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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Während sich die Hauptvarianten der poetischen Gattungen in der Bahn der vereinheitlichenden und zentralisierenden Kräfte des verbal-ideologischen Lebens herausbildeten, entstanden der Roman und die ihm verwandten Gattungen der künstlerischen Prosa historisch im Rahmen der dezentralisierenden, zentrifugalen Kräfte. Während die Dichtung auf der Höhe des offiziellen sozioideologischen Kontextes die kulturelle, nationale und politische Zentralisation der verbal-ideologischen Welt bewerkstelligte, erklang in den Niederungen, in Schaubuden und auf Jahrmarktsbühnen die Redevielfalt der Narren, ein Nachäffen aller ‘Sprachen’ und Dialekte, entwickelte sich die Literatur der Fabliaux und Schwänke, der Straßenlieder, Sprichwörter und Anekdoten, in der es keinerlei sprachliches Zentrum gab, in der das lebendige Spiel ‘mit den Sprachen’ Masken waren und es kein unumstrittenes sprachliches Gesicht gab."
- Michail M. Bachtin: Das Wort im Roman, in: Rainer Grübel (Hg.): Michail M. Bachtin - Die Ästhetik des Wortes, Frankfurt am Main 1979, S. 166.
"Die messianische Welt ist die Welt allseitiger und integraler Aktualität. Erst in ihr gibt es Universalgeschichte. Was sich heute so bezeichnet, kann immer nur eine Sorte von Esperanto sein. Es kann ihr nichts entsprechen, eh die Verwirrung, die vom Turmbau zu Babel herrührt, geschlichtet ist. Sie setzt die Sprache voraus, in die jeder Text einer lebenden oder toten ungeschmälert zu übersetzen ist. Oder besser, sie ist diese Sprache selbst. Aber nicht als geschriebene sondern vielmehr als die festlich begangene. Dieses Fest ist gereinigt von aller Feier und kennt keine Festgesänge. Seine Sprache ist die Idee der Prosa selbst, die von allen Menschen verstanden wird wie die Sprache der Vögel von Sonntagskindern."
- Walter Benjamin: “Paralipomena zu den Thesen Über den Begriff der Geschichte”, in: Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser (Hg.): Walter Benjamin -  Gesammelte Schriften, Frankfurt am Main 1991, Band I.3, S. 1239.

(Quelle: lf)

