"Welche Leere lockt mich? Nach dem Namen und dem Gesetz, nach dem Zeichen und der Asche, ah! von all den Leeren, meine Stimme?
…wenn das Auge hörbar wird und die Stimme klingender Blick."
- Edmond Jabès: Es nimmt seinen Lauf, Frankfurt am Main 1981, S. 66.
"Melancholie ist eine Form des Widerstands. Und auf dem Niveau der Kunst vollends ist ihre Funktion alles andere als nur reaktiv oder reaktionär. Wenn sie, starren Blicks, noch einmal nachrechnet, wie es nur so hat kommen können, dann zeigt es sich, dass die Motorik der Trostlosigkeit und diejenige der Erkenntnis identische Executiven sind. Die Beschreibung des Unglücks schließt in sich die Möglichkeit zu seiner Überwindung ein."
- W.G. Sebald: Die Beschreibung des Unglücks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg – Wien 1985, S. 12.
(via abendgesellschaft)
"Ich ist das Denken als Denkendes. Was ich in meinem Bewußtsein habe, das ist für mich. Ich ist diese Leere, das Rezeptakulum für alles und jedes, für welches alles ist und welches alles in sich aufbewahrt. Jeder Mensch ist eine ganze Welt von Vorstellungen, welche in der Nacht des Ich begraben sind."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, in: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Werke, Frankfurt am Main 1970, Band 8, S. 83.
"Was wir als das “GANZE” bezeichnen, ist nur ein Teil der unsichtbaren Gesamtheit - Unfaßbares-; einer ihrer sichtbaren Teile: der Buchstabe, den die Leere stützt, wie sie auch die Welt trägt.
Somit ist die Leere Reich des DENKENS; ungehinderte Ausdehnung der Fülle."
- Edmond Jabès: Der vorbestimmte Weg, Berlin 1993, S. 97.
"Wie kann man akzeptieren, von diesem Freund zu sprechen? […] Die Besonderheiten seines Wesens, die Weisen seiner Existenz, die Episoden seines Lebens gehen niemand etwas an, selbst dann nicht, wenn dieses Leben durchaus zusammenstimmte mit dem Vorhaben, für das er sich verantwortlich fühlte bis zur Unverantwortlichkeit. Einen Zeugen gibt es nicht. Die Nächsten berichten nur von dem, was ihnen nahe war, nicht von der Ferne, die sich in dieser Nähe behauptete, und die Ferne entschwindet, sobald die Gegenwart entschwindet. Vergebens mühen wir uns, durch unsere Worte, unsere Schriften festzuhalten, was sich entfernt; vergebens bieten wir ihm die Anziehungskraft unserer Erinnerungen und noch so etwas wie eine Gestalt, das Glück, im Licht zu sein, das Leben, verlängert um seinen wahrhaften Schein. Wir suchen nur, eine Leere zu füllen, wir ertragen nicht den Schmerz: das Jasagen zu dieser Leere. Wer hielte es aus, ihre Wesenlosigkeit anzunehmen, eine Wesenlosigkeit, die so unermeßlich ist, daß wir kein Gedächtnis haben, um sie zu fassen, und daß wir uns schon ins Vergessen gleiten lassen müßten, um ihr, in der Zeit dieses Entgleitens, die Rätselhaftigkeit zurückzugeben, die sie darstellt? Alles, was wir sagen, zielt darauf ab, die einzige Gewißheit zu verschleiern: daß alles erlöschen muß und daß wir nur treu sein können, indem wir wachen über dieser Bewegung des Erlöschens, der etwas in uns, was alle Erinnerung verwirft, schon angehört."
- Maurice Blanchot: Die Freundschaft. Zum Tod von Georges Bataille, in: Georges Bataille: Abbé C., München 1990, IXf.