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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Die Gemeinschaft der Liebenden, ob sie es wollen oder nicht, ob sie es genießen oder nicht, ob sie verbunden sind durch Zufall, durch »Amour fou« oder durch Todesleidenschaft (Kleist), hat zu ihrem wesentlichen Ziel die Zerstörung der Gesellschaft. Dort, wo sich eine vorübergehende Gemeinschaft zwischen zwei Wesen bildet, die füreinander geschaffen sind oder nicht, baut sich eine Kriegsmaschine auf, oder besser gesagt, die Möglichkeit des Desasters, das, wenn auch nur in infinitesimaler Dosis, die Drohung einer universellen Vernichtung in sich trägt."
- Maurice Blanchot: Die uneingestehbare Gemeinschaft, Berlin 2007, S. 84.
"Die Entgegnung, die ich darauf zu geben habe, ist die, daß die Gesellschaft, die vergesellschaftete Gesellschaft, eben nicht bloß ein solcher funktionaler Zusammenhang zwischen den vergesellschafteten Menschen ist, sondern daß sie wesentlich, als eine Voraussetzung, bestimmt ist durch den Tausch. Das, was Gesellschaft eigentlich zu einem Gesellschaftlichen macht, wodurch sie im spezifischen Sinn sowohl begrifflich konstituiert wird, wie auch real konstituiert wird, das ist das Tauschverhältnis, das virtuell alle Menschen, die an diesem Begriff von Gesellschaft teilhaben, zusammenschließt, und das in einem gewissen Sinne auch die Voraussetzung nachkapitalistischer Gesellschaften, wenn ich es einmal so vorsichtig jetzt ausdrücken soll, darstellt, in denen ja sicher nicht davon die Rede sein kann, daß nicht mehr getauscht wird."
- Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, Frankfurt am Main 2003, S. 57.
"Der Staat und die Einrichtung der Gesellschaft sind von dem politischen Standpunkt aus nicht zwei verschiedene Dinge. Der Staat ist die Einrichtung der Gesellschaft. Sofern der Staat soziale Mißstände zugesteht, sucht er sie entweder in Naturgesetzen, denen keine menschlichen Macht gebieten kann, oder in dem Privatleben, das von ihm unabhängig ist, oder in der Zweckwidrigkeit der Administration, die von ihm abhängt. […] Nach einer andern Seite hin erklärt es den Pauperismus aus dem schlechten Willen der Armen, wie ihn der König von Preußen aus dem unchristlichen Gemüt der Reichen und wie ihn der Konvent aus der konterrevolutionären verdächtigen Gesinnung der Eigentümer erklärt. England bestraft daher die Armen, der König von Preußen ermahnt die Reichen, und der Konvent köpft die Eigentümer.
Endlich suchen alle Staaten in zufälligen oder absichtlichen Mängeln der Administration die Ursache, und darum in Maßregeln der Administration die Abhülfe seiner Gebrechen. Warum? Eben weil die Administration die organisierende Tätigkeit des Staats ist.
Den Widerspruch zwischen der Bestimmung und dem guten Willen der Administration einerseits, und ihren Mitteln wie ihrem Vermögen andrerseits, kann der Staat nicht aufheben, ohne sich selbst aufzuheben, denn er beruht auf diesem Widerspruch. […] Die Administration muß sich daher auf eine formelle und negative Tätigkeit beschränken, denn wo das bürgerliche Leben und seine Arbeit beginnt, eben da hat ihre Macht aufgehört. Ja, gegenüber den Konsequenzen, welche aus der unsozialen Natur dieses bürgerlichen Lebens, dieses Privateigentums, dieses Handelns, dieser Industrie, dieser wechselseitigen Plünderung der verschiedenen bürgerlichen Kreise entspringen, diesen Konsequenzen gegenüber ist die Ohnmacht das Naturgesetz der Administration."
- Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel “Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen”, in: Institut für Marxismus-Leninismus (Hg.): Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Berlin 1988, Band 1, S. 401.
Vergegenständlichungen notwendiger Metaphern XXIII: Individuierung der Gesellschaft und Vergesellschaftung der Individuen .

Vergegenständlichungen notwendiger Metaphern XXIII: Individuierung der Gesellschaft und Vergesellschaftung der Individuen .

(via blazinuzumaki)

"herr koester kauft sich für sein geld häuser und autos und solches zeug. die lehrlinge wissen dass das alles nicht glücklich macht. sie geben im fernsehen gut acht was man mit dem schönen geld alles anfangen kann. im fernsehen haben leute mit viel geld oft schwierigkeiten. manchmal verlieren sie sogar ihr vermögen. das kann gerda und ingrid nicht geschehen. sie sparen auf mopeds kleidung reisen fotoapparate und auf andere klasse dinge. ätsch sagt ein lehrling. herr koester hat kein moped aber ich kauf mir bald eines. für 2 tage gehört gerda und ingrid die welt die ihnen im tv gezeigt wird. das tv zeigt ihnen auch gleich was sie mit dieser welt alles machen können. die andre wirkliche welt gehört natürlich herrn koester. aber die ist auch nicht so aufregend. immer nur langweilige parties golfspiel und so. nein da hat unser flipper doch viel viel aufregendere abenteuer zu bestehen. jeder lehrling ist sein eigener mini flipper. jeder lehrling wünscht sich einen kleinen mini porter ricks. diese welt ist auch prima wenn die tage nicht so ganz voll sonne sind. aber meistens sind sie ja voll sonne. ausserdem: fernsehen kann man im zimmer!"
- Elfriede Jelinek: Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft, Reinbeck bei Hamburg 1972, S. 129.
"Die provokatorischen Züge eines Versuchs möchte der Autor nicht beschönigen. Es muß zynisch erscheinen, nach dem, was in Europa geschah und was weiter droht, Zeit und geistige Energie an die Enträtselung esoterischer Fragen der modernen Kompositionstechnik zu verschwenden. Überdies treten die hartnäckigen artistischen Auseinandersetzungen des Textes oft genug auf, als sprächen sie unmittelbar von jener Realität, die an ihnen sich desinteressiert. Aber vielleicht fällt doch vom exzentrischen Beginnen einiges Licht auf einen Zustand, dessen vertraute Manifestation einzig noch dazu taugen, ihn zu maskieren, und dessen Protest nur laut wird, wo das öffentliche Einverständnis bloße Abseitigkeit vermutet. Dies ist nur Musik; wie muß vollends eine Welt beschaffen sein, in der schon Fragen des Kontrapunktes von unversöhnlichen Konflikten zeugen."
- Theodor W. Adorno: Philosophie der neuen Musik, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 12, S. 10.
"Das Erdbeben von Lissabon reichte hin, Voltaire von der Leibniz’schen Theodizee zu kurieren, und die überschaubare Katastrophe der ersten Natur war unbeträchtlich, verglichen mit der zweiten, gesellschaftlichen, die der menschlichen Imagination sich entzieht, indem sie die reale Hölle aus dem menschlich Bösen bereitete. Gelähmt ist die Fähigkeit zur Metaphysik, weil, was geschah, dem spekulativen metaphysischen Gedanken die Basis seiner Vereinbarkeit mit der Erfahrung zerschlug."
- Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno -  Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 6, S. 354 (via noxe).
"Dürfen in der Kunst formale Charakteristiken nicht umstandslos politisch interpretiert werden, so ist doch in ihr kein Formales ohne inhaltliche Implikate und die reichen bis zur Politik. In der Befreiung der Form, wie alle genuin neue Kunst sie will, verschlüsselt sich vor allem anderen die Befreiung der Gesellschaft, denn Form, der ästhetische Zusammenhang alles Einzelnen, vertritt im Kunstwerk das soziale Verhältnis."
- Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie. Frankfurt 1970, S. 379 (via fextracts).
"Seinen Dämon nicht in die Nächsten fahren lassen! - Bleiben wir immerhin für unsere Zeit dabei, daß Wohlwollen und Wohltun den guten Menschen ausmache; nur laßt uns hinzufügen: »vorausgesetzt, daß er zuerst gegen sich selber wohlwollend und wohltuend gesinnt sei!« Denn ohne dieses - wenn er vor sich flieht, sich haßt, sich Schaden zufügt - ist er gewiß kein guter Mensch. Dann rettet er sich nur in die anderen, vor sich selber: mögen diese anderen zusehen, daß sie nicht schlimm dabei fahren, so wohl er ihnen anscheinend auch will! - Aber gerade dies: das ego fliehen und hassen und im anderen, für den anderen leben - hat man bisher, ebenso gedankenlos als zuversichtlich, »unegoistisch« und folglich »gut« geheißen."
- Friedrich Nietzsche: Morgenröte - Gedanken über die moralischen Vorurteile, in: Werke und Briefe, München und Wien 1954, Band 1, Viertes Buch, S. 1252 ff. (noxe).
"Kommunismus, Gemeinschaft: solche Termini sind wirkliche Termini, insofern die Geschichte, die grandiose Enttäuschung der Geschichte sie uns auf dem Hintergrund eines Desasters erkennen lassen, das weit über den Ruin hinausgeht.
Entehrte oder verratene Begriffe, das gibt es nicht, wohl aber Begriffe, die nicht ‘angemessen’ sind ohne ihre eigentliche oder uneigentliche Preisgabe (die nicht ihre schlichte Negation ist), und das erlaubt uns nicht, sie ruhig zurückzuweisen oder zu verwerfen. Was immer wir vorhaben, wir sind gerade durch ihre Zerrüttung an sie gebunden. Während ich das schreibe, lese ich die Zeilen von Edgar Morin, die viele von uns gutheißen können: “Der Kommunismus ist die wichtigste Frage und die entscheidende Erfahrung meines Lebens. Ich habe nicht aufgehört, mich in den Bestrebungen wiederzuerkennen, die er zum Ausdruck bringt, und ich glaube immer noch an die Möglichkeit einer anderen Gesellschaft und einer anderen Menschheit.”
Diese schlichte Behauptung mag naiv erscheinen, aber in ihrer Redlichkeit sagt sie uns etwas, dem wir uns nicht entziehen können: warum? was hat es mit der Möglichkeit auf sich, die stets auf die eine oder andere Weise in ihre Unmöglichkeit verwickelt ist?"
- Maurice Blanchot: Die uneingestehbare Gemeinschaft, Berlin 2007, S. 10.
"Der Gegensatz von Individual- und Sozial- oder Massenpsychologie […] verliert bei eingehender Betrachtung sehr viel von seiner Schärfe. Die Individualpsychologie ist zwar auf den einzelnen Menschen eingestellt und verfolgt, auf welchen Wegen derselbe die Befriedigung seiner Triebregungen zu erreichen sucht, allein sie kommt dabei nur selten […] in die Lage, von den Beziehungen dieses Einzelnen zu anderen Individuen abzusehen. Im Seelenleben des Einzelnen kommt ganz regelmäßig der Andere als Vorbild, als Objekt, als Helfer und als Gegner in Betracht und die Individualpsychologie ist daher von Anfang an auch gleichzeitig Sozialpsychologie."
- Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse, in: GW XIII, S.73.
"Ich spreche von Mitleid: aber es geht nicht um ein Mitgefühl, das über sich selbst in Rührung gerät und sich daraus speist. Mitleid: das heißt Ansteckung, Berührung des Mit-ein-ander-seins in diesem Getümmel. Weder Altruismus noch Identifikation, sondern Erschütterung durch brutale Kontiguität."
- Jean-Luc Nancy: singulär plural sein, Berlin 2004, S. 11.