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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Ebenso wenn ich sage: Ich; meyne ich Mich als diesen alle Andern ausschließenden, aber was ich sage, Ich, ist eben jeder; Ich, der alle Andern von sich ausschließt."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundriss, Hamburg 1999, S. 65.
"Die ihrer selbst bewußte und sich aussprechende Zerrissenheit des Bewußtseins ist das Hohngelächter über das Dasein sowie über die Verwirrung des Ganzen und über sich selbst; es ist zugleich das sich noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung. – Diese sich selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit und alles bestimmten Begriffs ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst; einmal in diesem Selbst des Bewußtseins, als diesem , das andere Mal in der reinen Allgemeinheit desselben oder im Denken. […]
In jener Seite der Rückkehr in das Selbst ist die Eitelkeit aller Dinge seine eigene Eitelkeit , oder es ist eitel. Es ist das fürsichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem Widerspruche zu sagen weiß, und dieser Widerspruch ist ihre Wahrheit."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes. In: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Werke, Frankfurt am Main 1986, Band 3, S. 389.

(Quelle: walter-benjamin-bluemchen)

Edelster Denker MDCLXIII: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. 

Edelster Denker MDCLXIII: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. 

(Quelle: gewehrfabrik)

"Von Kyrene begab sich Plato nach Ägypten, bald darauf aber nach Großgriechenland […]; er kaufte um schweres Geld die Schriften der älteren Pythagoräer und errichtete Freundschaft mit Dion in Sizilien. Hierauf trat er in Athen/in der Akademie als Lehrer auf, ein Spaziergang, in dem sich ein Gymnasium befand; die Anlage war gemacht zur Ehre des Heros Akademos, aber dieser ist in die Dunkelheit getreten und Plato ist der wahre Heros der Akademie. Seine Geschichte in Athen unterbrach er durch dreimaliges Reisen zu Dionysius dem jüngeren, der Herrscher von Syrakus und Sizilien war. Dieses Verhältnis machte in seinem Leben einen bedeutenden Punkt aus. Es war teils die Freundschaft zu Dion, die ihn bewegte, dahin zu reisen, besonders aber war es die Hoffnung durch Dionysius eine wahre Staatsverfassung in die Wirklichkeit gesetzt zu sehen. Dies sieht jetzt oberflächlich recht plausibel aus und ist in hundert politischen Romanen zum Grund gelegt, ein junger Fürst und hinter ihm, neben ihm, steht ein weiser Mann, ein Philosoph, der ihn unterrichtet, inspiriert; dies ist eine Vorstellung, die in sich hohl ist."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über Platon (1825-1826). Unveröffentlichter Text, herausgegeben von Jean-Louis Vieillard-Baron, Frankfurt am Main – Berlin – Wien 1979, S. 67.

(Quelle: abendgesellschaft)

"Dies Bewußtsein hat nämlich nicht um dieses oder jenes, noch für diesen oder jenen Augenblick Angst gehabt, sondern um sein ganzes Wesen; denn es hat die Furcht des Todes, des absoluten Herrn, empfunden. Es ist darin innerlich aufgelöst worden, hat durchaus in sich selbst erzittert, und alles Fixe hat in ihm gebebt. Diese reine allgemeine Bewegung, das absolute Flüssigwerden alles Bestehens ist aber das einfache Wesen des Selbstbewußtseins, die absolute Negativität, das reine Für-sich-sein, das hiemit an diesem Bewußtsein ist."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes, in: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): G.W.F. Hegel - Werke, Band 3, Frankfurt am Main 1986, S. 153.

