"Vergeltung ist die Zeit, die sich aufgrund der Schuld versäumt hat."
- Alexander Garcia Düttmann: Das Gedächtnis des Denkens. Versuch über Heidegger und Adorno, Frankfurt am Main1991, S. 52.
"Es hilft nichts: philosophisch sind wir immer noch Zeitgenossen der Junghegelianer."
- Jürgen Habermas: Nachmetaphysischer Denken, Frankfurt am Main 1992, S. 277.
"– »Nie mehr, nie mehr!«
– Und doch ist da ein Widerspruch: dieses »Nie mehr« ist nicht ewig, weil man selbst eines Tages stirbt.
»Nie mehr« ist das Wort eines Unsterblichen."
- Roland Barthes: Tagebuch der Trauer, München 2010, S. 21.
"Eine sorglose Kindheit stellt sich später oft als ein Fehler heraus."
- Wolf Wondratschek: Zustände und Zusammenhänge, in: Ders.: Früher begann der Tag mit einer Schußwunde, München 1972, S. 25.
"Im Zusammen-Erscheinen wird folgendes exponiert - und dies sollte man in allen denkbaren Kombinationen zu lesen wissen: ‘du (b(ist) / und) (ganz anders als) ich’; oder einfacher gesagt: du Mit-Teilung ich."
- Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft, Stuttgart 1988, S. 65.
"Hegels Philosophie rauscht."
- Theodor W. Adorno: Aspekte, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 5, S. 294.
"Der Tod, [wenn wir jene Unwirklichkeit so nennen wollen], ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die größte Kraft erfordert."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes, in: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Werke, Frankfurt am Main 1986, Band 3, S. 36.
"Um noch über das Belehren, wie die Welt sein soll, ein Wort zu sagen, so kommt dazu ohnehin die Philosophie immer zu spät. Als der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat. Dies, was der Begriff lehrt, zeigt notwendig ebenso die Geschichte, daß erst in der Reife der Wirklichkeit das Ideale dem Realen gegenüber erscheint und jenes sich dieselbe Welt, in ihrer Substanz erfaßt, in Gestalt eines intellektuellen Reichs erbaut. Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Gestalt des Lebens alt geworden, und mit Grau in Grau läßt sie sich nicht verjüngen, sondern nur erkennen; die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, in: Eva Moldenhauer (Hg. u.a.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel Werke, Frankfurt am Main 1979, Band 7, S. 28.
(Quelle: noxe)
"Aber vor allem war meine Art, mich dieser Epoche zu entziehen, glaube ich, die Geschichte der Philosophie als eine Art Arschfick zu verstehen, oder was auf dasselbe hinausläuft: unbefleckte Empfängnis. Ich stellte mir vor, hinter den Rücken eines Autors zu gelangen und ihm ein Kind zu machen, das sein eigenes und trotzdem monströs wäre. Es ist sehr wichtig, daß es sein eigenes ist, weil es nötig ist, daß der Autor wirklich all das sagt, was ich ihn sagen lasse. Aber es war auch wichtig, daß das Kind monströs wird, weil er alle Arten von Dezentrierung - Gleitbewegungen, Brüche, geheime Absonderungen - durchlaufen mußte, die mir beliebten."
- Gilles Deleuze: Brief an Michel Cressole, in: Ders.: Kleine Schriften, Berlin 1980, S. 12.
"Da sitze ich nun mitten 2 Schriftgelehrten, mit meinem Gestammel und muß stets gegenwärtig sein, daß sie beide an mir herumziehen voll Entsetzen über all meine faux pas. Ist es da nicht tolldreist, wenn ich es trotzdem wage."
- Gretel Adorno: Brief an Walter Benjamin vom 29. September 1937, in: Christoph Gödde & Henri Lonitz (Hg.): Gretel Adorno & Walter Benjamin - Briefwechsel 1930-1940, Frankfurt am Main 2005, S. 295f.
"Er sucht und kreist dabei wieder und wieder um dieses Wort in der Mitte und weiß, daß Finden immer noch Suchen ist, nur auf die Mitte bezogen, die selber unfindbar bleibt. Die Mitte erlaubt zu finden und zu kreisen, aber läßt sich selber nicht finden. Die Mitte als Mitte ist immer heil.
Kreisend um ihre Anwesenheit, der er nur so begegnen konnte, auf diesem Umweg, in dieser Abkehr.
Das Auge-in-Auge mit ihrer Anwesenheit (die immer sich abkehrt)."
- Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main 1964, S. 99f.
"Sie trug den Becher in der Hand
- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
-
So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, daß es zitternd stand.
-
Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Daß keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte."
- Hugo von Hofmannsthal: Die Beiden, in: Ders: Gedichte, Frankfurt am Main und Leipzig 1934, S. 12.
"Wenn die sogenannte Krebszelle, die sich unendlich reproduziert, ewig ist, denkt derjenige, der daran stirbt, und das ist die Ironie seines Todes: ‘Ich sterbe an meiner Ewigkeit”."
- Maurice Blanchot: Die Schrift des Desasters, München 2005, S. 109.
"Das echte Bild mag alt sein, aber der echte Gedanke ist neu. Er ist von heute. Dies Heute mag dürftig sein, zugegeben. Aber es mag sein wie es will, man muß es fest bei den Hörnern haben, um die Vergangenheit befragen zu können. Es ist der Stier, dessen Blut die Grube erfüllen muß, wenn an ihrem Rande die Geister der Abgeschiedenen erscheinen sollen."
- Walter Benjamin: Wider ein Meisterwerk, in: Hella Tiedemann-Bartels (Hg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main 1991, Band III, S. 259.
"Ich bin gewesen, wo ich schon einmal war"
- Rudolf Borchardt: Klassische Ode, in: Theodor W. Adorno (Hg.): Rudolf Borchardt - Ausgewählte Gedichte, Frankfurt am Main 1968, S. 70.