"Im Zusammen-Erscheinen wird folgendes exponiert - und dies sollte man in allen denkbaren Kombinationen zu lesen wissen: ‘du (b(ist) / und) (ganz anders als) ich’; oder einfacher gesagt: du Mit-Teilung ich."
- Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft, Stuttgart 1988, S. 65.
Anzustrebende Wohnorte XIII: Marginalisierte Lesekreise.
Die Rückkehr in den Studienort markiert immer ein Ereignis, was sich in Kreisen vollzieht. Es fängt irgendwo an, wo es fast immer anfing: In einem Zimmer, was mit Sitzgelegenheiten überfüllt war, was von Tischen bevölkert wurde, die voll waren. Asche, Flaschen, mit Asche und Filtern gefüllte Tassen oder Gläser, je wechselnd, da es beständig dämmerte. Es war vollkommen gleich, wo es anfing. Es fing dort an, wo eine anfing zu sprechen, wo es meist um irgendeinen Text ging, wo irgendein Text mitsprach. Er lag vor einem, war irgendwie erinnert präsent, berührte jemand anderes an der Stirn oder im Magen.
Im Sprechen über Texte verfeinerte sich die Inneneinrichtung. Es kamen Bücher hinzu. Ein Wettstreit um die pure Quantität von Buchleibern, die sich an den Wänden stapeln und in den Regalen reihen sollten. War dies nicht gegeben, wurde mit Anschaffungsbemühungen rationalisiert, es wurde auf die Kopienstapel verwiesen oder davon gesprochen, dass einem das Gespräch zur Stützung des Wissens oder Begreifens stets angemessener erschienen sei. Manche_r musste auch aussprechen, dass ihm oder ihr Theorie nie so wichtig gewesen sei, eher die bildende Kunst oder das Musikalische. Dann gab es Plattenreihen oder einen Gerhard Richter. Aber auch sonst bleibt das Mobiliar nicht von den Gegenständen des Gesprächs ausgeschlossen.  Es wird anerkannt in seiner Farbkomposition, in der Schönheit der Weingläser oder in der Unabgestimmtheit von Küchenboden und Bestuhlung. Es war erwachsener geworden, es gab eine Sorge um den anderen, die nicht unbedingt in Ressentiment und Rancune untergehen musste. Aber durchwegs, gerade im Anfangen, aufkommen musste.
In manchen dieser Kreise fand man auch andere Aufarbeitungsstrategien oder Verdrängungsmaschinen: Es wurde der Rausch intensiviert oder die Gerichtetheit der Beleidigungen, so dass diese als kleine Partikel aufgenommen und verteilt wurden. Dies ist meist dort gegeben, wo es einen Hang zum gebundenen Sprechen gibt, einem Sprechen in bestimmten Versen. In solchen musikalischen Kreisen kann länger gerastet werden, weil sie auch dem Rausch nie abträglich sind. Meist sind dort die Gespräche systematischer, als in den Kreisen, die sich ausschließlich auf Texte verfestigt haben. Sie greifen punktuell ein, entfalten dies, solange der Beat anhält; sie verflüchtigen sich wieder, wo es in Feindmarkierungen gipfeln könnte und stiften einen faulen bis umstrittenen Frieden. Findet sich im textuellorientierten Lesekreis eine solche Verunreinigung ein, so kann diese immerhin mit neuen Referenzen überboten werden, die nicht einfach auf Metrik, Metaphorik und Korrespondenzverhältnisse zum Beat abzielen, sondern ein ungeteiltes Gemeinsames in den Raum überführen: Das Nicht-Wissen.
Freilich kann das Nicht-Wissen mit der Zahl der in einem Raum nicht befindlichen Bücher gleichgesetzt werden. In infantilen Lesekreisen wird dies an der Zahl der Bücher markiert, die in den Kanon gehören. Es werden erst immer die fünf oder zehn zentralen Werke in den Bücherregalen ausgemacht, dann kann in die Differenzierungen ausgebrochen werden, so dass sich auch dort Gemeinsamkeiten finden. Manchmal wird aber auch das Nicht-Wissen im Gespräch manifest, so dass es sich in unterschiedlichen Handlungen anerkannt weiß.
Triumphiert das Bornierte, der Verweis auf die Unbelesenheit oder die Lüge, dass dies doch alles sonnenklar sei, dann muss dieser Kreis verlassen werden. Schamesröte und Selbstkritiktribunale sind dieser freiwilligen Organisationsform unangemessen, wenn sie überhaupt je ihre Angemessenheit entfalten konnten. Bedingt durch die aufkommenden Hierarchisierungstendenzen in solchen Kreisen, wer denn nun das Erste ist, in welcher Hinsicht auch immer, die oder der kann nur zeitweise an dem Anfang stehen, da im Kreis stets alles gleich nah zum Mittelpunkt sein muss, so dass immer wieder Menschen aus diesem Kreis ausscheiden. Der Kreis ist auch eine Reinszenierung. Er wiederholt sich nicht nur jede Woche, außer in den Semesterferien, sondern er hat auch immer wieder dieselben Streits. Wechseln dann nicht die Hierarchisierungsmuster, dann ist er abgestorben, dann toben Grabenkämpfe. Solche Reinszenierungen verlangen andere Formen des Austausches oder des Dialogs, die nicht in Lesekreisen zu bewältigen sind. Die Gleichsetzung von Lesekreis und Selbsthilfegruppe kann inszestuöse bis triangulierte Formen hervortreiben, die meist sehr strapaziös verlaufen, sehr aufzehrend sind. 
Das Wundersame in gewissen Zeiten in Marburg war, dass es stets so viele Lesekreise gab, dass einfach die Fluktuation des schönen Sprechens so groß war, dass es keinen sinnvollen Anfang oder ein unangemessenes Enden gegeben hätte: Sie lasen auch dann noch, als die Lichtquellen ihrer Erkenntnis schon längst abgestellt waren und der Kabelbruch jedes gebundene Sprechen unmöglich machte. Marburg war für eine Zeit, zwei Lesekreis. Immer mal wieder jenseits einer Wahrheit seienden Orthodoxie und einer repressiven Toleranz der Beliebigkeiten. Gut, dass sich so etwas reinszenieren lässt.

Anzustrebende Wohnorte XIII: Marginalisierte Lesekreise.

Die Rückkehr in den Studienort markiert immer ein Ereignis, was sich in Kreisen vollzieht. Es fängt irgendwo an, wo es fast immer anfing: In einem Zimmer, was mit Sitzgelegenheiten überfüllt war, was von Tischen bevölkert wurde, die voll waren. Asche, Flaschen, mit Asche und Filtern gefüllte Tassen oder Gläser, je wechselnd, da es beständig dämmerte. Es war vollkommen gleich, wo es anfing. Es fing dort an, wo eine anfing zu sprechen, wo es meist um irgendeinen Text ging, wo irgendein Text mitsprach. Er lag vor einem, war irgendwie erinnert präsent, berührte jemand anderes an der Stirn oder im Magen.

Im Sprechen über Texte verfeinerte sich die Inneneinrichtung. Es kamen Bücher hinzu. Ein Wettstreit um die pure Quantität von Buchleibern, die sich an den Wänden stapeln und in den Regalen reihen sollten. War dies nicht gegeben, wurde mit Anschaffungsbemühungen rationalisiert, es wurde auf die Kopienstapel verwiesen oder davon gesprochen, dass einem das Gespräch zur Stützung des Wissens oder Begreifens stets angemessener erschienen sei. Manche_r musste auch aussprechen, dass ihm oder ihr Theorie nie so wichtig gewesen sei, eher die bildende Kunst oder das Musikalische. Dann gab es Plattenreihen oder einen Gerhard Richter. Aber auch sonst bleibt das Mobiliar nicht von den Gegenständen des Gesprächs ausgeschlossen.  Es wird anerkannt in seiner Farbkomposition, in der Schönheit der Weingläser oder in der Unabgestimmtheit von Küchenboden und Bestuhlung. Es war erwachsener geworden, es gab eine Sorge um den anderen, die nicht unbedingt in Ressentiment und Rancune untergehen musste. Aber durchwegs, gerade im Anfangen, aufkommen musste.

