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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.
[…]
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde."
- Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, München 1984, S.49.

(Quelle: sammeldeineknochen)

"Es gibt Alpträume, in denen die Mutter auftaucht, das Antlitz zu einer strengen und kalten Miene verdüstert. Das Fading des Liebesobjektes ist die schreckliche Wiederkehr der Bösen Mutter, der unerklärliche Rückzug der Liebe, die bekannte Verlassenheit der Mystiker: Gott existiert, die Mutter ist da, aber sie liebten nicht mehr. Ich bin nicht zerstört, aber da liegengelassen wie ein Stück Abfall."
- Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe, Frankfurt am Main 1988, S. 107 (via walter-benjamin-bluemchen).
"Das Wollen steht
Du fliehst und fliehst
Nicht halten
Suchen nicht
Ich
Will
Dich
Nicht!
Das Wollen steht
Und reißt die Wände nieder
Das Wollen steht
Und ebbt die Ströme ab
Und schrumpft die Meilen in sich
Das Wollen steht
Und keucht und keucht
Und keucht
Vor dir!
Vor dir
Und hassen
Vor dir
Und wehren
Vor dir
Und beugen sich
Und
Sinken
Treten
Streicheln
Fluchen
Segnen
Um und um
Die runde runde hetze Welt!
Das Wollen steht!
Geschehn geschieht!
Im gleichen Krampfe
Pressen unsre Hände
Und unsre Tränen
Wellen
Auf
Den gleichen Strom!
Das Wollen steht!
Nicht Du!
Nicht Dich!
Das Wollen steht!
Nicht
Ich!"
- August Stramm: Liebeskampf, in: Jörg Drews (Hg.): August Stramm - Gedichte, Dramen, Porsa, Briefe, Stuttgart 1997, S. 19f.
"Wer wird je das Recht haben zu sagen: »wir lieben uns«? Doch gibt es einen anderen Ursprung der Liebe, ein anderes amouröses Performativ als diese Vermessenheit? Wenn es ein Wir im Mitsein gibt, so weil es stets einen gegeben hat, der ganz allein im Namen des anderen, vom anderen her spricht, es gibt immer einen, der mehr, der länger lebt. Diesen einen, ich werde mich nicht drängen lassen, ihn »Subjekt« zu nennen. Wenn wir mit jemandem sind, so wissen wir unverzüglich, daß der eine von uns den anderen überleben wird, es also bereits tut und allein wird sprechen können und müssen. Und daraus kann man unmittelbar Konsequenzen ziehen. Das geschieht alle Tage; und selbst wenn wir die Marseillaise singen oder uns zu einem Chor zusammenfinden, was die Ausnahme bleibt und uns nicht sehr verbindet, ist stets ein Ich, das »wir« sagen kann, zum Beispiel, »wir lieben uns«.
Was beurkundet sich damit!
Dies ist keine Frage. Es ist abermals ein Ausruf, ein etwas schwebend aufgehängtes Ausrufezeichen, weil es stets schwierig ist zu wissen, ob es sich beurkundet […], was archiviert wird […], wie es archiviert wird – die Spur, die nur ankommt, um sich auszustreichen/indem sie sich ausstreicht […], jenseits der Alternative von Anwesenheit und Abwesenheit. Es ist nicht nur schwierig, es zu wissen, es ist strikt unmöglich, und zweifelsohne nicht, weil es stets mehr zu wissen gibt, sondern weil es nicht der Ordnung des Wissens untersteht."
- Jacques Derrida: Vergessen wir nicht – die Psychoanalyse!, Frankfurt am Main 1998, S. 21f.

Das Jahr 2011 in 13. Thesen

V. Der Lüge die Schönheit des Vollzugs der Wahrhaftigkeit, der Einsamkeit nicht die Rede des Einsamens beiseit zu stellen, sondern dieses Selbst in der Gespanntheit des Vielen selber zu ertragen - ist unendliche Aufgabe, so wie die Politiken der Freundschaft ruhig das zersetzen können, was schlecht abstrakt immer als Souveränität der Liebe erscheint: die heitere Gelassenheit im Vielen des einen, im Einen des Vielen.  

"Der erste Moment der Liebe ist, daß ich keine selbständige Person für mich sein will und daß, wenn ich dies wäre, ich mich mangelhaft und unvollständig fühle. Das zweite Moment ist, daß ich mich in einer anderen Person gewinne , daß ich in ihr gelte, was sie wiederum in mir erreicht. Die Liebe ist daher der ungeheuerste Widerspruch, den der Verstand nicht lösen kann, indem es nichts Härteres gibt als diese Punktualität des Selbstbewußtseins, die negiert wird und die ich doch als affirmativ haben soll. Die Liebe ist die Hervorbringung und die Auflösung des Widerspruchs zugleich: als die Auflösung ist sie die sittliche Einigkeit."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frankfurt am Main 1970, S.308 (via universalestate).
"Geliebt zu werden, das bleibt gemessen an der Freundschaft, also vom Freund aus betrachtet, ein Akzidens."
- Jacques Derrida: Politik der Freundschaft, Frankfurt a. M. 2002, S. 29 (via picturewalkwithme).
"Blicken zwei Spiegel einander an, so spielt der Satan seinen liebsten Trick und öffnet hier auf seine Weise (wie sein Partner in den Blicken der Liebenden tut) die Perspektive ins Unendliche. Sei es nun göttlich, sei es satanisch: Paris hat die Passion der spiegelgleichen Perspektiven. Der Arc de Triomphe, Sacré Coeur, selbst das Panthéon erscheinen von weitem wie Bilder, die niedrig schweben, öffnen die fata morgana architektonisch."
- Walter Benjamin, »Das Passagen-Werk«, in: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften, Band V.2, Frankfurt am Main 1991, S. 667 (via edsminorplace).