(Quelle: zartcore, via theimpossibleheap)

"Ich ist das Denken als Denkendes. Was ich in meinem Bewußtsein habe, das ist für mich. Ich ist diese Leere, das Rezeptakulum für alles und jedes, für welches alles ist und welches alles in sich aufbewahrt. Jeder Mensch ist eine ganze Welt von Vorstellungen, welche in der Nacht des Ich begraben sind."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, in: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Werke, Frankfurt am Main 1970, Band 8, S. 83.
"Hegels Philosophie rauscht."
- Theodor W. Adorno: Aspekte, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 5, S. 294.
"Der Tod, [wenn wir jene Unwirklichkeit so nennen wollen], ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die größte Kraft erfordert."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes, in:  Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Werke, Frankfurt am Main 1986, Band 3, S. 36.
"Spinoza, Kant, Blake, Hegel, Schelling, Proudhon, Marx, Stirner, Baudelaire, Lautréamont, Rimbaud, Nietzsche: die bloße Aufzählung dieser Namen ist schon der Anfang eures Desasters."
- Louis Aragon u.a.: Zuerst und immer die Revolution!, in: Heribert Becker (Hg.): Es brennt! Pamphlete der Surrealisten, Hamburg 1998, S. 38.
Schwierige Vergegenständlichungen notwendigmöglicher Metaphern I: Das Naturschöne des Erhabenen.

Schwierige Vergegenständlichungen notwendigmöglicher Metaphern I: Das Naturschöne des Erhabenen.

(via sigmundfreudanalyzethis)

"Um noch über das Belehren, wie die Welt sein soll, ein Wort zu sagen, so kommt dazu ohnehin die Philosophie immer zu spät. Als der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat. Dies, was der Begriff lehrt, zeigt notwendig ebenso die Geschichte, daß erst in der Reife der Wirklichkeit das Ideale dem Realen gegenüber erscheint und jenes sich dieselbe Welt, in ihrer Substanz erfaßt, in Gestalt eines intellektuellen Reichs erbaut. Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Gestalt des Lebens alt geworden, und mit Grau in Grau läßt sie sich nicht verjüngen, sondern nur erkennen; die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, in: Eva Moldenhauer (Hg. u.a.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel Werke, Frankfurt am Main 1979,  Band 7, S. 28.

(Quelle: noxe)

"Was will der Dialektiker? Was will er, dieser Wille, der Dialektik will? Eine erschöpfte Kraft, zu kraftlos, um ihre Differenz zu bejahen, eine Kraft, die nicht mehr wirkt, sondern auf die Kräfte nur reagiert, die sie beherrschen: Allein eine solche Kraft überläßt innerhalb ihrer Beziehung zu einer anderen dem negativen Element den ersten Rang, eine Kraft, die alles regiert, was sie nicht selbst ist und aus dieser Negation ihr eigenes Wesen und den Grund ihrer Existenz erstellt."
- Gilles Deleuze: Nietzsche und die Philosophie, München 1976, S. 14.
Vorsätze für die Sommerferien I: Eine Monstera deliciosa auf sein Grab.

Vorsätze für die Sommerferien I: Eine Monstera deliciosa auf sein Grab.

(Quelle: aureliomadrid)