In manchen dieser Kreise fand man auch andere Aufarbeitungsstrategien oder Verdrängungsmaschinen: Es wurde der Rausch intensiviert oder die Gerichtetheit der Beleidigungen, so dass diese als kleine Partikel aufgenommen und verteilt wurden. Dies ist meist dort gegeben, wo es einen Hang zum gebundenen Sprechen gibt, einem Sprechen in bestimmten Versen. In solchen musikalischen Kreisen kann länger gerastet werden, weil sie auch dem Rausch nie abträglich sind. Meist sind dort die Gespräche systematischer, als in den Kreisen, die sich ausschließlich auf Texte verfestigt haben. Sie greifen punktuell ein, entfalten dies, solange der Beat anhält; sie verflüchtigen sich wieder, wo es in Feindmarkierungen gipfeln könnte und stiften einen faulen bis umstrittenen Frieden. Findet sich im textuellorientierten Lesekreis eine solche Verunreinigung ein, so kann diese immerhin mit neuen Referenzen überboten werden, die nicht einfach auf Metrik, Metaphorik und Korrespondenzverhältnisse zum Beat abzielen, sondern ein ungeteiltes Gemeinsames in den Raum überführen: Das Nicht-Wissen.

Freilich kann das Nicht-Wissen mit der Zahl der in einem Raum nicht befindlichen Bücher gleichgesetzt werden. In infantilen Lesekreisen wird dies an der Zahl der Bücher markiert, die in den Kanon gehören. Es werden erst immer die fünf oder zehn zentralen Werke in den Bücherregalen ausgemacht, dann kann in die Differenzierungen ausgebrochen werden, so dass sich auch dort Gemeinsamkeiten finden. Manchmal wird aber auch das Nicht-Wissen im Gespräch manifest, so dass es sich in unterschiedlichen Handlungen anerkannt weiß.

Triumphiert das Bornierte, der Verweis auf die Unbelesenheit oder die Lüge, dass dies doch alles sonnenklar sei, dann muss dieser Kreis verlassen werden. Schamesröte und Selbstkritiktribunale sind dieser freiwilligen Organisationsform unangemessen, wenn sie überhaupt je ihre Angemessenheit entfalten konnten. Bedingt durch die aufkommenden Hierarchisierungstendenzen in solchen Kreisen, wer denn nun das Erste ist, in welcher Hinsicht auch immer, die oder der kann nur zeitweise an dem Anfang stehen, da im Kreis stets alles gleich nah zum Mittelpunkt sein muss, so dass immer wieder Menschen aus diesem Kreis ausscheiden. Der Kreis ist auch eine Reinszenierung. Er wiederholt sich nicht nur jede Woche, außer in den Semesterferien, sondern er hat auch immer wieder dieselben Streits. Wechseln dann nicht die Hierarchisierungsmuster, dann ist er abgestorben, dann toben Grabenkämpfe. Solche Reinszenierungen verlangen andere Formen des Austausches oder des Dialogs, die nicht in Lesekreisen zu bewältigen sind. Die Gleichsetzung von Lesekreis und Selbsthilfegruppe kann inszestuöse bis triangulierte Formen hervortreiben, die meist sehr strapaziös verlaufen, sehr aufzehrend sind. 

Das Wundersame in gewissen Zeiten in Marburg war, dass es stets so viele Lesekreise gab, dass einfach die Fluktuation des schönen Sprechens so groß war, dass es keinen sinnvollen Anfang oder ein unangemessenes Enden gegeben hätte: Sie lasen auch dann noch, als die Lichtquellen ihrer Erkenntnis schon längst abgestellt waren und der Kabelbruch jedes gebundene Sprechen unmöglich machte. Marburg war für eine Zeit, zwei Lesekreis. Immer mal wieder jenseits einer Wahrheit seienden Orthodoxie und einer repressiven Toleranz der Beliebigkeiten. Gut, dass sich so etwas reinszenieren lässt.

(via naipan)

"‘Sind wir zusammen?’ ‘Nur beinahe, nicht wahr? Ganz nur, wenn wir getrennt sein könnten.’"
- Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main , S. 32.
"Vorgewußt blutet
zweimal hinter dem Vorhang,
-
Mitgewußt
perlt"
- Paul Celan: Vorgewußt blutet, in: Barbara Wiedemann (Hg.): Paul Celan - Die Gedichte, Frankfurt am Main 2005, S. 280.
"‘Ich werde alles tun, was Sie wollen.’ Aber das genügte ihr jetzt nicht mehr. ‘Ich bitte Sie nicht, mir zu helfen, ich bitte Sie dazusein und zu warten, wie ich.’ - ‘Worauf soll ich denn warten?’ Doch sie verstand diese Frage nicht. Wartete man auf etwas Bestimmtes, so wartete man schon etwas weniger."
- Blanchot, Maurice: Warten Vergessen, Frankfurt am Main 1964, S.18f.

