
- Charles Baudelaire: Moesta et errabunda, in: Ders.: Die Blumen des Bösen, Frankfurt am Main und Leipzig 1976, S. 96.
"Monatelang habe ich dich allnächtlich in Flammen gesetzt, während mein Leib in Flammen aufging in der Erinnerung an ihn."
- Marguerite Duras: Hiroshima mon amour, Frankfurt am Main 1973, S. 78.
"Wer liebt, der hängt nicht nur an „Fehlern“ der Geliebten, nicht nur an Ticks und Schwächen einer Frau, ihn binden Runzeln im Gesicht und Leberflecken, vernutzte Kleider und ein schiefer Gang viel dauernder und unerbittlicher als alle Schönheit. Man hat das längst erfahren. Und warum? Wenn eine Lehre wahr ist, welche sagt, daß die Empfindung nicht im Kopf nistet, daß wir ein Fenster, eine Wolke, einen Baum nicht im Gehirn, vielmehr an jenem Ort, wo wir sehen, empfinden, so sind wir auch im Blick auf die Geliebte außer uns. Hier aber qualvoll angespannt und hingerissen. Geblendet flattert die Empfindung wie ein Schwarm von Vögeln in dem Glanz der Frau. Und wie Vögel Schutz in den laubigen Verstecken des Baumes suchen, so flüchten die Empfindungen in die schattigen Runzeln, die anmutlosen Gesten und unscheinbaren Makel des geliebten Leibs, wo sie gesichert im Versteck sich ducken. Und kein Vorübergehender errät, daß gerade hier, im Mangelhaften, Tadelnswerten die pfeilgeschwinde Liebesregung des Verehrers nistet."