"Ebenso wenn ich sage: Ich; meyne ich Mich als diesen alle Andern ausschließenden, aber was ich sage, Ich, ist eben jeder; Ich, der alle Andern von sich ausschließt."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundriss, Hamburg 1999, S. 65.
"Die Dialektik ist nicht deshalb schon ortlos, weil sie immer auf dem Meere, ja in der Luft der Sprache lebt. Sie landet nie. Nur um diesen Preis der Heimatlosigkeit sagt sie Wahrheit über die Verhältnisse auf dem Lande und in der Provinz, also zum Beispiel bei uns in Europa."
- Bruno Liebrucks: Reflexionen über den Satz Hegels “Das Wahre ist das Ganze”, in: Max Horkheimer (Hg.): Zeugnisse. Theodor W. Adorno zum sechzigsten Geburtstag, Frankfurt am Main 1963, S. 107.
"Nichts macht dich abhängiger als der Wunsch nach Unabhängigkeit. Unabhängigkeit ist auf niemands Stirn so herrlich geschrieben als auf die des Knaben, der in die Welt geht einen Meister und Lehrer zu suchen."
- Franz Baermann Steiner: Feststellungen und Versuche. Aufzeichnungen 1943-1952, Göttingen 2009, S. 154.
"Die ewige Wiederkehr nennt die ewige Wiederkehr des Selben und die Wiederholung nennt die Abkehr, den Umweg, auf dem sich das andere mit dem Selben identifiziert, um zur Nichtidentität des Selben zu werden und das Selbe in seiner Wiederkehr, die es von sich abkehrt, immer anders als es selbst werden zu lassen. […] Und derart die Wiederholung unendlich wiederholend, macht sie sie gewissermaßen zur Parodie, aber entzieht sie auch all dem, was zu wiederholen die Macht hätte: denn sie nennt sie als nichtidentifizierbare, irrepräsentable, nicht wiedererkennbare Affirmation und legt sie zugleich in Trümmer, indem sie sie, als ein unbestimmtes Murmeln, im Schweigen wiederaufrichtet, das sie seinerseits zertrümmert, indem sie es als jene Rede zu verstehen gibt, welche aus der tiefsten Vergangenheit, aus der entferntesten Zukunft immer schon als die immer noch zu kommende Rede gesprochen hat."
- Maurice Blanchot: Nietzsche und die fragmentarische Schrift, in: Werner Hamacher (Hg.): Nietzsche aus Frankreich, Frankfurt am Main – Berlin 1986, S. 59.
"Das Komma, nicht der Punkt, muss das liebste Satzzeichen des Dialektikers sein."
- Patrick Bahners: Die Weltgeschichte macht keinen Punkt, in: FAZ Nr. 268, 17. November 2011, S. 34.
(Quelle: abendgesellschaft)
"Wenn das Vergessen dem Gedächtnis vorausgeht, es vielleicht gründet oder an ihm unbeteiligt ist, dann ist Vergessen nicht nur ein Mangel, ein Fehl, eine Abwesenheit, eine Leere (etwas, von dem aus wir uns erinnern, das aber im gleichen Augenblick, vorausfallender Schatten, die Erinnerung ihrer Möglichkeit nach tilgt und so das Eingedenken seiner Brüchigkeit, das Gedächtnis dem Gedächtnisverlust überlässt): das weder negative noch positive Vergessen ist vielleicht die passive Forderung, die das Vergangene weder aufnimmt noch entzieht, sondern, indem es an ihm das bezeichnet, was nie stattgefunden hat (wie am Kommenden das, was keinen Platz in einer Gegenwart finden kann), auf nicht historische Formen der Zeit verweist, auf das Andere der Zeiten, auf ihre ewige oder ewig vorläufige Unentschiedenheit, ohne Schicksal, ohne Gegenwart."
- Maurice Blanchot: Die Schrift des Desasters, München 2005, S. 106f.
"Die Wahrheit hat keine Grade wie die Wahrscheinlichkeit. Der negierende Schritt über das einzelne Urteil hinaus, der seine Wahrheit rettet, ist möglich nur, sofern es sich selbst für wahr nahm und sozusagen paranoisch war. Das wirklich Verrückte liegt erst im Unverrückbaren, in der Unfähigkeit des Gedankens zu solcher Negativität, in welcher entgegen dem verfestigten Urteil das Denken recht eigentlich besteht."
- Theodor W. Adorno & Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno – Gesammelte Schriften, Band 3, Darmstadt 1998, S. 220.
(Quelle: noxe, via lf)
"Dies Bewußtsein hat nämlich nicht um dieses oder jenes, noch für diesen oder jenen Augenblick Angst gehabt, sondern um sein ganzes Wesen; denn es hat die Furcht des Todes, des absoluten Herrn, empfunden. Es ist darin innerlich aufgelöst worden, hat durchaus in sich selbst erzittert, und alles Fixe hat in ihm gebebt. Diese reine allgemeine Bewegung, das absolute Flüssigwerden alles Bestehens ist aber das einfache Wesen des Selbstbewußtseins, die absolute Negativität, das reine Für-sich-sein, das hiemit an diesem Bewußtsein ist."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes, in: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): G.W.F. Hegel - Werke, Band 3, Frankfurt am Main 1986, S. 153.
(Quelle: zartcore, via theimpossibleheap)
"Die Weise des Anderen sich darzustellen, indem er die Idee des Anderen in mir überschreitet, nennen wir nun Antlitz. Diese Weise besteht nicht darin, vor meinem Blick als Thema aufzutreten, sich als ein Ganzes von Qualitäten, in denen sich ein Bild gestaltet, auszubreiten. In jedem Augenblick zerstört und überflutet das Antlitz des Anderen das plastische Bild, das er mir hinterläßt, überschreitet er die Idee, die nach meinem Maß und nach dem Maß ihres ideatum ist - die adäquate Idee."
- Emmanuel Lévinas: Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität, Freiburg – München 1987, S. 63.
(Quelle: lf)
"Ich ist das Denken als Denkendes. Was ich in meinem Bewußtsein habe, das ist für mich. Ich ist diese Leere, das Rezeptakulum für alles und jedes, für welches alles ist und welches alles in sich aufbewahrt. Jeder Mensch ist eine ganze Welt von Vorstellungen, welche in der Nacht des Ich begraben sind."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, in: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Werke, Frankfurt am Main 1970, Band 8, S. 83.
"Kein Doppelgänger ohne Aussaugen, ohne Anzapfen dessen, was ohne ihn für eine volle, selbstgenügsame Präsenz hätte gelten können: Der Doppelgänger macht das Original sich selbst unähnlich, ent-stellt es, versetzt in Bewegung und beunruhigt, was ohne ihn sich in simpler Weise hätte identifizieren, benennen, in diese oder jene bestimmte Kategorie einordnen lassen. Bei der Kunst hat man es nicht mit einem ‘Schattenreich’ zu tun, das auf einfache Weise der realen Welt der Lebenden gegenüberstünde. Die Kunst bringt die Gegenüberstellung dieser beiden Welten aus dem Gleichgewicht, lässt sie ineinander gleiten. Der Schatten spukt nunmehr in der lebendigen Form ‘selbst’ (wenn diese noch als solche identifiziert werden könnte)."
- Sarah Kofman: Die Aufhebung der Kunst. Eine Geschichte von Wiedergängern und Leichen, in: Peter Engelmann (Hg.): Sarah Kofman – Melancholie der Kunst, Wien 2008, S. 17.
"Diese Form könnte man als Ideal-Ich bezeichnen und sie so in ein bereits bekanntes Begriffsregister zurückholen; damit würde sie zum Stamm der sekundären Identifikationen, worunter wir die Funktionen der Libido-Normalisierung verstehen. Aber von besonderer Wichtigkeit ist gerade, daß diese Form vor jeder gesellschaftlichen Determinierung die Instanz des Ich (moi) auf einer fiktiven Linie situiert, die das Individuum allein nie mehr auslöschen kann, oder vielmehr: die nur asymptotisch das Werden des Subjekts erreichen wird, wie erfolgreich immer die dialektischen Synthesen verlaufen mögen, durch die es, als Ich (je), seine Nichtübereinstimmung mit der eigenen Realität überwinden muß."
- Jacques Lacan: Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion - wie sie uns in der psychoanalytischen Erfahrung erscheint, in: Norbert Haas (Hg.): Jacques Lacan - Schriften I, Weinheim - Berlin 1986, S. 64.
"Zum dichterischen Anspruch steht Kierkegaards Werk zweideutig. Mit Arglist ist es auf jedes Mißverständnis hin angelegt, das beim Leser einen Prozeß der Aneignung seiner Gehalte inauguriert. Die Dialektik in den Sachen ist ihm zugleich Dialektik der Mitteilung."
- Theodor W. Adorno: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 2, S. 11.
Klitzekleine Gattungskunde I - Drama und Tragödie
Das Drama ist die Negation der Tragödie: Das Drama endet nie wirklich. Immer sind darin Konflikte hegemonial, die nicht durch das Sterben als Ereignis oder als individuelle Handlung bestimmt sind.
Das Drama ist trotzdem als Mimesis der Formen individueller Widerfahrnisse zu begreifen. Es bildet keine Wirklichkeit einfach ab, sondern ist selbst Moment des Wirklichen, da erst durch das Drama gewisse Formen der Widerfahrnis wirklich vergegenständlicht sind.
Diese Form der Literatur stellt individuelle Kämpfe um Anerkennung in Anerkennung dar - dies meint, dass sie zwischen wirklichen Individuen, nicht Typen oder Exemplaren ausgetragen werden (Darin unterscheidet sich das Drama von kulturindustriellen Formen der Dramatisierung, und wird dadurch schön oder angemessen.). Diese Individuen vollziehen mit Anderen etwas, was aber nicht in den Zwecksetzungen der Vollzüge aufgeht: Sie bleiben offen, schließen sich nicht zur vollständigen Ohnmächtigkeit des Individuums ab, sondern werden im Enden wieder in eine gewisse Polyphonie überführt. Es bleiben an seinem Ende noch genügend Figuren übrig, sodass in ihnen gedacht werden kann. Und zwar so gedacht, dass in ihnen Formen individueller Erfahrung thematisiert werden können.
Diese Vergegenständlichungen sind aber nicht bloß einfache Verallgemeinerungen der Gattung des Dramas. Sie sind Besondere dadurch, dass sie nicht einfach Formen individueller Widerfahrnis abbilden, sondern sie in ihrer Besonderheit erst stiften - genauer: in einer gewissen Weise sich nicht nur anschmiegen, sondern in ihrem Anschmiegen diese erst wirklich ‘machen’. Anschmiegen bedeutet hier eben auch in einem vollen Sinne eine Tätigkeit: Mimesis ist eben nicht ein Abbilden, sondern eine Tätigkeit an etwas, in der dieses Etwas als Anderes erst wirklich wird.
Jedes Drama ist also unterschieden von der Gattung des Dramas, indem sie in ihrem Unterschiedenwerden die Gattung des Dramas erst stiften, im oben geschilderten Sinne. Diese Form stellt sich auch im je besonderen Drama dar: Sie zeigen vereinzelte Einzelne, die als Figuren so thematisiert werden können. Indem sich diese Figuren aber in Verhältnis zu anderen Figuren setzen, indem diese Figuren erst über ihre eigene Geschichtlichkeit, d.h. auch als Negation der Geschichtlichkeit, als Figuren sind, werden aus diesen Individuen wirkliche Individuen. Sie befinden sich also in einem Kampf um Anerkennung, der kein Enden hat, in Anerkennung, da sie als Individuen nie ohne ihre Vergesellschaftung sind.
Das Drama fasst nun solche Momente des Kampfes um Anerkennung in Anerkennung, in denen dieser Kampf deutlich wird. Kampf ist dafür vielleicht ein schlechtes Wort, und ist in seinem Gebrauch an bestimmte, nicht unproblematische Explikationen des Begriffes der Anerkennung anknüpfend. Wir könnten auch von einem Streit oder Widerstreit um Anerkennung reden.
Keine Anerkennung hat ein Ende, da sie nur im Prozess als Begriff der Anerkennung expliziert werden kann. Nur indem sich zwei Individuen als Individuen anerkennen, kann es so etwas wie Selbstbewusstsein geben. Dieses Selbstbewusstsein ist aber kein solches, welches bei den vereinzelten Einzelnen wäre. Selbstbewusstsein ist nur zwischen Individuen, indem sich ein Individuum an einem Anderen erst als Individuum erkennt. Selbstbewusstsein ist keine “Eigenschaft” der Individuen, kein Resultat ihrer “natürlichen” Dispositionen, sondern nur als “Dispositive” ihrer Zweiten Natur.
Diese Zweite Natur ist nie homogen. Sie ist immer nur zwischen Individuen, die in Geschichte sind, also im werktätigen Lebensvollzug der Vielen. Dieser werktätige Lebensvollzug ‘findet’ die Darstellung seiner Negativität in der Kunst, hier: im Drama. Und besonders im Drama, weil es als Dialog die Qualität des Lebensvollzuges ist. Indem sich die Individuen nämlich missverstehen oder verkennen, können sie erst wirklich Individuen sein. Denn nur wenn ich den Anderen auch missverstehen kann, also nur, wenn ich nicht von diesem Anderen weiß, wenn er nicht in der Gesamtheit meiner Zwecksetzungen aufgeht, kann er Anderes und damit Individuum sein. Der Begriff des Individuums ist nur sinnvoll expliziert, wenn es in den Bestimmungen seiner Gattung nicht aufgeht. Darum zeigt das Drama den Widerstreit, ist der Widerstreit als ästhetisches Besonderes.
Das Drama ist aber deshalb als Drama, weil es auch belangloses Geschwätz werden kann. Wir kennen sein Enden schon, weil bestimmte Schemata wiederholt werden, wir verachten diese Figuren, weil sie holzschnittartig wirken oder bloße Exemplifizierungen von dramatischen Erzählungen sind, um die wir schon wissen. Daher ist das Drama nicht wirklich um eine Darstellung des Sterbens, der katastrophalen Gewalt bemüht. Es kann stets seicht werden, es kann sich stets als Drama verkennen. Daher ist ja auch die Tragödie die Negation des Dramas, weil sie wirklicher das Enden der Anerkennung darstellt.
Die Tragödie muss sich jedoch auf das Drama beziehen, kann es nicht einfach als bloßen Kitsch, schlechten Pathos von sich abstoßen, es muss sich in sich selbst von ihm unterscheiden. Tragisch kann eben auch bedeuten, dass es nicht so ‘einfach’ wie im Drama zugeht, dass das Drama gewissen Vergegenständlichungen individueller Widerfahrnis unangemessen ist. Gewisse Gegenstände, die nicht per se ästhetische Gegenstände sind, also auch auf den Begriff gebracht werden können, fordern die Tragödie, nicht das Drama. Aber sie können die Tragödie nicht so fordern, dass ihre Dramatisierung ausgeschlossen werden kann. Erst in ihrer Dramatisierung vollziehen sie sich als angemessene oder unangemessene (Und Vollzug ist nur sinnvoll in einer Tätigkeit als Vollzug zu thematisieren. Darum ist die Unangemessenheit oder Angemessenheit des Dramas nur in seiner Interpretation, in seinem ‘Durchspielt- werden’). Daher kann die Negation des Dramas durch die Tragödie, nie zu einer (geschichtsphilosophischen) These führen, dass das Drama im Gegensatz zur Tragödie vollständig veraltet, falsch oder unernst sei. Es gibt Formen des Widerstreits, die wirken als Tragödie schlichtweg lächerlich, pathetisch oder schlecht abstrakt, schlecht übertrieben - und werden erst im Drama wirklich vergegenständlicht. Die Bewegung der Negation steht deshalb in diesen Gattungen nicht still.
Das Ende der Kunst ist aber immer bereits schon in den Gattungen beschlossen, wenn sie sich anhand von Kriterien vergegenständlichen, wenn sie in einer Normativität zu erstarren drohen, die diejenige ihres Unterscheidens ist. Es muss daher das Besondere immanent kritisiert werden, um zu einem allgemeinen Begriff der Gattung zu gelangen, den sie in bestimmter Weise immer schon investiert haben muss, um dann festzustellen, dass in der Gattung sich Momente befinden, die Falten in sie gelegt haben: Jenes eine Etwas, was dann als ein Drama oder eine Tragödie Markierbares sich für uns in der Tätigkeit des Unterscheidens bestimmt und ereignet. Daher können wir sagen, dass es nie das Drama oder die Tragödie gibt, sondern Etwas, was durch die Markierungen ein Wirkliches wird - aber die Markierung spaltet sich, sie bricht: Das Allgemeine der Markierung ist nur im Verhältnis zum Besonderen des Markierbaren. Etwas kann in einer Hinsicht dramatisch sein, in einer anderen Hinsicht tragisch. Dies ist kein Relativismus, sondern eine Kritik des Relativismus, da sie die Markierung nicht als ein Sekundäres behandelt. Sie setzt die Markierungen aber auch nicht als bloße Objektivität oder als Prototypen.
Sie kann das Markieren als eine dramatische Tätigkeit darstellen, da sie nicht wirklich aufhört, sondern ein Widerstreit ist, der sich in Unentschiedenheiten beruhigt. Sie kann aber auch es als eine tragische Tätigkeit darstellen, denn die Tätigkeit des Unterscheidens muss notwendig möglich scheitern. Nur im tragischen Scheitern gewinnt eine dramatische Peripetie ihre Form als irgendwie doch gelingende. Und in ihrem Davonkommen expliziert sich die wirkliche Gewalt, wenn der Leib zerstückelt im Widerstreit um Anerkennung stirbt.
"Dennoch geht es dabei um die Schrift, und was den Charakter des Plötzlichen hat, ist hier nicht der Übergang zur und die Erfindung der Schrift, sondern die Einführung einer bereits konstituierten Schrift. Es handelt sich um eine Übernahme, ja um eine künstliche Übernahme. Wie Lèvi-Strauss auch selbst sagt, ‘hatte sie ihr Symbol übernommen, während ihre Wirklichkeit ihnen fremd blieb’. Darüber hinaus weiß man, dass diese Unvermitteltheit überall auftaucht, wo es um die Ausbreitung oder um die Übertragung der Schrift geht. Es ist schlechthin unmöglich, von daher das Heraufkommen der Schrift richtig zu beurteilen, denn sie ging in den einzelnen Phasen ihres Entstehens sehr wohl mit mühseligem Lernen einher, entwickelte sich stätig und differenziert. Die rasche Übernahme setzt, wenn sie stattfindet, die vorgängige Anwesenheit von Strukturen voraus, die diese Übernahme ermöglichen."
- Jacques Derrida: Grammatologie, Frankfurt am Main 1974, S. 222.