(Quelle: nokturn, via astroisgoodforyou)

"Daß sie aufhört geheimnisvoll zu sein, ist ein Rätsel vielleicht, ja selber noch ein Geheimnis, aber von flüchtiger Dauer, geknüpft an den Augenblick, da beide, ohne ihre frühern Behelfe aufzugeben, beharrlich weitersprechen, als wäre Sprechen immer auch Sehen zugleich. Doch anders als ein Geheimnis, das beide betrifft, ist ihm die Art und Weise unannehmbar, wie auf ihn und sie das Ereignis zukommt, daß gerade sie, in einer Gegenwart der Zukunft oder Vergangenheit, zufällig und leichthin jeden Geheimnisses bar wird, Ereignis, das aufragt wie ein Mal des Vergessens, der Uniwssenheit und des Wartens, aufragt wie ihre eigene Anwesenheit (vergessen, ungewußt, erwartet), im Mittelpunkt des Wort-Raums.
Während sie jeden Geheimnisses bar wird, meint er, sie zu sehen im Namen ebendieses Geheimnisses, das sich von ihr zurückzieht; doch was er sieht, ist wiederum er, der darin versinkt, im Augenblick, da er die Gebärde sucht, die ihn davon erlöst."
- Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main 1964, S. 110.
"Verzweifelt
-
Droben schmettert ein greller Stein
Nacht grant Glas
Die Zeiten stehn
Ich
Steine.
Weit
Glast
Du!"
- August Stramm: Verzweifelt, in: Jörg Drews (Hg.): August Stramm - Gedichte. Dramen. Prosa. Briefe, Stuttgart 1997, S. 29.
"Anna Blume ist die Stimmung, direkt vor und direkt nach dem Zubettgehen.
Anna Blume ist die Dame neben Dir
Anna Blume ist das einzige Gefühl für Liebe, dessen Du überhaupt fähig bist
Anna Blume bist Du
Anna Blume ausschlachten heißt Dich schlachten
Bist Du schon einmal geschlachtet worden?
Anna Blume schlachten heißt Dich ausschlachten
Du läßt Dich gern ausschlachten?
Schlachte Anna Blume, die Stimmung vor dem Zubettgehen
Schlachte Anna Blume, die Dame neben Dir
Anna Blume schlachten, ist die einzige Ausschlachtung, deren Du überhaupt fähig bist
Wenn Du nicht zufällig, Merz wolle Dich bewahren, ein ganz unfähiger Mensch sein solltest."
- Kurt Schwitters: Nennen Sie es Ausschlachtung, in: Joachim Schreck (Hg.): Kurt Schwitters Anna Blume und andere. Literatur und Grafik, Köln 1997, S. 13.
Plage des kommenden Jahrhunderts I: Bilder und Schrift. 
Es gibt die Unterschrift. Sie signiert nicht nur etwas, sie signiert tausende Dinge. Sie ist also kein wirkliches Original, denn nur in einer Wiederholung, der Kopie des Originals, ist dieses Original wirklich, erhält seinen Maßstab durch die Kopie. Und vor allem: Sie ist nicht über den ganzen, totalen Körper gezogen, sie ätzt sich nicht in Landschaft, Welpen, Brüste und peinliche Begebenheiten. Sie verweilt darunter. Und hat meist eine Linie gezogen bekommen, die ihr klar und deutlich macht, wo sie zu stehen hat. Das ist meistens nicht höflich, aber zweckmäßig. Auch war es im endenden IXX. Jahrhundert wohl gebräuchlich, dass Kunstwerke signiert wurden, nicht nur Dokumente des gewöhnlichen Verkehrs. Sie eröffneten ein neues Moment der Schönheit oder Hässlichkeit. Auch sie waren ins Urteil hineinzunehmen. 
Die Schrift war schon immer ein Gebrochenes, sie war immer in der Kritik, dass sie nicht vom Original stamme, dass nur die Stimme des Anderen verbürgen, sichern könnte, dass es auch wirklich der richtige Sinn, die richtige Bedeutung, die richtige Intention sei, die wir da gelesen hätten (und die Stimme des Anderen war immer schon die eigene Stimme; eine schlechte Annahme also). Sie war immer die gestörte Form der Kommunikation: Wer einem etwas zu sagen hatte, der sagte es immer mit der eigenen Stimme. Die Buchstaben, in die der Sinn gelegt, die seien immer verräterisch, mit tausend anderen Stimmen belegt, bloß reproduziert, verwirrt, selbstsüchtig und erlernt. Die Stimme dagegen sei frei und gebunden zugleich: Sie erst signiere das Original, nein, sie sei das Original, da nur der eins mit sich sein könne, der für sich sprechen kann. 
Dies sprachen dann einige einigen anderen klar ab: Frauen, Sklav_innen, Jüd_innen, Homosexuelle, Geisteskranke, Untermenschen könnten dies nicht. So sagte man - sie könnten nicht für sich sprechen, für sie musste gesprochen werden. Sie sprachen irgendwie nicht richtig, erfüllten einen Standard nicht, sie sprachen so verwirrend, so missverständlich. An der Sprache der richtigen Sprecher bloß parasitierend, sie nur nachäffend. Man wusste schon, wie richtig zu sprechen sei. Und dies war dann ein Monolog. Dann ist aber wieder der alte Bruch evident: 
Entweder ich kann immer verwirrt sein, mich immer missverstehen, dann führe ich aber einen Dialog, bin auf die Stimme des Anderen (der als Anderes unbestimmt bleiben muss) notwendig angewiesen, um mich selbst zu verstehen, weil wir irgendwie eine Sprache sprechen (weil viele vor uns sich schon sehr gut verstanden und eben missverstanden haben, aber irgendwie doch im Verstehen), aber ich kann auch nicht immer genau sagen können, was er oder sie oder es mir nun mitgeteilt haben. Oder ich verstehe mich immer, d.h. weiß immer genau, was ich und wie ich etwas sagen, da die Regeln der Sprache etwa einen Standardgebrauch festlegen, den ich weiß, so dass ich nie wirklich genau wissen kann, dass ich mich verstanden habe, da ich mich selbst nicht missverstehen kann. Ich kann also nie in der Schwebe sein, bin immer direkt im Abgrund oder im Himmel. 
Wer als Modell für die Sprache den Monolog setzt, d.h. nur die Beziehung eines Menschen zur Welt reflektiert, wenn er oder sie einen Begriff von Sprache wollen, dann ist der Abgrund evident: Ich kann mich eigentlich nicht wirklich verstehen, da mir der Andere fehlt, der wirklich sagen könnte, ob ich mich verstehe oder nicht verstehe. Dadurch ist aber die Stimme ein Schrift, die es zu lesen gilt, so in etwa. Nein, die Schrift ist also nicht ins Mindere zu schlagen, sondern eine gute Metapher für die Sprache (das kann ja bei Derrida schöner und eloquenter nachgelesen werden). 
