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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

Edle Künstler_innen MDCLXVIII: Francisco Goya - The Spell, 1797.

Edle Künstler_innen MDCLXVIII: Francisco Goya - The Spell, 1797.

(Quelle: clintisiceman, via basava)

Linearität ist ein Kindheitswunsch.

Linearität ist ein Kindheitswunsch.

(via frutelia3000)

"In meinen Augen verkörperte die Mutter alle Traurigkeit und Zwanghaftigkeit meines Lebens, mit jener Mischung aus Vagheit und Präzision, welche gewisse allegorische Figuren kennzeichnet. Mit anderen Worten: tagelang war sie einfach meine Mutter, eine kleine, vor der Zeit gealterte Frau, und dann machte sie plötzlich, ohne daß sie es merkte, eine Geste, die für meinen ganzen Jammer stand. Zwischen ihr und den kleinen engen Zimmern, die wir bewohnten, stellte sich eine Beziehung ein wie zwischen Körper und Seele. Wenn sie außer Haus war, folgte mir ihr Schatten von Raum zu Raum und verdarb mir das Alleinsein."
- Julien Green: Der andere Schlaf, München – Wien 1988, S. 54.
Unterschätzte paläontologische Sammlungen I: Das Museum für Naturkunde in Stuttgart gibt sich, wen mag es wundern?, betont regionalistisch und so entgeistert auch mancher Schautafeltext mit dem »größten Stuttgarter« oder dem »berühmtesten Schwaben«. Hier wirkt beruhigend, dass diese Exemplare ausgestorben und bloß fossilisiert sich in diesen Markierungen erweisen dürfen.
So lässt sich auch die fortschreitende Infantilisierung des Museums hier merklich betrachten: Es darf gebuddelt, gezeichnet, gescannt, angefasst, betreten und was nicht alles getan werden – aber wer könnte bitte schön verleugnen, dass Pathologien auch beim statthaften Kulturkritikaster abwesend sind, der eine solche Sammlung mit gewisser Leidenschaft betritt? Wer daran festhält, wird es erproben – ermöglichen diese Tätigkeiten doch, dass entgegen allem Lokalcolorit die vermeintlich nüchternere Perspektive paläontologischer Rekonstruktion eingenommen werden kann. Von dieser Gegenwärtigkeit ausgehend betritt man durch Nachbildungen der jeweiligen Lagerstätten Baden-Württembergs die verschiedenen Erdzeitalter, ansehnliche mesozoische Dioramen geben der Fleischeslust an Gerippen meist gelungene Ersatzobjekte (Vergessen wir nur schnell jene gefiederten Theropoden, die wohl mit etwas Pfeifenreiniger ihr Kleid erhielten, aber solche Unglücke sind selten).
Denn die regionale Fixierung ist nicht bloß ideologischer Kitt, sie ergibt sich auch aus der Sache selbst: Schwelgen mag man in diesen Millionen Jahren vor unserer Zeit, als kaum Landmasse das Ländle bildete, vielmehr Atolle, karibisches Klima. Daher auch die Fokussierung der Ausstellung auf maritime Reptilien, besonders auf Ichthyosaurier, die wohl dergestalt nirgends in all ihrer Mannigfaltigkeit präsentiert, vom Embryo bis Mageninhalt.
Und auch das Herzstück jeder Sammlung, die Dinosauria, erlebt eine angemessene Kontextualisierung, indem die Reptilien- und Amphibienfauna ihres zeitgeschichtlichen Auftretens in all ihren bizarren Formen ausgestellt – und erst der Mastodonsaurus, Panzerlurch von sechs Metern Länge, mit diesen Löchern in der Schädeldecke für die langen Fangzähne, oh! Und jener schillernde Schuppenpanzer des Aetosaurus, und erst die Modellierung des Batrachotomus! Mancher Mythos behäbiger Archosaurier wird dort ausgetrieben.
Und eben erst die Schreckensechsen: Die Prosauropoden Plateosaurus und Sellosarus, ein Liliensternus (obgleich ein Halticosaurus ebenso noch geführt), Procompsognathus und Coelophysis, der zeitliche Schwerpunkt ist also klar bestimmt an dem, was das Ländle hergibt. Und da die Funde aus Liaoning doch nachhaltig irritierten, darf ein Raum für das Einprägen des Überlebens der Maniraptora nicht fehlen: Die mittlerweile in Abgüssen bundesweit gut verteilten Caudipteryx, Sinosauropteryx, Oviraptor, ein hübsch montierter Allosaurus fragilis und ein Tyrannosaurusschädel geben den Hauch einer Ahnung der Artenfülle, die die späteren Zeitalter bereiteten.
Und erst der juvenile Pterodactylus! Ach, schwimmende Brückenechsen und die oben dargestellten Meereskrokodile, nein, dieses Museum für Naturkunde lässt den belesen sich dünkenden Dilettanten in mancher Artbestimmung verhaspeln, so reich die Sammlung - und erst diese günstigen Kataloge! Das Schwäbische weist gewisse Vorzüge auf.

Unterschätzte paläontologische Sammlungen I: Das Museum für Naturkunde in Stuttgart gibt sich, wen mag es wundern?, betont regionalistisch und so entgeistert auch mancher Schautafeltext mit dem »größten Stuttgarter« oder dem »berühmtesten Schwaben«. Hier wirkt beruhigend, dass diese Exemplare ausgestorben und bloß fossilisiert sich in diesen Markierungen erweisen dürfen.