Große Probleme der Kulturkritik III: Das Imaginäre. Dein überlanges T-Shirt sieht aus wie ein Brautkleid, oder auch: Ihr Geruch hing so in der Luft, dass es etwas Ver-rücktes, eine Abstraktion vom alltäglichen Lebensvollzug, dass es so ein Schwebendes hatte. Gérard DuBois’ Werk vergegenständlicht dies in einer lieblichen, unterbestimmten Darstellung, die einen Herren zeigt, der ephebenhafte Züge, eine gewisse rundliche Androgynie aufweist (gerade an den geschlossenen Wimpern, dem Nasenrücken wird dies deutlich - es ist in diesem Ausschnitt nicht geschlechtlich markiert). Wir können dies noch umgreifender Denken: Die Projektion, das bloße Gefälschtsein des Imaginären reicht nicht aus, um seine Wirklichkeit zu beschreiben. Eben dies ist das Problem: Es lässt sich nicht beschreiben, in bloß theoretische Sätze fassen. Das Imaginäre ist kein parasitäres Sprechen oder die Verleugnung des Realitätsprinzips. Das Imaginäre ist der Versuch des Denkens des Anderen. Eine sehr schwierige Praxisform, da sie immer dem Problem ausgesetzt ist, dass sie als Impotentes, bloßes Phantasieren oder Masturbieren subsumiert wird, seiner Schönheit beraubt.
Und viel wesentlicher: Der Andere lässt sich nicht sinnvoll in einer Systematik denken; lässt der Andere sich überhaupt so sinnvoll denken, dass wir sagen könnten, wir haben das Andere gedacht? Also dasjenige, was aufscheint, wenn gesagt wird: “Da habe ich gerade was anderes gedacht”? Es ver-flüchtigt sich vor der Festlegung. Das Imaginäre ist nicht bloß unsystematisch: Es aktualisiert sich situativ je anders.
Das Imaginäre ist ein Denken des Anderen, weil es etwas denkt, was nicht einfach zu denken ist, d.h. keine binäre Logik von wahr und falsch zu seiner Grundlage hat - und weil das Imaginäre das Denken des Anderen ist, weil es vom Duft des Mandelgebäcks Ausflüge in die integrale Befriedigung gewinnt und angespornt von einem Orgasmus die Grenze der Leiber meint überschritten zu haben. Es ist ein Denken, was dem Denken stets fremd ist und stets ein Anderes bleibt: Selbst wenn das Imaginäre analysiert, wird es wiederkehren. Selbst wenn das Imaginäre seine Fremdheit verloren hat, vergegenständlicht wurde und vielleicht als Kunst in unser Leben hineinragt, so ist es dennoch ein Anderes, weil diese Vergegenständlichung in Verhältnis zu einem Denken steht, welches sich nicht einfach dem Imaginären fremd weiß. Es weiß selbst davon, dass ihm denkend etwas widerfahren kann, was nicht so einfach aufgeht: Seien es die Affizierungen des Leibes, seien es die Blicke der anderen Individuen, ihre Politiken der Freundschaften, gesellschaftlichen Reproduktionen.
Das Imaginäre lädt ein. Es verweigert nicht das Elend, aber es stellt es in einer Lieblichkeit, einer Eleganz dar, dass wir kurz entgleiten.   Und mit dem alltäglichen Elend ist nur gemeint, dass das Imaginäre nur in der Psychose hegemonial werden kann, sich abspaltet.  Aber eines muss auch gesagt werden: Es berauscht. Das Imaginäre ist mehr als nur ein Opiat, Ketamin oder ein guter Roman. Es ist auch ein Theaterstück oder die herausragende Bewegung beim Absetzen der Kaffeetasse. Es ist auch genau dort, wo es unsere alltäglichen Praxen nicht nur irritiert oder ihnen einen Aufschub gewährt, nein, das Imaginäre ist eben auch ein Moment der Praxis, was nicht einfach von der Produktivität einer “potenten” Tätigkeit verschieden, die nicht nur Wunschproduktion ist, sondern eben auch Moment all unserer Tätigkeiten.
Das Imaginäre wird nämlich in Erzählungen vom Imaginären angeeignet (und erfährt seine Wahrheit in der Lust am Leib oder im Schmerz am Zahn): Wir bewegen uns auf Imaginäres zu, wollen es verleiblichen, unsere Leiber in Körper verwandeln, die keinen Makel mehr an sich tragen oder vom Makel durchstoßen sind. Wir wollen inszenieren, dass wir die Gelingenden sind, die etwas tuen, was sich verwirklicht, auf keine Widerstände stößt, sondern sich einfach frei entfaltet. Individuelle Lebensvollzüge zehren von dem Imaginären. Es stiftet blaue Paradiese, lässt einen den Glauben oder das Hoffen, stößt einen in die Verfallsgeschichten, dass wir nun gar nichts mehr schreiben könnten, weil alles schon gesagt sei oder jeder neue Satz hässlich schimmert.
 Dieser Widerspruch ist ins Imaginäre eingeschrieben: Es ist kein Zuviel des Anderen, sondern immer auch ein Zuwenig des Anderen. Wird das Imaginäre hegemonial und der Andere einfach mit der Selbsterzählung gleichgesetzt, dann scheitert es: Es findet keine Begrenzung mehr, sondern schlägt an Widerfahrnissen auf, bekommt Risse, keine Falten, sondern unverknüpfbare Sprech-Handlungen, die einem am nächsten Morgen präsentiert werden. In den Erzählungen der Anderen wird das Imaginäre stets entfremdet. Der Abend war kein rauschendes Fest oder eine große Lücke der Erinnerung gewesen, sondern eine Ansammlung von Kränkungen und Beleidigungen Anderer. Es gewinnt dabei aber erst seine Bestimmung als Imaginäres, weil es nie ungeteilt ist. Es hat immer ein Moment des Anderen eingesprengt, was in der Heterogenität des Missverstehens aufscheint, wenn etwas nicht aufgehen will, wenn sich das Imaginäre auch als Angst, Verzweiflung ob der Verkennung zeigt.
Aber dieses ist das notwendigmögliche Moment des Imaginären im Anerkennungsprozess: Es ist nicht auszuschließen von einer “Standardsprache” oder einem “Wesen des Menschen”, aber es ist auch nicht völlig verschieden davon. Es ist ein praktisches Problem, weil es nie zu einem Ende findet, aber dennoch unterschieden werden muss - von einem Elend einer Wirklichkeit, die auch Bedingungen in es einschreibt, und von einer Wirklichkeit des Elends, die auch stets imaginär zu erfahren ist.
Wenn das Imaginäre nun ein Denken des Anderen ist, dann wird auch deutlich, warum das Problem des Narzissmus stets als ein mit dem Imaginären Verknüpftes präsentiert wird. Im Imaginären sehen wir uns (in den Phamtasmen, Imaginationen) als Andere gespiegelt. Wir scheinen Andere zu sein, weil wir der Manie verfallen, dass wir Knotenpunkt aller menschlichen Regungen seien - als sei der böse Blick des Mannes in der S-Bahn uns gewidmet, als hätte der keine Probleme des Anderen; oder wir glauben, so wahr zu sprechen, dass wir uns gerade vom Missverstehen der Anderen so entfernt haben, dass wir gar nicht mehr wirklich wissen können, ob wir uns verstanden haben. Das Imaginäre ist also ein Problem des Monologischen. Wir sagen etwas anderes, als dasjenige, was wirklich angemessen gewesen sein wird. In der Verkennung, in dem Bild-des-Anderen-Machen, scheint dieses Verbotene auf. Wir tun es manchmal, weil es uns eine kleine Sicherheit zu schenken scheint, dass dieser Vollzug gelingen könnte. Dies birgt aber manche Ent-Täuschung.
Das Imaginäre findet in Lacans Werk daher auch dort eine Grenze, wo das Symbolische beginnt. Und Lacan ist hier genauer, anerkennungstheoretisch zu fassen: Das Imaginäre ist auf der einen Seite nur im Symbolischen thematisierbar und gleichzeitig muss das Imaginäre einstmals auch Symbolisches gewesen sein, weil es sich erst an der Grenze von Imaginärem und Symbolischen unterscheiden kann. Das Symbolische ist daher das Sprechen der Anderen. Dort, wo der Widerstand des Verstehens oder Missverstehens so groß ist, dass das Imaginäre kein bloßes Produkt eines isolierten Bewusstseins, sondern wenn es selbst als Moment des Ganges der Menschheit durch die Geschichte begriffen wird. Zu mir muss also immer schon gesprochen worden sein, bevor das Imaginäre mir zu einem Problem wird.

Große Probleme der Kulturkritik III: Das Imaginäre. Dein überlanges T-Shirt sieht aus wie ein Brautkleid, oder auch: Ihr Geruch hing so in der Luft, dass es etwas Ver-rücktes, eine Abstraktion vom alltäglichen Lebensvollzug, dass es so ein Schwebendes hatte. Gérard DuBois’ Werk vergegenständlicht dies in einer lieblichen, unterbestimmten Darstellung, die einen Herren zeigt, der ephebenhafte Züge, eine gewisse rundliche Androgynie aufweist (gerade an den geschlossenen Wimpern, dem Nasenrücken wird dies deutlich - es ist in diesem Ausschnitt nicht geschlechtlich markiert). Wir können dies noch umgreifender Denken: Die Projektion, das bloße Gefälschtsein des Imaginären reicht nicht aus, um seine Wirklichkeit zu beschreiben. Eben dies ist das Problem: Es lässt sich nicht beschreiben, in bloß theoretische Sätze fassen. Das Imaginäre ist kein parasitäres Sprechen oder die Verleugnung des Realitätsprinzips. Das Imaginäre ist der Versuch des Denkens des Anderen. Eine sehr schwierige Praxisform, da sie immer dem Problem ausgesetzt ist, dass sie als Impotentes, bloßes Phantasieren oder Masturbieren subsumiert wird, seiner Schönheit beraubt.