(Quelle: walter-benjamin-bluemchen, via edsminorplace)

"‘Denke immer, nicht mein Liebchen heute. Und denke noch etwas. Glaube ist streitbar und nichts steht ihm so gut wie eine Rüstung. Hast du mich lieb? Werde nicht zivil.’"
- Rudolf Borchardt: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt am Main – Berlin – Wien 1982, S. 95.

Böse Fehler VIII: Doppelte Genitivattribute in Essayskizzen. Ein Tunnel hinter den Behrischwerken. Eine fête dort. In diesem weißen Tunnel. Ich trug Hoffnung am Wiederbegegnen, aber dann sagte es: “Alles Gute in diesem Ort”. Abschied. Das Prä-Sein des Getrenntseins. Die Unmöglichkeit dies zu sagen korrespondiert mit einem Begehren der Kränkung der Reinszenierung, kurzum: Liebe, etwas, was unendlich versprochen wird, aber immer ephemer bleibt. Krisenhaft, frustrierend. Man muss sie sich auch vor-stellen, als Vergegenständlichtes, was immer die Gefahr der Verdinglichung bei sich führt: Ein Kleinod, ein nichtgelingendes Abbilden, ein bestimmtes Foto, eine Melodie, ein Augenblick, was sich im Späteren als Dilettantismus des entfremdeten Subjekts offenbart, was den Phallus, die wahre Brust (die nicht-künstliche), die wohlgeformte Schamlippe und ein Ende des Bauches, sprich: Unterleibes will, aber nie mit ihm eins sein wird, sondern immer nur in einem Verhältnis (vielleicht einem verlorenen, wir wissen es aber nicht) zum Phallus, zur wahren Brust etc. steht. In diese “Symbole” ist der Andere eingeschrieben, vermittelt über diese “Orte” erfährt man so etwas wie die Einheit dieses zerstückelten Leibes, der uns in diesen Supremats vermittelt durch den Anderen gegenübertritt. Dies ist die passion imaginaire. Sie hebt nur dort an, wo die Verunreinigung der Geschlechter, die das Andere in all seinen Formen ist, verdrängt werden kann, weil er oder sie nicht in dieser einen Markierung, diesem einen “Symbol” aufgeht, sondern das Neutrum auch offen proklamiert, wenn er Abschied nimmt - oder sie, oder es. Die Angst vor der Kastriertheit, des Getrennt-Seins durchstreift uns, weil wir den Abschied, das Getrennt-Sein nie wirklich denken können oder vielleicht sogar wollen - der oder die andere selbst kann uns stets verkennen oder anerkennen - als nicht- oder liebenswürdig. Die Liebe ist immer schon oder je und je gespalten, stellt sich als Ver-Sprechen, als irgendwie Gesichertes im Phallus, der wahren Brust etc. dar.

Dies artikuliert sich in Worten wie “Du Scheißvixer”, “Du Fotze”, “Du Schwanz”, “Du Hurensohn”, die genau in dieser Kränkung durch den Anderen als Extreme des Sprechens erscheinen, weil sie den Mangel der angemessenen Sprechmittel bedeuten, da die “Geschlechtswerkzeuge” an ihrem schon je sprachlichen Zweck bereits scheitern können (und wie “gut” ist es, das Andere endlich in seiner vermeintlichen Essenz aussprechen zu können). Es sind Worte eben des einen sexuellen Extrems: Des Verdinglichten, Imaginären (vielleicht sogar des Toten), der Wunde, der Kränkung, dem Kastrierenden. Etwas, was wie ein Gespenst immer wiederkehrt und je anders. Immer überraschend. (Diese Worte spricht die Kunst aus in der Gattung der Pornographie, die Gattung der Pornographie spricht darin die Kunst aus. Aber um im Werden der Kunst dazusein, bedarf das Pornographische zugleich dem Schein des Scheiterns, der sich aufschiebenden Kränkung, die erinnert wird). Dann (re)inszeniert man eben das Andere, im Späteren vielleicht auch begreifend irgendwie. Die kulturindustrielle Sexualität muss daran scheitern. Sie ist einem vielleicht nahe in der Kränkung, weil das konkrete Objekt (im psychoanalytischen Sinne) sich entzog, und in ihr die Wunden als illuminierte Siegesmale erhalten bleiben. Freilich wird auch sie das Andere nicht los - und gerade für die Betrachtenden, die die Differenz auch erfahren; und dies womöglich fixiert im Unzureichenden des Bildes. In ihren Dichotomien  kann aber Infantilität als Wunde rekonstruiert werden.

Sich entscheiden heißt verzichten, so sagte dies einmal Freud, und dem ist zu zustimmen, weil Sublimation der Beleidigung und der Polemik des Gekränktseins vorzuziehen ist, die Abgründe der Sexualität der Sexualität des Abgrunds.

"Ich habe das Kino geliebt. Ich liebe es nicht mehr. Ich liebe es immer noch."
- Christian Metz: Der imaginäre Signifikant. Psychoanalyse und Kino, Münster 2000, S. 71.
"Du bist schön mit allen meinen Vernunftgründen, dich schön zu finden, und sprichst meine Unvernunft an."
- Edmond Jabès: Das Buch der Fragen, Frankfurt am Main 1989, S. 101.
"Love is giving something that you don’t possess to someone who doesn’t exist."
- Jacques Lacan
"Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren."
- Theodor W. Adorno: Minima Moralia. In: Tiedemann u.a. (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften Bd. 4. Frankfurt am Main 2003, S. 218
"Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen. Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden. Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir; das will laut werden. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe."
- Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra