Anzustrebende Wohnorte XXII: Die Wüste in der Wüste.
(via hauntology)
Bei tobender Ungeduld und der Vereindeutigung des Gesprochenen durch das Abbrechen der Bezüglichkeiten: Maurice Blanchot - Warten und Vergessen.
Bei Melancholie im Senkflug und ihren Spreizungen gleich welcher Radierung, die selbst das Enden des Schnurrens der Katze (die im Übrigen die angemessenste Metaphorisierung der Metaphysik) zur Selbstanklage ob der Grobheit der Finger reizt (denn dort ist zu finden die Freundschaft der Einsamkeit): Fernando Pessoa - Das Buch der Unruhe.
Bei dem sicheren Wissen, dass der Wahnsinn sich in die Bedeutungen der eigenen Sätzen eingeschleicht, und die Selbstverachtung jäh ein betoniertes Fundament gewinnt, weil es doch immer nur selbst sprechen will: Edmond Jabès - Das Buch der Fragen.
Bei Aufgehen der eigenen Begrenztheit, im Wortspiel der Anderen nicht die Spitzen mehr zu sehen, sondern sie im eigenen Fleisch zu verspüren - und trotzdem einer Eloquenz anzuhängen, die genau diese schmerzenden Spitzen erwünscht: Rudolf Borchardt - Vereinigung durch den Feind hindurch.
Bei Wiedereinsetzen des Phobischen vor dem Berühren, dem Sich-Annähern, in erhöhten Dosen, gerne, unbedingt gerne laut vorgetragen: August Stramm - Warten.
Bei Feindlosigkeit der Wut, die sich irgendwann von der Dialektik des Vaginalen etwas abkupfern mag, lies mit leichtem Zögern und dem Einfühlen in die Masturbation: Peter Weiß - Abschied von den Eltern.
Bei Mattwerdung und zum fliegenden Durcharbeiten des Endens von etwas, lass es Dich doch aufschneiden, geh doch dorthin, wo auch mal ein Beilchen den Liebsten schlägt: Marcel Beyer - Menschenfleisch.
Und keine Bange: Die Dosierungen sind unentscheidbar, die Mengen so gewaltig, gewalttätig, dass sie nie wirklich überrollen können. Wer das alles lesen soll? Wie dies alles gelesen werden könnte? Wie könnte ich denn alles gelesen haben? Sei doch beglückt davon, dass Deine Lektüre nie an ein Ende kommen wird. So vieles, was Du nie lesen wirst, aber was dort west, was unendlich warten, was Dich immer schon vergessen hat, was nie an Dich denken wird, aber zu Dir sprechen, wenn etwas Endlichkeit den Anfang bereitet.