Doch wie jede Metapher hat sie ihre Grenzen: Der Schreibende muss gar nicht mit dem Pinsel irgendwelche schönen Striche über’s Papier ziehen, um verstanden zu werden. Er kann sich an gewissen Buchstabenkombinationen orientieren, nein, er lernte die Kombinationen nur, indem er mit Anderen sprach, indem er mit diesen Anderen handelte, was mehr als das Sprechen ist, aber nur immer wieder im Sprechen aufgehoben werden kann. Aber wenn wir Lautmalen, irgendwelche Laute von uns geben, dann liest der Andere mehr: Entweder dass wir geisteskrank sind und deshalb gesondert behandelt werden müssen (schlechtere Entscheidung), oder er erkennt meinen Gebrauch der Sprechmittel als möglichen Gebrauch an. Dann könnten wir direkt diesen Gebrauch miteinander teilen. Wir hätten irgendwie den Gebrauch, die Regeln des Gebrauchs der Sprechmittel verändert, wenn auch Andere dies anerkennten. 
Dies könnte schwierig werden, aber es gibt eben immer nur die Möglichkeit der Unmöglichkeit, nie die ungebrochene Unmöglichkeit. Irgendwie ist also das Sprechen mit der Stimme unterschieden vom Sprechen mit der Schrift. Das Sprechen mit der Stimme kennt andere, vielleicht unmittelbarere Formen des Missverstehens und Verstehens, die aber eben auch dem Missverstehen ausgesetzt sind. 
Die Stimme, die Darstellung der Kommunikation durch ein Sender-Empfänger-Modell, die Sprache als eine Standardsprache, als Monolog hat also eine Aporie mit sich herumzutragen: Wie kommt der Inhalt in die Worte? War alles schon klar im Kopf geordnet, als ich noch nach einem Wort für diesen klaren, schönen Gedanken suchte? Wie und in welchem Medium kann ich Gedanke von Wort unterscheiden? Könnte es nicht das Wort sein? Könnte ich mich nicht immer noch geirrt darin haben, dass es dieses, genau dieses Wortes für den Gegenstand war, ist, sein wird? Sind Worte vielleicht nicht etwas Anderes als Namenstäfelchen? Kann es nicht sein, dass Worte auch Bilder sein können? Etwas, dass nicht nur unter dem Bild stehen muss? Weil es vielleicht gleichursprünglich zum Bild ist? Zumindest begriffslogisch, gar wesenslogisch?   
Daher vollzog sich vielleicht auch die Verwendung von  Bild und Schrift in einem Bild oder in einer Schrift. Das kannte das ausgehende, lange IXX. Jahrhundert bereits: Die Montage, die Aphorismensammlung, die Kalendergeschichten, das Essay, die Fragmente, die Gedankensplitter, die Collage. Das Bild gewann die Erhabenheit der Schrift. Die Schrift wurde ein künstlerisch anerkanntes Mittel, was zu Streit führte, aber irgendwann auch gebräuchlich wurde, nicht schockierend, konnte in den Pausen gelesen werden, oder missverstanden, Irritationen auslösend zur Seite gelegt werden. Ich habe es auch selten durchgehend lesen können. Irgendwann fand ich den Dadaismus auch nicht mehr als das Wesen der Kunst. Lass es zehn Jahre her sein, oder den letzten Einbruch vor zwei Wochen. Jeder konnte sich daran wagen, Montagen oder Collagen zu fertigen, ohne dafür angemacht oder für geisteskrank erklärt zu werden. Jeder konnte irgendwann drucken, schneiden, kleben, kopieren. Das war irgendwann nicht mehr originell oder tabubrüchig. 
Tittenbilder haben immer noch diesen Charmé. Das mag mit den Problemen der Invasion an, auf den Stränden der Zivilisation zu tun haben, mit Seegang, Schwankungen im Praktizieren einer Religion, Masturbationszwang und der Veröffentlichung von solchen Originalen, die natürlich das Privateste versprechen: Den Blick, den irgendwie stattfindenden Zu- oder Übergriff auf den anderen Körper, der noch kein zitternder Leib ist, aber es sein könnte. Nicht so stark sein kann, dass das Anblicken solcher Bilder das Urteil nach sich zieht, dass hier eine Erniedrigung, eine Zerstückelung, Verdinglichung des anderen Leibes vollzogen worden wäre. Das könnte sich zwar ereignen, dazu besteht aber keine Notwendigkeit. Der andere Körper, der wohl mal ein Leib gewesen ist (was noch nicht einmal sein muss), könnte sich auch über diese mögliche Abbildung gefreut haben, vielleicht sogar Lust verspürt. Wer dem Leib dies schon abspricht, so etwas sagen zu können, der denkt keine Individuen, sondern bloße Bilder. Also muss die Schrift wieder ins Bild.
Da dies aber nun jede_r machen kann, kann es auch zum Gegenstand der Kritik werden. Kritik kann dabei zwar nicht wollen, dass nur noch die guten Monteur_innen die Mittel bekommen oder nur noch gewisse Themen behandelt werden dürfen, sondern kann nur wollen, dass die Monteur_innen Bild und Schrift angemessen kreuzen, vermischen, neu zusammensetzen, (re- und de)konstruieren, d.h. auch: zu Schematisches, Blankes, Kantenloses, Traditionelles, zu Aktuelles, zu Neues, zu Altes zu kritisieren. Das geht dann aber nur noch am konkreten Gegenstand, oder aus Verhältnissen vieler konkreter Gegenstände. Die Krux der Rekonstrukteur_innen. Und das heißt vor allem eines: zunächst ertragen. Ad vocem, zum Bild: Was sollen da Babys? Warum ausgerechnet die Reproduktion des Bildes von der Gebärfähigkeit des jeweiligen Individuums? Das ist doch so einschränkend und langweilig, und vor allem: jede konsequente Andenkung des Gedankens muss von der Qual und der Arbeit des Babys ausgehen. Der Satz kommt also nicht auf die Tüte, wie der vulgäre, d.h. möglich misszuverstehende Satz zum Bild lauten könnte (nevver:What good would they be?).

