Hint: Use 'j' and 'k' keys
to move up and down

Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Doch diese Frage stellt sich in Begriffen, die es Anfang des 20. Jahrhunderts nicht geben konnte: mehr als man selbst (bis wohin?) oder ein anderer als man selbst (wer?) sein. Das ist eine Sprache, die wir alle gut kennen: die Sprache der Droge."
- Alain Ehrenberg: Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, Frankfurt am Main 2008, S. 282.
"Ich finde kein besseres Wort als Erfahrung; nämlich im Sinne einer Reise, die die Grenze passiert. Eine Erfahrung zwischen zwei Erfahrungen: einerseits die Überfahrt, die Odyssee mit oder ohne Nostalgie - Sie kennen vielleicht den Text von Adorno und Horkheimer, der von den Lotophagen und dem homerischen Nostos handelt-, eine Irrfahrt, von der man nicht mehr zurückkehren kann, so viele in einer bestimmten Etymologie verhüllten Möglichkeiten des Wortes ‘Erfahrung’, das man manchmal, wie auch den ‘Trip’, mit der Erfahrung der ‘Droge’ verbindet, die Beziehung zum Anderen und die Öffnung gegenüber der Welt im allgemeinen; und andererseits das organisierte Experiment, das Experimentelle als ‘organisierte Reise’. Was bedeutet dieses zwischen? Das Zwischen bedeutet vielleicht, daß die Erfahrung, auf die ich mich beziehe, das Denken dieser Erfahrung oder diese Erfahrung als Denken, sich noch nicht durch die herkömmliche Opposition wie beispielsweise Natur/Technik, Natur/Artefakt, Nicht-Arbeit/Arbeit, natürliche Erfahrung/künstliches Experiment und so weiter bestimmen läßt. Ich spreche also nicht nur von der Erfahrung mit Drogen oder der Erfahrung mit Nicht-Drogen (die in der Natur ebensowenig vorkommen wie Drogen, oder?), sondern von Erfahrungen, die qualitativ sehr differenziert sind – manchmal sogar für ein und dasselbe ‘Individuum’ –, und die man nicht beschreiben kann, ohne die Qualifikationen und Standpunkte zu vervielfachen. […] Dabei geht es um nichts weniger als um das Ich, das Bewusstsein, die Vernunft, die Freiheit, das verantwortliche Subjekt, die Entfremdung, den eigenen Körper und den Fremdkörper, die sexuelle Differenz, das Unbewusste, die Unterdrückung oder Verdrängung, die verschiedenen ‘Partien’ des Körpers, die Injektion, die Introjektion und die (orale oder nicht-orale) Einverleibung, die Beziehung zum Tod (die Trauer und Verinnerlichung), die Idealisierung, die Sublimierung, das Reale und das Gesetz, gut, ich höre auf…"
- Jacques Derrida: Die Rhetorik der Droge, in: Peter Engelmann (Hg.): Jacques Derrida - Auslassungpunkte. Gespräche, Wien1998, S. 255.