So lässt sich auch die fortschreitende Infantilisierung des Museums hier merklich betrachten: Es darf gebuddelt, gezeichnet, gescannt, angefasst, betreten und was nicht alles getan werden – aber wer könnte bitte schön verleugnen, dass Pathologien auch beim statthaften Kulturkritikaster abwesend sind, der eine solche Sammlung mit gewisser Leidenschaft betritt? Wer daran festhält, wird es erproben – ermöglichen diese Tätigkeiten doch, dass entgegen allem Lokalcolorit die vermeintlich nüchternere Perspektive paläontologischer Rekonstruktion eingenommen werden kann. Von dieser Gegenwärtigkeit ausgehend betritt man durch Nachbildungen der jeweiligen Lagerstätten Baden-Württembergs die verschiedenen Erdzeitalter, ansehnliche mesozoische Dioramen geben der Fleischeslust an Gerippen meist gelungene Ersatzobjekte (Vergessen wir nur schnell jene gefiederten Theropoden, die wohl mit etwas Pfeifenreiniger ihr Kleid erhielten, aber solche Unglücke sind selten).

Denn die regionale Fixierung ist nicht bloß ideologischer Kitt, sie ergibt sich auch aus der Sache selbst: Schwelgen mag man in diesen Millionen Jahren vor unserer Zeit, als kaum Landmasse das Ländle bildete, vielmehr Atolle, karibisches Klima. Daher auch die Fokussierung der Ausstellung auf maritime Reptilien, besonders auf Ichthyosaurier, die wohl dergestalt nirgends in all ihrer Mannigfaltigkeit präsentiert, vom Embryo bis Mageninhalt.

Und auch das Herzstück jeder Sammlung, die Dinosauria, erlebt eine angemessene Kontextualisierung, indem die Reptilien- und Amphibienfauna ihres zeitgeschichtlichen Auftretens in all ihren bizarren Formen ausgestellt – und erst der Mastodonsaurus, Panzerlurch von sechs Metern Länge, mit diesen Löchern in der Schädeldecke für die langen Fangzähne, oh! Und jener schillernde Schuppenpanzer des Aetosaurus, und erst die Modellierung des Batrachotomus! Mancher Mythos behäbiger Archosaurier wird dort ausgetrieben.

Und eben erst die Schreckensechsen: Die Prosauropoden Plateosaurus und Sellosarus, ein Liliensternus (obgleich ein Halticosaurus ebenso noch geführt), Procompsognathus und Coelophysis, der zeitliche Schwerpunkt ist also klar bestimmt an dem, was das Ländle hergibt. Und da die Funde aus Liaoning doch nachhaltig irritierten, darf ein Raum für das Einprägen des Überlebens der Maniraptora nicht fehlen: Die mittlerweile in Abgüssen bundesweit gut verteilten Caudipteryx, Sinosauropteryx, Oviraptor, ein hübsch montierter Allosaurus fragilis und ein Tyrannosaurusschädel geben den Hauch einer Ahnung der Artenfülle, die die späteren Zeitalter bereiteten.

Und erst der juvenile Pterodactylus! Ach, schwimmende Brückenechsen und die oben dargestellten Meereskrokodile, nein, dieses Museum für Naturkunde lässt den belesen sich dünkenden Dilettanten in mancher Artbestimmung verhaspeln, so reich die Sammlung - und erst diese günstigen Kataloge! Das Schwäbische weist gewisse Vorzüge auf.

Irritation und Alltag XXXIV: Und alle dachten, dass es springt.

Irritation und Alltag XXXIV: Und alle dachten, dass es springt.

(Quelle: noxe, via abendgesellschaft)

"Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.
-
Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
›den‹ Traum erfüllt, den der vergangen Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen."
- Rainer Maria Rilke: Das Stunden-Buch, in: Manfred Engel u.a. (Hg.): Rainer Maria Rilke – Die Gedichte, Frankfurt am Main und Leipzig 2006, S. 202.
"Und Franzis Vater hackte auf etwas anderem herum, so wie jemand beim Stricken an den Fäden zieht, um ein Loch zu machen; aber ihr Vater versuchte etwas in seinem Innern aufzutrennen und aufzuzerren, das von den Jahren, die er gelebt hatte, gestrickt worden war, und dessen Muster, die Links- und Rechtsmaschen der Zeit, durcheinandergeraten und ganz anders geworden war, als er sich erträumt hatte."
- Janet Frame: Wenn Eulen schrein, Frankfurt am Main 1996, S. 44.
Warten und Vergessen III.

Warten und Vergessen III.

(Quelle: nevver, via multitudinous)

Schwungfederbeine.

Schwungfederbeine.

(Quelle: anormaux)

Selbst unter der Haut gibt es keine Intimitäten.

Selbst unter der Haut gibt es keine Intimitäten.

(Quelle: kraaap, via starlit-mire)

Stets erwünscht: Gesichte des Verschwindens.

Stets erwünscht: Gesichte des Verschwindens.

(Quelle: clumsy-bell)

"Damals lernte ich verstehen, warum die Tiere Hörner haben. Sie enthielten alles Unverständliche, das in ihrem Leben nicht unterzubringen war, die wilde und zudringliche Laune, den geistlosen und blinden Starrsinn."
- Bruno Schulz: Die Zimtläden, Frankfurt am Main 1981, S. 130.
Wunschschwinge.

Wunschschwinge.