"Die Freundschaft ist keine Gabe, kein Versprechen, keine die Gattung auszeichnende Freigebigkeit, keine generische Generosität. Inkommensurable Beziehung des einen zum anderen, ist sie die wiederhergestellte Beziehung zum Draußen in seiner Unzulänglichkeit, Beziehung als Bruch. Das Begehren, reines unreines Begehren, ist der Aufruf zur Überschreitung des Abstands, der Aufruf, durch die Trennung miteinander zu sterben."
- Jacques Derrida zit. nach ders.: Politik der Freundschaft, Frankfurt am Main 2002, S. 396.
"Mußt nicht vor dem Tage fliehen:
Denn der Tag den du ereilest
Ist nicht besser als der heut’ge;
Aber wenn du froh verweilest
Wo ich mir die Welt beseit’ge,
Um die Welt an mich zu ziehen;
Bist du gleich mit mir geborgen,
Heut ist heute, morgen morgen,
Und was folgt und was vergangen
Reißt nicht hin und bleibt nicht hangen.
Bleibe du, mein Allerliebstes,
Denn du bringst es und du giebst es."
- Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan, in: Karl Richter (Hg.): Johann Wolfgang Goethe - Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Müncher Ausgabe, München 2006, Band 11.1.2, S. 67.
"Namen sind zweifellos phantastische Zeichner, die uns von Leuten und Ländern so unähnliche Skizzen liefern, daß wir oft ganz betroffen dastehen, wenn wir statt der eingebildeten Welt die sichtbare vor uns haben (die übrigens auch nicht die wirkliche ist, denn unsere Sinne besitzen nicht in viel höherem Grade die Gaben ähnlich zu zeichnen, als die Einbildungskraft, und die annähernd gut getroffenen Zeichnungen, die man vor der Wirklichkeit bekommen kann, sind mindestens ebenso verschieden von der gesehenen Welt als diese von der eingebildeten)."
- Marcel Proust:
Im Schatten der jungen Mädchen, in: Hella Tiedemann-Bartels (Hg.): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften, Übersetzungen, Supplement II, Frankfurt am Main 1987, S. 213.
(Quelle: noxe)
"Schreiben und Verlust; doch der Verlust ohne Gabe (eine Gabe ohne Gegengabe) läuft immer Gefahr, ein befriedender Verlust zu sein, der Sicherheit bringt. Deshalb gibt es zweifellos keine Sprache der Liebe, außer der Liebe in ihrer Abwesenheit, “gelebt” im Verlust, im Altern, das heißt im Tod."
- Maurice Blanchot: Die Schrift des Desasters, München 2005, S. 148f.
"Was, um es kurz zu machen, bedeutet, dass die Gabe als Gabe nur möglich ist, wo sie unmöglich erscheint. Wenn die Gabe stattgefunden haben soll, darf sie nicht als solche in Erscheinung treten. So wird man aber nie wissen, ob sie stattgefunden hat. Nie wird jemand mit einem hinreichenden Grad an Sicherheit sagen können ‚Die Gabe hat stattgefunden‘ oder auch nur ‚Ich habe gegeben‘, ‚Ich habe empfangen‘. Wenn es sie überhaupt gibt, wenn sie überhaupt möglich ist, muss die Gabe also unmöglich erscheinen. ‚Geben‘ heißt also das Unmögliche tun. Das Ereignis der Gabe darf nicht gesagt werden können; sobald man es ausspricht, zerstört man es. Anders gesagt: Es ist die Unmöglichkeit des Ereignisses, die das Maß für seine Möglichkeit gibt. Die Gabe ist unmöglich, und nur als unmögliche kann sie möglich werden. Es gibt kein ereignishafteres Ereignis als eine Gabe, die den Tausch, den Gang der Geschichte, den Kreislauf der Ökonomie unterbricht. […] Es gibt keine Möglichkeit der Gabe, die sich nicht als etwas präsentiert, das sich nicht präsentiert; sie ist das Unmögliche selbst."
- Jacques Derrida: Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen, Berlin 2003, S. 28f.
(Quelle: walter-benjamin-bluemchen)