Plage des kommenden Jahrhunderts I: Bilder und Schrift.

Es gibt die Unterschrift. Sie signiert nicht nur etwas, sie signiert tausende Dinge. Sie ist also kein wirkliches Original, denn nur in einer Wiederholung, der Kopie des Originals, ist dieses Original wirklich, erhält seinen Maßstab durch die Kopie. Und vor allem: Sie ist nicht über den ganzen, totalen Körper gezogen, sie ätzt sich nicht in Landschaft, Welpen, Brüste und peinliche Begebenheiten. Sie verweilt darunter. Und hat meist eine Linie gezogen bekommen, die ihr klar und deutlich macht, wo sie zu stehen hat. Das ist meistens nicht höflich, aber zweckmäßig. Auch war es im endenden IXX. Jahrhundert wohl gebräuchlich, dass Kunstwerke signiert wurden, nicht nur Dokumente des gewöhnlichen Verkehrs. Sie eröffneten ein neues Moment der Schönheit oder Hässlichkeit. Auch sie waren ins Urteil hineinzunehmen.

Die Schrift war schon immer ein Gebrochenes, sie war immer in der Kritik, dass sie nicht vom Original stamme, dass nur die Stimme des Anderen verbürgen, sichern könnte, dass es auch wirklich der richtige Sinn, die richtige Bedeutung, die richtige Intention sei, die wir da gelesen hätten (und die Stimme des Anderen war immer schon die eigene Stimme; eine schlechte Annahme also). Sie war immer die gestörte Form der Kommunikation: Wer einem etwas zu sagen hatte, der sagte es immer mit der eigenen Stimme. Die Buchstaben, in die der Sinn gelegt, die seien immer verräterisch, mit tausend anderen Stimmen belegt, bloß reproduziert, verwirrt, selbstsüchtig und erlernt. Die Stimme dagegen sei frei und gebunden zugleich: Sie erst signiere das Original, nein, sie sei das Original, da nur der eins mit sich sein könne, der für sich sprechen kann.

Dies sprachen dann einige einigen anderen klar ab: Frauen, Sklav_innen, Jüd_innen, Homosexuelle, Geisteskranke, Untermenschen könnten dies nicht. So sagte man - sie könnten nicht für sich sprechen, für sie musste gesprochen werden. Sie sprachen irgendwie nicht richtig, erfüllten einen Standard nicht, sie sprachen so verwirrend, so missverständlich. An der Sprache der richtigen Sprecher bloß parasitierend, sie nur nachäffend. Man wusste schon, wie richtig zu sprechen sei. Und dies war dann ein Monolog. Dann ist aber wieder der alte Bruch evident:

Entweder ich kann immer verwirrt sein, mich immer missverstehen, dann führe ich aber einen Dialog, bin auf die Stimme des Anderen (der als Anderes unbestimmt bleiben muss) notwendig angewiesen, um mich selbst zu verstehen, weil wir irgendwie eine Sprache sprechen (weil viele vor uns sich schon sehr gut verstanden und eben missverstanden haben, aber irgendwie doch im Verstehen), aber ich kann auch nicht immer genau sagen können, was er oder sie oder es mir nun mitgeteilt haben. Oder ich verstehe mich immer, d.h. weiß immer genau, was ich und wie ich etwas sagen, da die Regeln der Sprache etwa einen Standardgebrauch festlegen, den ich weiß, so dass ich nie wirklich genau wissen kann, dass ich mich verstanden habe, da ich mich selbst nicht missverstehen kann. Ich kann also nie in der Schwebe sein, bin immer direkt im Abgrund oder im Himmel.

Wer als Modell für die Sprache den Monolog setzt, d.h. nur die Beziehung eines Menschen zur Welt reflektiert, wenn er oder sie einen Begriff von Sprache wollen, dann ist der Abgrund evident: Ich kann mich eigentlich nicht wirklich verstehen, da mir der Andere fehlt, der wirklich sagen könnte, ob ich mich verstehe oder nicht verstehe. Dadurch ist aber die Stimme ein Schrift, die es zu lesen gilt, so in etwa. Nein, die Schrift ist also nicht ins Mindere zu schlagen, sondern eine gute Metapher für die Sprache (das kann ja bei Derrida schöner und eloquenter nachgelesen werden). 

Doch wie jede Metapher hat sie ihre Grenzen: Der Schreibende muss gar nicht mit dem Pinsel irgendwelche schönen Striche über’s Papier ziehen, um verstanden zu werden. Er kann sich an gewissen Buchstabenkombinationen orientieren, nein, er lernte die Kombinationen nur, indem er mit Anderen sprach, indem er mit diesen Anderen handelte, was mehr als das Sprechen ist, aber nur immer wieder im Sprechen aufgehoben werden kann. Aber wenn wir Lautmalen, irgendwelche Laute von uns geben, dann liest der Andere mehr: Entweder dass wir geisteskrank sind und deshalb gesondert behandelt werden müssen (schlechtere Entscheidung), oder er erkennt meinen Gebrauch der Sprechmittel als möglichen Gebrauch an. Dann könnten wir direkt diesen Gebrauch miteinander teilen. Wir hätten irgendwie den Gebrauch, die Regeln des Gebrauchs der Sprechmittel verändert, wenn auch Andere dies anerkennten.

Dies könnte schwierig werden, aber es gibt eben immer nur die Möglichkeit der Unmöglichkeit, nie die ungebrochene Unmöglichkeit. Irgendwie ist also das Sprechen mit der Stimme unterschieden vom Sprechen mit der Schrift. Das Sprechen mit der Stimme kennt andere, vielleicht unmittelbarere Formen des Missverstehens und Verstehens, die aber eben auch dem Missverstehen ausgesetzt sind.

Die Stimme, die Darstellung der Kommunikation durch ein Sender-Empfänger-Modell, die Sprache als eine Standardsprache, als Monolog hat also eine Aporie mit sich herumzutragen: Wie kommt der Inhalt in die Worte? War alles schon klar im Kopf geordnet, als ich noch nach einem Wort für diesen klaren, schönen Gedanken suchte? Wie und in welchem Medium kann ich Gedanke von Wort unterscheiden? Könnte es nicht das Wort sein? Könnte ich mich nicht immer noch geirrt darin haben, dass es dieses, genau dieses Wortes für den Gegenstand war, ist, sein wird? Sind Worte vielleicht nicht etwas Anderes als Namenstäfelchen? Kann es nicht sein, dass Worte auch Bilder sein können? Etwas, dass nicht nur unter dem Bild stehen muss? Weil es vielleicht gleichursprünglich zum Bild ist? Zumindest begriffslogisch, gar wesenslogisch?   

