"Wenn aber die Idee einer ‘letzten’ Sprache mit der einer idealen Kommunikationsstruktur im Begriff der idealen Kommunikationsgemeinschaft zusammengedacht werden muß, so folgt, daß dieser Begriff nicht nur ideale Bedingungen der Verständigung, sondern zugleich eine Situation idealen Verständigtseins bezeichnet. Was als Situation idealer Verständigung gemeint ist, enthüllt sich als Situation jenseits der Notwendigkeit sprachlicher Verständigung. Im Grenzwert der idealen Kommunikationsgemeinschaft ist somit die konstitutive Pluralität der Zeichenbenutzer aufgehoben zugunsten der Singularität eines in allen Richtungen mit sich verständigten (kollektiven) transzendentalen Subjekts, das als gewordenes gleichsam in der Wahrheit ist. Die letzte, die ideale Sprache wäre eine Sprache jenseits der Sprache, […]. das Telos der sprachlichen Kommunikation wäre ihr Ende."
- Albrecht Wellmer: Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes, in: Axel Honneth & Christoph Menke (Hg.): Theodor W. Adorno – Negative Dialektik, Berlin 2006, S. 203f.
"Sie lag ganz in sich: Im Tod schäumte sie vor Leben über. Sie sah gewichtiger, selbstgewisser aus."
- Maurice Blanchot: Thomas der Dunkle, Basel und Weil am Rhein 2007, S. 84.
"Aber gerade im Unglück ist der Mensch immer bereits verschwunden: die Eigenart des Unglücks besteht darin, daß es niemanden mehr gibt, der es verursacht oder erleiden könnte; äußerstenfalls gibt es niemals einen Unglücklichen, er erscheint nicht wirklich, er hat keine andere Identität mehr als seine Lage, von der er sich nicht mehr unterscheidet und die ihn niemals er selbst sein läßt, weil sie, als Unglückslage, unaufhörlich bestrebt ist, sich abzusetzen, sich in der Leere eines Nirgendwo ohne Grundlage aufzulösen."
- Maurice Blanchot: Das Menschengeschlecht, in: Ders.: Das Unzerstörbare. Ein unendliches Gespräch über Sprache, Literatur und Existenz, München 1991, S. 197.
"Wenn Spinoza den berühmten Satz gelehrt hat, daß ‚verum index sui et falsi’ sei, so würden wir demgegenüber sagen, daß ‚falsum index sui et veri’ wäre, das heißt, daß es einen positiven, tangiblen, dinghaften Begriff der Wahrheit nicht gebe, wie er eben ja nur in dem Anspruch der unmittelbaren Identität der Ordnung der Dinge und der Sachen garantiert wäre. Aber auf der anderen Seite ist selbstverständlich die Kraft, von der die Einsicht in die Unwahrheit lebt, eben doch die Idee der Wahrheit – nur daß wir nicht diese Idee selber als eine gegebene haben, sondern daß sie nur gleichsam die Lichtqquelle ist, von der aus die bestimmte Negation, die Einsicht in das bestimmte Unwahre eigentlich geschieht."
- Theodor W. Adorno: Einführung in die Dialektik, Frankfurt am Main 2010, S. 269.
(Quelle: lf)
"Man frage mich nicht, wer ich bin, und man sage mir nicht, ich solle der gleiche bleiben: das ist eine Moral des Personenstandes; sie beherrscht unsere Papiere. Sie soll uns frei lassen, wenn es sich darum handelt zu schreiben."
- Michel Foucault: Archäologie des Wissens. Übersetzt von Ulrich Köppen. Frankfurt am Main 1981, S. 30.