Und viel wesentlicher: Der Andere lässt sich nicht sinnvoll in einer Systematik denken; lässt der Andere sich überhaupt so sinnvoll denken, dass wir sagen könnten, wir haben das Andere gedacht? Also dasjenige, was aufscheint, wenn gesagt wird: “Da habe ich gerade was anderes gedacht”? Es ver-flüchtigt sich vor der Festlegung. Das Imaginäre ist nicht bloß unsystematisch: Es aktualisiert sich situativ je anders.

Das Imaginäre ist ein Denken des Anderen, weil es etwas denkt, was nicht einfach zu denken ist, d.h. keine binäre Logik von wahr und falsch zu seiner Grundlage hat - und weil das Imaginäre das Denken des Anderen ist, weil es vom Duft des Mandelgebäcks Ausflüge in die integrale Befriedigung gewinnt und angespornt von einem Orgasmus die Grenze der Leiber meint überschritten zu haben. Es ist ein Denken, was dem Denken stets fremd ist und stets ein Anderes bleibt: Selbst wenn das Imaginäre analysiert, wird es wiederkehren. Selbst wenn das Imaginäre seine Fremdheit verloren hat, vergegenständlicht wurde und vielleicht als Kunst in unser Leben hineinragt, so ist es dennoch ein Anderes, weil diese Vergegenständlichung in Verhältnis zu einem Denken steht, welches sich nicht einfach dem Imaginären fremd weiß. Es weiß selbst davon, dass ihm denkend etwas widerfahren kann, was nicht so einfach aufgeht: Seien es die Affizierungen des Leibes, seien es die Blicke der anderen Individuen, ihre Politiken der Freundschaften, gesellschaftlichen Reproduktionen.

Das Imaginäre lädt ein. Es verweigert nicht das Elend, aber es stellt es in einer Lieblichkeit, einer Eleganz dar, dass wir kurz entgleiten.   Und mit dem alltäglichen Elend ist nur gemeint, dass das Imaginäre nur in der Psychose hegemonial werden kann, sich abspaltet.  Aber eines muss auch gesagt werden: Es berauscht. Das Imaginäre ist mehr als nur ein Opiat, Ketamin oder ein guter Roman. Es ist auch ein Theaterstück oder die herausragende Bewegung beim Absetzen der Kaffeetasse. Es ist auch genau dort, wo es unsere alltäglichen Praxen nicht nur irritiert oder ihnen einen Aufschub gewährt, nein, das Imaginäre ist eben auch ein Moment der Praxis, was nicht einfach von der Produktivität einer “potenten” Tätigkeit verschieden, die nicht nur Wunschproduktion ist, sondern eben auch Moment all unserer Tätigkeiten.

