"Oft habe ich […] den Eindruck, dieser Stil stellt eine Art Racheaktion dar. Da Sie auf politische Aktion oder Teilnahme an wirklicher oppositioneller Opposition verzichten, versuchen Sie, mit sprachlichen Mitteln etwas Aktionsähnliches zu erzeugen, mindestens dem Leser etwas anzutun."
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Günther Anders: Brief an Theodor W. Adorno vom 27. August 1963, in: Theodor W. Adorno Archiv (Hg.): Adorno. Eine Bildmonographie, Frankfurt am Main 2003, S. 277.
(Un)Edle Künstler_innen MDCLXIII: Asger Jorn – Das verstörte Entlein, 1959.
(via cavetocanvas)
Fallstricke politischer Praxis I: Wo fängt der Spezieszismus an, wo hört der Androzentrismus auf? Was geht nicht alles in solchem Tiefsinn verloren.
(Quelle: anormaux)
Edle Künstler_innen MDCLXIV: Carl Spitzweg – Gnom Eisenbahn betrachtend, 1848.
(Quelle: uncertaintimes)
"Sie suchte etwas und er suchte etwas, wütend, Grimmassen schneidend, sich mit dem Kopf einbohrend in der Brust des andern suchten sie und ihre Umarmungen und ihre sich aufwerfenden Körper machten sie nicht vergessen, sondern erinnerten sie an die Pflicht zu suchen, wie Hunde verzweifelt am Boden scharren so scharrten sie an ihren Körpern und hilflos enttäuscht, um noch letztes Glück zu holen, fuhren manchmal ihre Zungen breit über des andern Gesicht."
- Franz Kafka: Das Schloss, in: Jürgen Born et al. (Hg.): Franz Kafka – Schriften Tagebücher. Kritische Ausgabe, Frankfurt am Main 1982, S. 75.
Alltag und Irritation XXIV: Wie jäh in der Wahrnehmung Haaransätze werden können, wenn sie lichter werden.
"Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.
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Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
›den‹ Traum erfüllt, den der vergangen Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen."
- Rainer Maria Rilke: Das Stunden-Buch, in: Manfred Engel u.a. (Hg.): Rainer Maria Rilke – Die Gedichte, Frankfurt am Main und Leipzig 2006, S. 202.
"Werter Herr Rektor,
in der engen Zisterne, die Sie »Denken« nennen, verfaulen die Strahlen des Geistes wie Stroh."
- Anonym: »Brief an die Rektoren der europäischen Universitäten«, in: Heribert Becker (Hg.): Es brennt! Politische Pamphlete der Surrealisten, Hamburg 1998, S. 30.
Edle Künstler_innen MDCLXIII: Mary Cassat – Little Girl in a Blue Armchair, 1878.
(Quelle: cavetocanvas, via cavetocanvas)
"Was Ihr in den philosophischen Büchern von der Kunst und von der Form gesagt findet, reicht ungefähr hin, um die Uhrmacherkunst zu erklären. Von höherer Kunst und Form findet Ihr auch nirgends nur die leiseste Ahnung."
- Friedrich Schlegel zitiert nach Walter Benjamin: Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main 1991, Band I.1, S. 74.
"Melancholie ist eine Form des Widerstands. Und auf dem Niveau der Kunst vollends ist ihre Funktion alles andere als nur reaktiv oder reaktionär. Wenn sie, starren Blicks, noch einmal nachrechnet, wie es nur so hat kommen können, dann zeigt es sich, dass die Motorik der Trostlosigkeit und diejenige der Erkenntnis identische Executiven sind. Die Beschreibung des Unglücks schließt in sich die Möglichkeit zu seiner Überwindung ein."
- W.G. Sebald: Die Beschreibung des Unglücks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg – Wien 1985, S. 12.
(via abendgesellschaft)
"In der Frage des Antisemitismus habe ich wenig Lust, Erklärungen zu suchen, verspüre eine starke Neigung, mich meinen Affekten zu überlassen, und fühle mich in der ganzen unwissenschaftlichen Einstellung bestärkt, daß die Menschen so durchschnittlich und im großen ganzen doch elendes Gesindel sind."
- Sigmund Freud: Brief an Arnold Zweig 1927, in: Ernst L. Freud (Hg.): Sigmund Freud - Arnold Zweig Briefwechsel, Frankfurt am Main 1969, S. 11.
"Selbst heute noch, nach so vielen Jahren, kommt mir dies alles irgendwie übel vor. Manches kommt mir jetzt übel vor, aber … sollte ich nicht hier meine »Aufzeichnungen« abbrechen? Ich glaube, es war ein Fehler, daß ich sie überhaupt begonnen habe. Wenigstens habe ich mich während des Schreibens dieser Novelle die ganze Zeit geschämt: also ist es nicht mehr Literatur, sondern Korrektionsstrafe. Denn lange Geschichten darüber erzählen, wie ich das Leben verfehlt habe durch […] sorgfältig gepflegte Bosheit in meinem Kellerloch - das ist bei Gott wenig unterhaltend; ein Roman verlangt einen Helden, hier aber sind absichtlich alle Eigenschaften eines Anti-Helden zusammengetragen, vor allen Dingen wird das Ganze einen äußerst unangenehmen Eindruck hervorrufen, haben wir uns doch alle des Lebens entwöhnt, alle hinken wir, der eine mehr, der andere weniger."
- Fjodor Dostojewskij: Aufzeichnungen aus dem Kellerloch, Frankfurt am Main 2008, S. 139.
(Quelle: abendgesellschaft)