Daher vollzog sich vielleicht auch die Verwendung von  Bild und Schrift in einem Bild oder in einer Schrift. Das kannte das ausgehende, lange IXX. Jahrhundert bereits: Die Montage, die Aphorismensammlung, die Kalendergeschichten, das Essay, die Fragmente, die Gedankensplitter, die Collage. Das Bild gewann die Erhabenheit der Schrift. Die Schrift wurde ein künstlerisch anerkanntes Mittel, was zu Streit führte, aber irgendwann auch gebräuchlich wurde, nicht schockierend, konnte in den Pausen gelesen werden, oder missverstanden, Irritationen auslösend zur Seite gelegt werden. Ich habe es auch selten durchgehend lesen können. Irgendwann fand ich den Dadaismus auch nicht mehr als das Wesen der Kunst. Lass es zehn Jahre her sein, oder den letzten Einbruch vor zwei Wochen. Jeder konnte sich daran wagen, Montagen oder Collagen zu fertigen, ohne dafür angemacht oder für geisteskrank erklärt zu werden. Jeder konnte irgendwann drucken, schneiden, kleben, kopieren. Das war irgendwann nicht mehr originell oder tabubrüchig.

Tittenbilder haben immer noch diesen Charmé. Das mag mit den Problemen der Invasion an, auf den Stränden der Zivilisation zu tun haben, mit Seegang, Schwankungen im Praktizieren einer Religion, Masturbationszwang und der Veröffentlichung von solchen Originalen, die natürlich das Privateste versprechen: Den Blick, den irgendwie stattfindenden Zu- oder Übergriff auf den anderen Körper, der noch kein zitternder Leib ist, aber es sein könnte. Nicht so stark sein kann, dass das Anblicken solcher Bilder das Urteil nach sich zieht, dass hier eine Erniedrigung, eine Zerstückelung, Verdinglichung des anderen Leibes vollzogen worden wäre. Das könnte sich zwar ereignen, dazu besteht aber keine Notwendigkeit. Der andere Körper, der wohl mal ein Leib gewesen ist (was noch nicht einmal sein muss), könnte sich auch über diese mögliche Abbildung gefreut haben, vielleicht sogar Lust verspürt. Wer dem Leib dies schon abspricht, so etwas sagen zu können, der denkt keine Individuen, sondern bloße Bilder. Also muss die Schrift wieder ins Bild.

Da dies aber nun jede_r machen kann, kann es auch zum Gegenstand der Kritik werden. Kritik kann dabei zwar nicht wollen, dass nur noch die guten Monteur_innen die Mittel bekommen oder nur noch gewisse Themen behandelt werden dürfen, sondern kann nur wollen, dass die Monteur_innen Bild und Schrift angemessen kreuzen, vermischen, neu zusammensetzen, (re- und de)konstruieren, d.h. auch: zu Schematisches, Blankes, Kantenloses, Traditionelles, zu Aktuelles, zu Neues, zu Altes zu kritisieren. Das geht dann aber nur noch am konkreten Gegenstand, oder aus Verhältnissen vieler konkreter Gegenstände. Die Krux der Rekonstrukteur_innen. Und das heißt vor allem eines: zunächst ertragen. Ad vocem, zum Bild: Was sollen da Babys? Warum ausgerechnet die Reproduktion des Bildes von der Gebärfähigkeit des jeweiligen Individuums? Das ist doch so einschränkend und langweilig, und vor allem: jede konsequente Andenkung des Gedankens muss von der Qual und der Arbeit des Babys ausgehen. Der Satz kommt also nicht auf die Tüte, wie der vulgäre, d.h. möglich misszuverstehende Satz zum Bild lauten könnte (nevver:What good would they be?).

"Aber jetzt war der Tag gekommen, wo ich nackt vor mir stand und mein Gewissen mir laut zurief: ‘Hat es dir die Sprache verschlagen? Du sagtest doch ständig, für eine ungewisse Wahrheit wolltest du die Last der Eitelkeit nicht abwerfen. Aber sieh doch, du hast jetzt Gewissheit gefunden, und doch drückt dich diese Last immer noch, und inzwischen spannen andere Leute mit freieren Schultern ihre Flügel aus, Leute, die sich nicht wie du mit dem Suchen abgequält und nicht ein ganzes Jahrzehnt und mehr zergrübelt haben.’ So nagte es in meinem Inneren, und während Pontician erzählte, überkam mich eine unsägliche Scham. […] Mit Sätzen wie Geißelhieben schlug ich auf meine Seele ein, dass sie mir folge, wenn ich versuchte, dir nachzugeben. Und doch leistete sie Widerstand. Was sie vorbrachte, waren Widerreden, aber nicht mehr Ausreden. Alle Argumente waren verbraucht und besiegt. Was ihr zurückblieb, war stumme Angst. Befreit zu werden vom Fluss des Gewohnten, an dem sie hinstarb, das fürchtete sie wie den Tod."
- Augustinus: Bekenntnisse, Stuttgart 2009, S. 385.
"Ich und Mich sind immer zu eifrig im Gespräche: wie wäre es auszuhalten, wenn es nicht einen Freund gäbe?
Immer ist für den Einsiedler der Freund der Dritte: der Dritte ist der Kork, der verhindert, dass das Gespräch der Zweie in die Tiefe sinkt."
- Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. In: Colli/Montinari (Hg.): Friedrich Nietzsche - Kritische Studienausgabe Bd. 4, München 2004, S. 71 (via zitation, walter-benjamin-bluemchen).
"Der subjektive Anteil am Kunstwerk ist selbst ein Stück Objektivität."
- Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie