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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Jeder Mensch stirbt täglich um 24 Stunden ab. Man sieht aber keinem Menschen genau an, wieviel Tage er bereits verstorben ist."
- Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band, in: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hg.): Marx Engels Werke, Berlin 1962, Band 23, S. 218.
"Der Staat und die Einrichtung der Gesellschaft sind von dem politischen Standpunkt aus nicht zwei verschiedene Dinge. Der Staat ist die Einrichtung der Gesellschaft. Sofern der Staat soziale Mißstände zugesteht, sucht er sie entweder in Naturgesetzen, denen keine menschlichen Macht gebieten kann, oder in dem Privatleben, das von ihm unabhängig ist, oder in der Zweckwidrigkeit der Administration, die von ihm abhängt. […] Nach einer andern Seite hin erklärt es den Pauperismus aus dem schlechten Willen der Armen, wie ihn der König von Preußen aus dem unchristlichen Gemüt der Reichen und wie ihn der Konvent aus der konterrevolutionären verdächtigen Gesinnung der Eigentümer erklärt. England bestraft daher die Armen, der König von Preußen ermahnt die Reichen, und der Konvent köpft die Eigentümer.
Endlich suchen alle Staaten in zufälligen oder absichtlichen Mängeln der Administration die Ursache, und darum in Maßregeln der Administration die Abhülfe seiner Gebrechen. Warum? Eben weil die Administration die organisierende Tätigkeit des Staats ist.
Den Widerspruch zwischen der Bestimmung und dem guten Willen der Administration einerseits, und ihren Mitteln wie ihrem Vermögen andrerseits, kann der Staat nicht aufheben, ohne sich selbst aufzuheben, denn er beruht auf diesem Widerspruch. […] Die Administration muß sich daher auf eine formelle und negative Tätigkeit beschränken, denn wo das bürgerliche Leben und seine Arbeit beginnt, eben da hat ihre Macht aufgehört. Ja, gegenüber den Konsequenzen, welche aus der unsozialen Natur dieses bürgerlichen Lebens, dieses Privateigentums, dieses Handelns, dieser Industrie, dieser wechselseitigen Plünderung der verschiedenen bürgerlichen Kreise entspringen, diesen Konsequenzen gegenüber ist die Ohnmacht das Naturgesetz der Administration."
- Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel “Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen”, in: Institut für Marxismus-Leninismus (Hg.): Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Berlin 1988, Band 1, S. 401.
"Spinoza, Kant, Blake, Hegel, Schelling, Proudhon, Marx, Stirner, Baudelaire, Lautréamont, Rimbaud, Nietzsche: die bloße Aufzählung dieser Namen ist schon der Anfang eures Desasters."
- Louis Aragon u.a.: Zuerst und immer die Revolution!, in: Heribert Becker (Hg.): Es brennt! Pamphlete der Surrealisten, Hamburg 1998, S. 38.
"Die Bildung der 5 Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte."
- Karl Marx: Ökonomisch-philosophischen Manuskripte, in: Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung Berlin (Hg.): Karl Marx Friedrich Engels Werke, Berlin 1990, Band 40, S. 541f.
"Hegel hat bemerkt, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. […]
Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparolen, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichte aufzuführen. So maskierte sich Luther als Apostel Paulus, die Revolution von 1789-1814 drapierte sich abwechselnd als römische Republik und römisches Kaisertum, und die Revolution von 1848 wußte nichts Besseres zu tun, als hier 1789, dort die revolutionäre Überlieferung von 1793-1795 zu parodieren. So übersetzt der Anfänger, der eine neue Sprache erlernt hat, sie immer zurück in seine Muttersprache, aber den Geist der neuen Sprache hat er sich nur angeeignet, und frei in ihr zu produzieren vermag er nur, sobald er sich ohne Rückerinnerung in ihr bewegt und die ihm angestammte Sprache in ihr vergißt."
- Karl Marx: Der 18te Brumaire des Louis Napoleon, in: Institut für Marxismus-Leninismus (Hg.): Karl Marx - Friedrich Engels Werke, Berlin 1988, S. 115.
"Die Liebe ist ein unkritischer, unchristlicher Materialist."
- Karl Marx und Friedrich Engels: Die Heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik. Gegen Bruno Bauer und Konsorten, in: Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung Berlin (Hg.): Karl Marx - Friedrich Engels Werke, Berlin 1990, Band 2, S. 22.
Immanente Kritik zum Selbermachen VI: Da hat der arbeitende Dialektiker aber seine Arbeit wohl getan. Nur der lesende Proletär stellt die MEW, zwei Bände in das Bild des Lidl Shops (kulturschock:UNITED OFFICE Eckschreibtisch - Büro, Multimedia und Bad - Lidl Shop - Einfach online einkaufen!).

