(Quelle: walter-benjamin-bluemchen)
Edelster Denker MDCLXIII: Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
(Quelle: gewehrfabrik)
(Quelle: abendgesellschaft)
(Quelle: zartcore, via theimpossibleheap)
Schwierige Vergegenständlichungen notwendigmöglicher Metaphern I: Das Naturschöne des Erhabenen.
(via sigmundfreudanalyzethis)
(Quelle: noxe)
Vorsätze für die Sommerferien I: Eine Monstera deliciosa auf sein Grab.
(Quelle: aureliomadrid)
Große Probleme der Kulturkritik III: Das Imaginäre. Dein überlanges T-Shirt sieht aus wie ein Brautkleid, oder auch: Ihr Geruch hing so in der Luft, dass es etwas Ver-rücktes, eine Abstraktion vom alltäglichen Lebensvollzug, dass es so ein Schwebendes hatte. Gérard DuBois’ Werk vergegenständlicht dies in einer lieblichen, unterbestimmten Darstellung, die einen Herren zeigt, der ephebenhafte Züge, eine gewisse rundliche Androgynie aufweist (gerade an den geschlossenen Wimpern, dem Nasenrücken wird dies deutlich - es ist in diesem Ausschnitt nicht geschlechtlich markiert). Wir können dies noch umgreifender Denken: Die Projektion, das bloße Gefälschtsein des Imaginären reicht nicht aus, um seine Wirklichkeit zu beschreiben. Eben dies ist das Problem: Es lässt sich nicht beschreiben, in bloß theoretische Sätze fassen. Das Imaginäre ist kein parasitäres Sprechen oder die Verleugnung des Realitätsprinzips. Das Imaginäre ist der Versuch des Denkens des Anderen. Eine sehr schwierige Praxisform, da sie immer dem Problem ausgesetzt ist, dass sie als Impotentes, bloßes Phantasieren oder Masturbieren subsumiert wird, seiner Schönheit beraubt.
Und viel wesentlicher: Der Andere lässt sich nicht sinnvoll in einer Systematik denken; lässt der Andere sich überhaupt so sinnvoll denken, dass wir sagen könnten, wir haben das Andere gedacht? Also dasjenige, was aufscheint, wenn gesagt wird: “Da habe ich gerade was anderes gedacht”? Es ver-flüchtigt sich vor der Festlegung. Das Imaginäre ist nicht bloß unsystematisch: Es aktualisiert sich situativ je anders.
Das Imaginäre ist ein Denken des Anderen, weil es etwas denkt, was nicht einfach zu denken ist, d.h. keine binäre Logik von wahr und falsch zu seiner Grundlage hat - und weil das Imaginäre das Denken des Anderen ist, weil es vom Duft des Mandelgebäcks Ausflüge in die integrale Befriedigung gewinnt und angespornt von einem Orgasmus die Grenze der Leiber meint überschritten zu haben. Es ist ein Denken, was dem Denken stets fremd ist und stets ein Anderes bleibt: Selbst wenn das Imaginäre analysiert, wird es wiederkehren. Selbst wenn das Imaginäre seine Fremdheit verloren hat, vergegenständlicht wurde und vielleicht als Kunst in unser Leben hineinragt, so ist es dennoch ein Anderes, weil diese Vergegenständlichung in Verhältnis zu einem Denken steht, welches sich nicht einfach dem Imaginären fremd weiß. Es weiß selbst davon, dass ihm denkend etwas widerfahren kann, was nicht so einfach aufgeht: Seien es die Affizierungen des Leibes, seien es die Blicke der anderen Individuen, ihre Politiken der Freundschaften, gesellschaftlichen Reproduktionen.
Das Imaginäre lädt ein. Es verweigert nicht das Elend, aber es stellt es in einer Lieblichkeit, einer Eleganz dar, dass wir kurz entgleiten. Und mit dem alltäglichen Elend ist nur gemeint, dass das Imaginäre nur in der Psychose hegemonial werden kann, sich abspaltet. Aber eines muss auch gesagt werden: Es berauscht. Das Imaginäre ist mehr als nur ein Opiat, Ketamin oder ein guter Roman. Es ist auch ein Theaterstück oder die herausragende Bewegung beim Absetzen der Kaffeetasse. Es ist auch genau dort, wo es unsere alltäglichen Praxen nicht nur irritiert oder ihnen einen Aufschub gewährt, nein, das Imaginäre ist eben auch ein Moment der Praxis, was nicht einfach von der Produktivität einer “potenten” Tätigkeit verschieden, die nicht nur Wunschproduktion ist, sondern eben auch Moment all unserer Tätigkeiten.
Das Imaginäre wird nämlich in Erzählungen vom Imaginären angeeignet (und erfährt seine Wahrheit in der Lust am Leib oder im Schmerz am Zahn): Wir bewegen uns auf Imaginäres zu, wollen es verleiblichen, unsere Leiber in Körper verwandeln, die keinen Makel mehr an sich tragen oder vom Makel durchstoßen sind. Wir wollen inszenieren, dass wir die Gelingenden sind, die etwas tuen, was sich verwirklicht, auf keine Widerstände stößt, sondern sich einfach frei entfaltet. Individuelle Lebensvollzüge zehren von dem Imaginären. Es stiftet blaue Paradiese, lässt einen den Glauben oder das Hoffen, stößt einen in die Verfallsgeschichten, dass wir nun gar nichts mehr schreiben könnten, weil alles schon gesagt sei oder jeder neue Satz hässlich schimmert.
Dieser Widerspruch ist ins Imaginäre eingeschrieben: Es ist kein Zuviel des Anderen, sondern immer auch ein Zuwenig des Anderen. Wird das Imaginäre hegemonial und der Andere einfach mit der Selbsterzählung gleichgesetzt, dann scheitert es: Es findet keine Begrenzung mehr, sondern schlägt an Widerfahrnissen auf, bekommt Risse, keine Falten, sondern unverknüpfbare Sprech-Handlungen, die einem am nächsten Morgen präsentiert werden. In den Erzählungen der Anderen wird das Imaginäre stets entfremdet. Der Abend war kein rauschendes Fest oder eine große Lücke der Erinnerung gewesen, sondern eine Ansammlung von Kränkungen und Beleidigungen Anderer. Es gewinnt dabei aber erst seine Bestimmung als Imaginäres, weil es nie ungeteilt ist. Es hat immer ein Moment des Anderen eingesprengt, was in der Heterogenität des Missverstehens aufscheint, wenn etwas nicht aufgehen will, wenn sich das Imaginäre auch als Angst, Verzweiflung ob der Verkennung zeigt.
Aber dieses ist das notwendigmögliche Moment des Imaginären im Anerkennungsprozess: Es ist nicht auszuschließen von einer “Standardsprache” oder einem “Wesen des Menschen”, aber es ist auch nicht völlig verschieden davon. Es ist ein praktisches Problem, weil es nie zu einem Ende findet, aber dennoch unterschieden werden muss - von einem Elend einer Wirklichkeit, die auch Bedingungen in es einschreibt, und von einer Wirklichkeit des Elends, die auch stets imaginär zu erfahren ist.
Wenn das Imaginäre nun ein Denken des Anderen ist, dann wird auch deutlich, warum das Problem des Narzissmus stets als ein mit dem Imaginären Verknüpftes präsentiert wird. Im Imaginären sehen wir uns (in den Phamtasmen, Imaginationen) als Andere gespiegelt. Wir scheinen Andere zu sein, weil wir der Manie verfallen, dass wir Knotenpunkt aller menschlichen Regungen seien - als sei der böse Blick des Mannes in der S-Bahn uns gewidmet, als hätte der keine Probleme des Anderen; oder wir glauben, so wahr zu sprechen, dass wir uns gerade vom Missverstehen der Anderen so entfernt haben, dass wir gar nicht mehr wirklich wissen können, ob wir uns verstanden haben. Das Imaginäre ist also ein Problem des Monologischen. Wir sagen etwas anderes, als dasjenige, was wirklich angemessen gewesen sein wird. In der Verkennung, in dem Bild-des-Anderen-Machen, scheint dieses Verbotene auf. Wir tun es manchmal, weil es uns eine kleine Sicherheit zu schenken scheint, dass dieser Vollzug gelingen könnte. Dies birgt aber manche Ent-Täuschung.
Das Imaginäre findet in Lacans Werk daher auch dort eine Grenze, wo das Symbolische beginnt. Und Lacan ist hier genauer, anerkennungstheoretisch zu fassen: Das Imaginäre ist auf der einen Seite nur im Symbolischen thematisierbar und gleichzeitig muss das Imaginäre einstmals auch Symbolisches gewesen sein, weil es sich erst an der Grenze von Imaginärem und Symbolischen unterscheiden kann. Das Symbolische ist daher das Sprechen der Anderen. Dort, wo der Widerstand des Verstehens oder Missverstehens so groß ist, dass das Imaginäre kein bloßes Produkt eines isolierten Bewusstseins, sondern wenn es selbst als Moment des Ganges der Menschheit durch die Geschichte begriffen wird. Zu mir muss also immer schon gesprochen worden sein, bevor das Imaginäre mir zu einem Problem wird.
(via noxe)
(Quelle: brainexpectingrain)