"Jeder Mensch stirbt täglich um 24 Stunden ab. Man sieht aber keinem Menschen genau an, wieviel Tage er bereits verstorben ist."
- Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band, in: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hg.): Marx Engels Werke, Berlin 1962, Band 23, S. 218.
"So aber ist alles - ohne Fundament - gewachsen. Ich stehe - innerlich - vor Taten, denen ich - äußerlich - nicht gewachsen bin. So bin ich zu Arbeiten notwendig gezwungen, die schon - ganz abgesehen von der Abgebrauchtheit meines intellektuellen Nervensystems - innerlich für mich überwunden sein müßten. Doch dies sind ‘Gründe’ und Äußerlichkeiten. Das, was zu tun ist, steht in einem klaren Dilemma vor mir: Arbeit oder Verkommen in Frivolität. Und ich bin - in diesem Sinn - unfähig zur Arbeit geworden. Wie schicksalhaft hier Innen und Außen zusammenstimmen: daß ich den ‘Glauben’ verloren habe und daß meine Nerven versagen. Beide gehen auf dasselbe Ziel – ob sie wohl zusammenhängen?"
- Georg Lukacs: Tagebuch 1910/1911, Berlin 1991, S. 48f.
Edle Künstler_innen MDCLXXI: Gustave Caillebotte - The Floor-Scrapers, 1875.
"Dennoch geht es dabei um die Schrift, und was den Charakter des Plötzlichen hat, ist hier nicht der Übergang zur und die Erfindung der Schrift, sondern die Einführung einer bereits konstituierten Schrift. Es handelt sich um eine Übernahme, ja um eine künstliche Übernahme. Wie Lèvi-Strauss auch selbst sagt, ‘hatte sie ihr Symbol übernommen, während ihre Wirklichkeit ihnen fremd blieb’. Darüber hinaus weiß man, dass diese Unvermitteltheit überall auftaucht, wo es um die Ausbreitung oder um die Übertragung der Schrift geht. Es ist schlechthin unmöglich, von daher das Heraufkommen der Schrift richtig zu beurteilen, denn sie ging in den einzelnen Phasen ihres Entstehens sehr wohl mit mühseligem Lernen einher, entwickelte sich stätig und differenziert. Die rasche Übernahme setzt, wenn sie stattfindet, die vorgängige Anwesenheit von Strukturen voraus, die diese Übernahme ermöglichen."
- Jacques Derrida: Grammatologie, Frankfurt am Main 1974, S. 222.
"Die Bildung der 5 Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte."
- Karl Marx: Ökonomisch-philosophischen Manuskripte, in: Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung Berlin (Hg.): Karl Marx Friedrich Engels Werke, Berlin 1990, Band 40, S. 541f.
"Die Aufnahme gewisser charakteristischer Merkmale der politischen Praxis in die zeitgenössische Produktion dient auch dazu, zu verstehen, warum die postfordistische Multitude heute entpolitisiert ist. Es steckt schon zu viel Politik in der entlohnten Arbeit (insofern sie entlohnte Arbeit ist), als dass die Politik als solche noch eine sich davon abhebende Würde genießen könnte."
- Paulo Virno: Grammatik der Multitude. Mit einem Anhang: Die Engel und der General intellect, Wien 2008, S. 65.
"Es gehört zu meinen Gewohnheiten, dass ich mich für die Zeit von zwei Seminaren entferne, um jener Art Ritual, Gewohnheit gewordener Erholung zu frönen, die man “Wintersport” nennt. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass dieses Jahr nichts damit ist, da kein Schnee ist, und ich also einen Vorwand habe, auf diese Verpflichtung zu verzichten."
- Jacques Lacan: Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, in: Norbert Haas (Hg.): Das Seminar von Jacques Lacan. Buch XI (1964), Olten und Freiburg 1978, S. 32.
Besprochene Tagebucheinträge I: Coca-Cola-Nostalgie und phasenweise auftretende Entfremdung vom eigenen Schweigen.