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(via kulturschock)

"Stellen wir uns endlich, zur Abwechslung, einen Verein freier Menschen vor […]"
- Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, in: MEW 23, S. 92 (via fextracts).
Anzustrebende Wohnorte VIII: Highgate (East) Cemetry London (verblendungszusammenhang).

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(via verblendungszusammenhang-deacti)

"Das Messianische (das ich für eine universale Struktur der Erfahrung halte und das sich auf keinen religiösen Messianismus reduzieren lässt) ist alles andere als utopisch: Es ist in allem der Bezug auf das Kommen des konkretesten und wirklichsten Ereignisses, d.h. auf die unauflöslich heterogenste Andersheit. Nichts ist ‘realistischer’ und ‘unmittelbarer’ als diese messianische Sorge, die auf das Ereignis dessen gerichtet ist, der (das) kommt. […] Da sie alles andere als utopisch ist, fordert sie hier und jetzt die Unterbrechung des gewöhnlichen Laufs der Dinge, der Zeit und der Geschichte; sie ist von einer Bestätigung der Andersheit und der Gerechtigkeit nicht zu trennen. Wie dieses unbedingte Messianische anschließend in dieser oder jener einzigartigen praktischen Situation seine Bedingung aushandeln soll, dafür ist eine Analyse und eine Bewertung, d.h. eine Verantwortung gefragt."
- Jacques Derrida: Marx&Sons, Frankfurt am Main 2004, S. 78f. (via picturewalkwithme).
"Indessen ist das gerade der Vorzug der neuen Richtung, daß wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Bisher hatten die Philosophen die Auflösung aller Rätsel in ihrem Pulte liegen, und die dumme exoterische Welt hatte nur das Maul aufzusperren, damit ihr die gebratenen Taubender absoluter Wissenschaft in den Mund fliegen. […] Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten. […] Es hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik der Politik, an die Parteinahme in der Politik, also an wirkliche Kämpfe anzuknüpfen und mit ihnen zu identifizieren. Wir treten dann nicht der Welt doktrinär mit einem neuen Prinzip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien. Wir sagen ihr nicht: Laß ab von deinen Kämpfen, sie sind dummes Zeug; wir wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschrein. Wir zeigen ihr nur, warum sie eigentlich kämpft, und das Bewußtsein ist eine Sache, die sie sich aneignen muß, wenn sie auch nicht will.
Die Reform des Bewußtseins besteht ›nur‹ darin, daß man die Welt ihr Bewußtsein innewerden läßt, daß man sie aus dem Traum über sich selbst aufweckt, daß man ihre eignen Aktionen ihr ›erklärt‹. […] Unser Wahlspruch muß also sein: Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß es sich nicht nur um einen großen Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, daß die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt."
- Karl Marx: Brief an Ruge vom September 1843, in: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hg.): Karl Marx - Friedrich Engels Werke, Berlin 1988, Band 1, S. 345ff.
Notwendige Architekturkritik III und eine Ausführung in die Kritik der politischen Ökonomie I:
Beleuchtungsfragen und Investitionseinbrüche. Kapitalistische Verwertung ist immer in der Krise. Die Produktion wird nachträglich durch die Konsumtion bestimmt. Dies bedeutet, dass manchmal die Produktionsraten gesenkt werden, dass mehr Kapital zirkuliert, aber nicht mehr wirklich reinvestiert wird. Dies bedeutet, dass bestimmte Gegenstände keine Waren werden. Um Ware zu sein, muss gesagt werden können, dass etwas einen Tauschwert gehabt haben wird. Erst indem der Produzent seine Ware verkauft, kann sie Ware werden, Ware gewesen sein. Die Warenform ist ein gesellschaftliches Verhältnis, kein falsches Ganzes. Die Ware wird nie »ganz« sein, sie ist immer zerrissen zwischen Produktion und Konsumtion.
