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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Welche Leere lockt mich? Nach dem Namen und dem Gesetz, nach dem Zeichen und der Asche, ah! von all den Leeren, meine Stimme?
…wenn das Auge hörbar wird und die Stimme klingender Blick."
- Edmond Jabès: Es nimmt seinen Lauf, Frankfurt am Main 1981, S. 66.
"Für alle Zeit wird es ein Unmögliches geben, welches untergraben wird vom Möglichen."
- Edmond Jabès: Verlangen nach einem Beginn. Ensetzen vor einem einzigen Ende, Stuttgart 1992, S. 29.
"Das Buch machen hieße vielleicht, das Nichts der Schrift gegen die Schrift des Nichts eintauschen."
- Edmond Jabès: Es nimmt seinen Lauf, Frankfurt am Main 1981, S. 123.
"Wo das Blut der Erde runder ist als die Erde, wo die Morgendämmerung, um sie zu bekleiden, das Band webt,
wo sie ist,
wo sie ohne Ende durch die Zehen abtropft,
weiß man denn, was eine Frau wird, die aus dem
Wasser gezogen wurde,
dem einfachen Anblick ihrer Hände entzogen, den Freuden der Messerklingen?
Sie haben sie in Stücke geschnitten,
und sie ist die Beute ihrer Stricke."
- Edmond Jabès: Das Buch der Fragen, Frankurt am Main 1989, S. 30.
Anzustrebende Wohnorte XXII: Die Wüste in der Wüste.

Anzustrebende Wohnorte XXII: Die Wüste in der Wüste.

(via hauntology)

Küchenanalytische Literaturrat-Schläge III

Bei tobender Ungeduld und der Vereindeutigung des Gesprochenen durch das Abbrechen der Bezüglichkeiten: Maurice Blanchot - Warten und Vergessen.

Bei Melancholie im Senkflug und ihren Spreizungen gleich welcher Radierung, die selbst das Enden des Schnurrens der Katze (die im Übrigen die angemessenste Metaphorisierung der Metaphysik) zur Selbstanklage ob der Grobheit der Finger reizt (denn dort ist zu finden die Freundschaft der Einsamkeit): Fernando Pessoa - Das Buch der Unruhe.

Bei dem sicheren Wissen, dass der Wahnsinn sich in die Bedeutungen der eigenen Sätzen eingeschleicht, und die Selbstverachtung jäh ein betoniertes Fundament gewinnt, weil es doch immer nur selbst sprechen will: Edmond Jabès - Das Buch der Fragen.

Bei Aufgehen der eigenen Begrenztheit, im Wortspiel der Anderen nicht die Spitzen mehr zu sehen, sondern sie im eigenen Fleisch zu verspüren - und trotzdem einer Eloquenz anzuhängen, die genau diese schmerzenden Spitzen erwünscht: Rudolf Borchardt - Vereinigung durch den Feind hindurch.

Bei Wiedereinsetzen des Phobischen vor dem Berühren, dem Sich-Annähern, in erhöhten Dosen, gerne, unbedingt gerne laut vorgetragen: August Stramm - Warten.

Bei Feindlosigkeit der Wut, die sich irgendwann von der Dialektik des Vaginalen etwas abkupfern mag, lies mit leichtem Zögern und dem Einfühlen in die Masturbation: Peter Weiß - Abschied von den Eltern.

Bei Mattwerdung und zum fliegenden Durcharbeiten des Endens von etwas, lass es Dich doch aufschneiden, geh doch dorthin, wo auch mal ein Beilchen den Liebsten schlägt: Marcel Beyer - Menschenfleisch.

Und keine Bange: Die Dosierungen sind unentscheidbar, die Mengen so gewaltig, gewalttätig, dass sie nie wirklich überrollen können. Wer das alles lesen soll? Wie dies alles gelesen werden könnte? Wie könnte ich denn alles gelesen haben? Sei doch beglückt davon, dass Deine Lektüre nie an ein Ende kommen wird. So vieles, was Du nie lesen wirst, aber was dort west, was unendlich warten, was Dich immer schon vergessen hat, was nie an Dich denken wird, aber zu Dir sprechen, wenn etwas Endlichkeit den Anfang bereitet.

"Was wir als das “GANZE” bezeichnen, ist nur ein Teil der unsichtbaren Gesamtheit - Unfaßbares-; einer ihrer sichtbaren Teile: der Buchstabe, den die Leere stützt, wie sie auch die Welt trägt.
Somit ist die Leere Reich des DENKENS; ungehinderte Ausdehnung der Fülle."
- Edmond Jabès: Der vorbestimmte Weg, Berlin 1993, S. 97.
"Die Kindheit ist eine Kolonie von erstaunten Worten."
- Edmond Jabès: Das Buch der Fragen, Frankfurt am Main 1989, S. 158.
"Befrage mich, du, für den ich spreche. Aus dem Schweigen, in das sie eingefügt sind, entnehme ich die Antworten auf deine Fragen. Bist du zufrieden? Nicht ich antworte, sondern die Sätze."
- Edmond Jabès: Das Buch der Fragen, Frankfurt am Main 1989, S. 60.