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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Von der Einsamkeit angezogen, verweilt er dennoch im Weltlichen: ein Säulenheiliger ohne Säule."
- E.M. Cioran: Vom Nachteil, geboren zu sein, Frankfurt am Main 1979, S. 66.
"Sobald man allein lebt, quälen einen die Fragen nach dem ganzen eigenen Leben. Das macht einen schier fertig. Um es loszuwerden, bekleckert man alle Leute damit, die einen besuchen, und geht ihnen auf die Nerven. Allein sein heißt sich im Sterben üben."
- Louis-Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht, Reinbek bei Hamburg 2003, S. 496.
"Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.
-
Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:
-
dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen …"
- Rainer Maria Rilke: Einsamkeit, in: Manfred Engel (Hg. u.a.): Rainer Maria Rilke - Die Gedichte, Frankfurt am Main - Leipzig 2006, S. 303.
"Was schlimm ist
-
Wenn man kein Englisch kann,
von einem guten Kriminalroman zu hören,
der nicht ins Deutsche übersetzt ist.
-
Bei Hitze ein Bier sehn,
das man nicht bezahlen kann.
-
Einen neuen Gedanken haben,
den man nicht in einen Hölderlinvers einwickeln kann,
wie es die Professoren tun.
-
Nachts auf Reisen Wellen schlagen hören
und sich sagen, daß sie das immer tun.
-
Sehr schlimm: eingeladen sein,
wenn zu Hause die Räume stiller,
der Café besser
und keine Unterhaltung nötig ist.
-
Am schlimmsten:
nicht im Sommer sterben,
wenn alles hell ist
und die Erde für Spaten leicht."
- Gottfried Benn: Was schlimm ist, in: Bruno Hillebrand (Hg.): Gottfried Benn - Gedichte. In der Fassung der Erstdrucke, Frankfurt am Main 1982, S. 440 (Noxe).

Das Jahr 2011 in 13. Thesen

V. Der Lüge die Schönheit des Vollzugs der Wahrhaftigkeit, der Einsamkeit nicht die Rede des Einsamens beiseit zu stellen, sondern dieses Selbst in der Gespanntheit des Vielen selber zu ertragen - ist unendliche Aufgabe, so wie die Politiken der Freundschaft ruhig das zersetzen können, was schlecht abstrakt immer als Souveränität der Liebe erscheint: die heitere Gelassenheit im Vielen des einen, im Einen des Vielen.  

"Gern spricht er manchmal mit empfindsam veranlagten Menschen, ohne ihre Hand zu berühren, und er wahrt Distanz aus Furcht vor eingebildeter Gefahr. Wenn man ihn fragt, warum er die Einsamkeit zur Gefährtin gewählt hat, dann hebt er die Augen zum Himmel und unterdrückt nur mit Mühe eine Träne des Vorwurfs wider die Vorsehung; Antwort aber gibt er nicht auf diese unvorsichtige Frage, die in den Schnee seiner Augenlider die Röte der morgenfrischen Rose gießt. Wenn die Unterhaltung sich in die Länge zieht, wird er unruhig, wendet die Augen nach den vier Seiten des Horizonts, als suchte er der Gegenwart eines sich nahenden, unsichtbaren Feindes zu entfliehen, winkt mit der Hand ein plötzliches Lebewohl, entfernt sich auf den Schwingen seiner wachsamen Scham und verschwindet im Walde. Man hält ihn allgemein für wahnsinnig."
- Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 66.
Menschen machen’s vor, Natur wieder nach I: Böcklins Insel der Toten (fuckyeaheyegasms:An iceberg in Greenland (by Sigurjón Jónasson).

Menschen machen’s vor, Natur wieder nach I: Böcklins Insel der Toten (fuckyeaheyegasms:An iceberg in Greenland (by Sigurjón Jónasson).

(via shiro-absence)

"Mit den Mitmenschen zusammenzuleben ist eine Folter für mich. Und ich habe die Mitmenschen in mir. Selbst von ihnen entfernt bin ich zum Zusammenleben mit ihnen gezwungen. In meiner Einsamkeit umschließen mich Menschenmengen."
- Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Frankfurt am Main 1987, S. 92f.