Nur wenn es Waren gibt, kann es die Entfremdung der Bedürfnisse geben, d.h. die Pluralität der Gebrauchswerte, das Ereignis des Bedürftigseins, weil ein Anderer etwas produziert hat, an was der Konsumierende nie gedacht hat, sondern was ihn überrascht, dass ihm die Gastfreundschaft des Marktes zuteil wird, der eben nicht nur eine private Sphäre, sondern tatsächlich der vergesellschaftete Dialog ist. Dies meint, dass keiner Hunger leiden soll und keiner alleine entscheiden, wenn es auch in einem allgemeinen Öffentlichen angemessen beredet werden kann. Investitionsruinen sollen Momente eines Dialogs werden, der seine Grenzen selbst in allen und durch alle je und je neu bestimmt, der Produktion und Konsumtion bewusst als praktisch zu Vermittelnde denkt. Daher kann die Verstaatlichung kein Schritt hin zu einem Besseren sein: Damit würde der Monolog des Gesetzten, aber nicht die Gerechtigkeit prozessieren. Das Elend der politischen Ökonomie könnte etwas anderes fordern.
Selbst wenn die Produktionsmittel vergesellschaftet wären, müsste es ein gesellschaftliches Maß für die Produktion geben, was nicht einfach willkürlich gesetzt werden darf, d.h. ein Nicht-Geplantes kennt, was nicht identisch mit den historisch bestimmten Bedürfnissen der Produzentengemeinschaft ist. Eine Gesellschaft ist immer eine arbeitsteilige. Deshalb redet auch Marx in der Kritik der politischen Ökonomie nicht mehr von den wahren oder falschen Bedürfnissen, nicht mehr von dem Menschen. Die Bestimmung des Bedürfnisses ist immer ein Statisches. Die Bestimmung des Nicht-Bedürfnisses ist aber immer auch eine der Nachträglichkeit, d.h. auch der Bedürfnisse. Sie vollzieht sich in der Geschichte, je konkret. Dies bedeutet aber auch, dass die Vermittlungen der Produktion mit der Konsumtion keine linearen sein können. Selbstbestimmung ist also nie eine vollständige, unentfremdete, homogene, konsensuale Entscheidung aller, sondern ist auch die Fremdbestimmung, dass eben die Produzent_innen nie genau wissen können, was oder wem sie bedürfen, weil die Bedürfnisse keine ontologische Bestimmung, sondern immer das historisch-spezifische Verhältnis von Menschen sind.
Diese historisch-spezifischen Verhältnisse sind aber immer in der Reflexion ein notwendiger Schein, d.h. sie sind nie das »Ganze«. Denn dieses vermeintlich Ganze, im extrem gesprochen: dieser Konsens ist nur in der Nachträglichkeit als ein Konsens bestimmt. Er bleibt fragil, der Differance ausgeliefert, sie ereignet sich durch und in ihm. 
Wenn Marx den Fetischismus der Ware einführt, dann stellt er einen notwendigen Schein vor, der genauso aufgehoben werden kann, wie die Rede davon, dass die Sonne untergeht, obwohl wir wissen, dass die Erde sich um die Sonne dreht, daher die Sonne nicht untergehen kann, sondern in einem luftleeren Raum schwebt, dessen Schwärze nur durch das Blaue der Atmosphäre verdeckt wird. Wer Individualität möchte, der braucht ein gesellschaftliches Maß, indem sich die unterschiedlichen Tätigkeiten messen können, um so etwas wie das gesellschaftlich Allgemeine vermittelt durch die Tätigkeiten der Individuen erscheinen zu lassen. Das ist so schwierig zu denken, wie eben die Koordination der Kooperation der Individuen, ein beständiger Widerstreit, der in der Krise zu sich selbst kommt. Wenn sich die Vernunft zu verwirklichen ereignet, dann begehren die Individuen Gerechtigkeit, d.h. die Aufhebung des Ge-Setzten, des Eigentums an Produktionsmitteln – dies ist eine entscheidende Frage der Konsumtion.

Notwendige Architekturkritik III und eine Ausführung in die Kritik der politischen Ökonomie I:

Beleuchtungsfragen und Investitionseinbrüche. Kapitalistische Verwertung ist immer in der Krise. Die Produktion wird nachträglich durch die Konsumtion bestimmt. Dies bedeutet, dass manchmal die Produktionsraten gesenkt werden, dass mehr Kapital zirkuliert, aber nicht mehr wirklich reinvestiert wird. Dies bedeutet, dass bestimmte Gegenstände keine Waren werden. Um Ware zu sein, muss gesagt werden können, dass etwas einen Tauschwert gehabt haben wird. Erst indem der Produzent seine Ware verkauft, kann sie Ware werden, Ware gewesen sein. Die Warenform ist ein gesellschaftliches Verhältnis, kein falsches Ganzes. Die Ware wird nie »ganz« sein, sie ist immer zerrissen zwischen Produktion und Konsumtion.

Nur wenn es Waren gibt, kann es die Entfremdung der Bedürfnisse geben, d.h. die Pluralität der Gebrauchswerte, das Ereignis des Bedürftigseins, weil ein Anderer etwas produziert hat, an was der Konsumierende nie gedacht hat, sondern was ihn überrascht, dass ihm die Gastfreundschaft des Marktes zuteil wird, der eben nicht nur eine private Sphäre, sondern tatsächlich der vergesellschaftete Dialog ist. Dies meint, dass keiner Hunger leiden soll und keiner alleine entscheiden, wenn es auch in einem allgemeinen Öffentlichen angemessen beredet werden kann. Investitionsruinen sollen Momente eines Dialogs werden, der seine Grenzen selbst in allen und durch alle je und je neu bestimmt, der Produktion und Konsumtion bewusst als praktisch zu Vermittelnde denkt. Daher kann die Verstaatlichung kein Schritt hin zu einem Besseren sein: Damit würde der Monolog des Gesetzten, aber nicht die Gerechtigkeit prozessieren. Das Elend der politischen Ökonomie könnte etwas anderes fordern.

Selbst wenn die Produktionsmittel vergesellschaftet wären, müsste es ein gesellschaftliches Maß für die Produktion geben, was nicht einfach willkürlich gesetzt werden darf, d.h. ein Nicht-Geplantes kennt, was nicht identisch mit den historisch bestimmten Bedürfnissen der Produzentengemeinschaft ist. Eine Gesellschaft ist immer eine arbeitsteilige. Deshalb redet auch Marx in der Kritik der politischen Ökonomie nicht mehr von den wahren oder falschen Bedürfnissen, nicht mehr von dem Menschen. Die Bestimmung des Bedürfnisses ist immer ein Statisches. Die Bestimmung des Nicht-Bedürfnisses ist aber immer auch eine der Nachträglichkeit, d.h. auch der Bedürfnisse. Sie vollzieht sich in der Geschichte, je konkret. Dies bedeutet aber auch, dass die Vermittlungen der Produktion mit der Konsumtion keine linearen sein können. Selbstbestimmung ist also nie eine vollständige, unentfremdete, homogene, konsensuale Entscheidung aller, sondern ist auch die Fremdbestimmung, dass eben die Produzent_innen nie genau wissen können, was oder wem sie bedürfen, weil die Bedürfnisse keine ontologische Bestimmung, sondern immer das historisch-spezifische Verhältnis von Menschen sind.

Diese historisch-spezifischen Verhältnisse sind aber immer in der Reflexion ein notwendiger Schein, d.h. sie sind nie das »Ganze«. Denn dieses vermeintlich Ganze, im extrem gesprochen: dieser Konsens ist nur in der Nachträglichkeit als ein Konsens bestimmt. Er bleibt fragil, der Differance ausgeliefert, sie ereignet sich durch und in ihm. 

Wenn Marx den Fetischismus der Ware einführt, dann stellt er einen notwendigen Schein vor, der genauso aufgehoben werden kann, wie die Rede davon, dass die Sonne untergeht, obwohl wir wissen, dass die Erde sich um die Sonne dreht, daher die Sonne nicht untergehen kann, sondern in einem luftleeren Raum schwebt, dessen Schwärze nur durch das Blaue der Atmosphäre verdeckt wird. Wer Individualität möchte, der braucht ein gesellschaftliches Maß, indem sich die unterschiedlichen Tätigkeiten messen können, um so etwas wie das gesellschaftlich Allgemeine vermittelt durch die Tätigkeiten der Individuen erscheinen zu lassen. Das ist so schwierig zu denken, wie eben die Koordination der Kooperation der Individuen, ein beständiger Widerstreit, der in der Krise zu sich selbst kommt. Wenn sich die Vernunft zu verwirklichen ereignet, dann begehren die Individuen Gerechtigkeit, d.h. die Aufhebung des Ge-Setzten, des Eigentums an Produktionsmitteln – dies ist eine entscheidende Frage der Konsumtion.

(via mogzy)

"Warum liest du denn diese Broschüren? Was haben die für einen Sinn?” - klingt die Stimme des klugen Wladimir Wassiljewitsch Gippius über meinem Ohr. “Willst du den Marxismus kennenlernen? Dann lies das ‘Kapital’ von Marx.” Nun, ich habe es gelesen, habe mich daran verbrannt, habe es weggelegt - und bin zu den Broschüren zurückgekehrt. Ach, hat er mir nicht einen Streich spielen wollen, mein prächtiger Klassenlehrer an der Tenischew-Schule? Das “Kapital” von Marx ist wie die “Physik” von Krajewitsch. Wirkt Krajewitsch etwa befruchtend? Eine Broschüre hingegen legt eine Larve in uns ab - darin liegt ihre Bestimmung. Aus der Larve jedoch entsteht ein Gedanke."
- Ossip Mandelstam: Das Rauschen der Zeit (via letatetmoi).
"Die psychische Struktur des Erwachsenen ist die entwickelste und mannigfaltigste historische Organisation seiner Seele. Die Kategorien, die ihre Verhältnisse ausdrücken, das Verständnis ihrer Gliederung, gewähren daher zugleich Einsicht in die Gliederung und die seelischen Verhältnisse aller der untergegangenen Persönlichkeitsformen, mit deren Trümmern und Elementen sie sich aufbaut, von den teils noch überwundne Reste sich in ihr fortschleppen, bloße Andeutungen sich zu ausgebildeten Bedeutungen entwickelt haben."
- Siegfried Zepf: Allgemeine Psychoanalytische Neurosenlehre, Psychosomatik und Sozialpsychologie. Kritisches Lehrbuch, Gießen 2006, Band III, S. 207.
"Bürgerliche Revolutionen, wie die des achzehnten Jahrhunderts, stürmen rascher von Erfolg zu Erfolg, ihre dramatischen Effekte überbieten sich […]. Proletarische Revolutionen dagegen, wie die des neunzehnten Jahrhunderts, kritisieren beständig sich selbst, unterbrechen sich fortwährend in ihrem eigenen Lauf, kommen auf das scheinbar Vollbrachte zurück, um es wieder von neuem anzufangen, verhöhnen grausam-gründlich die Halbheiten, Schwächen und Erbärmlichkeiten ihrer ersten Versuche, […] schrecken stets von neuem zurück vor der unbestimmten Ungeheuerlichkeit ihrer eigenen Zwecke, bis die Situation geschaffen ist, die jede Umkehr unmöglich macht, und die Verhältnisse selbst rufen: hic rhodus, hic salta! Hier ist die Rose, hier tanze!"
- Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: Iring Fetscher (Hg.): Karl Marx/Friedrich Engels: Studienausgabe in 4 Bänden, Band IV: Geschichte und Politik 2, Frankfurt am Main 1966, S. 37 (via fextracts).