Das Imaginäre wird nämlich in Erzählungen vom Imaginären angeeignet (und erfährt seine Wahrheit in der Lust am Leib oder im Schmerz am Zahn): Wir bewegen uns auf Imaginäres zu, wollen es verleiblichen, unsere Leiber in Körper verwandeln, die keinen Makel mehr an sich tragen oder vom Makel durchstoßen sind. Wir wollen inszenieren, dass wir die Gelingenden sind, die etwas tuen, was sich verwirklicht, auf keine Widerstände stößt, sondern sich einfach frei entfaltet. Individuelle Lebensvollzüge zehren von dem Imaginären. Es stiftet blaue Paradiese, lässt einen den Glauben oder das Hoffen, stößt einen in die Verfallsgeschichten, dass wir nun gar nichts mehr schreiben könnten, weil alles schon gesagt sei oder jeder neue Satz hässlich schimmert.

 Dieser Widerspruch ist ins Imaginäre eingeschrieben: Es ist kein Zuviel des Anderen, sondern immer auch ein Zuwenig des Anderen. Wird das Imaginäre hegemonial und der Andere einfach mit der Selbsterzählung gleichgesetzt, dann scheitert es: Es findet keine Begrenzung mehr, sondern schlägt an Widerfahrnissen auf, bekommt Risse, keine Falten, sondern unverknüpfbare Sprech-Handlungen, die einem am nächsten Morgen präsentiert werden. In den Erzählungen der Anderen wird das Imaginäre stets entfremdet. Der Abend war kein rauschendes Fest oder eine große Lücke der Erinnerung gewesen, sondern eine Ansammlung von Kränkungen und Beleidigungen Anderer. Es gewinnt dabei aber erst seine Bestimmung als Imaginäres, weil es nie ungeteilt ist. Es hat immer ein Moment des Anderen eingesprengt, was in der Heterogenität des Missverstehens aufscheint, wenn etwas nicht aufgehen will, wenn sich das Imaginäre auch als Angst, Verzweiflung ob der Verkennung zeigt.

Aber dieses ist das notwendigmögliche Moment des Imaginären im Anerkennungsprozess: Es ist nicht auszuschließen von einer “Standardsprache” oder einem “Wesen des Menschen”, aber es ist auch nicht völlig verschieden davon. Es ist ein praktisches Problem, weil es nie zu einem Ende findet, aber dennoch unterschieden werden muss - von einem Elend einer Wirklichkeit, die auch Bedingungen in es einschreibt, und von einer Wirklichkeit des Elends, die auch stets imaginär zu erfahren ist.

Wenn das Imaginäre nun ein Denken des Anderen ist, dann wird auch deutlich, warum das Problem des Narzissmus stets als ein mit dem Imaginären Verknüpftes präsentiert wird. Im Imaginären sehen wir uns (in den Phamtasmen, Imaginationen) als Andere gespiegelt. Wir scheinen Andere zu sein, weil wir der Manie verfallen, dass wir Knotenpunkt aller menschlichen Regungen seien - als sei der böse Blick des Mannes in der S-Bahn uns gewidmet, als hätte der keine Probleme des Anderen; oder wir glauben, so wahr zu sprechen, dass wir uns gerade vom Missverstehen der Anderen so entfernt haben, dass wir gar nicht mehr wirklich wissen können, ob wir uns verstanden haben. Das Imaginäre ist also ein Problem des Monologischen. Wir sagen etwas anderes, als dasjenige, was wirklich angemessen gewesen sein wird. In der Verkennung, in dem Bild-des-Anderen-Machen, scheint dieses Verbotene auf. Wir tun es manchmal, weil es uns eine kleine Sicherheit zu schenken scheint, dass dieser Vollzug gelingen könnte. Dies birgt aber manche Ent-Täuschung.

Das Imaginäre findet in Lacans Werk daher auch dort eine Grenze, wo das Symbolische beginnt. Und Lacan ist hier genauer, anerkennungstheoretisch zu fassen: Das Imaginäre ist auf der einen Seite nur im Symbolischen thematisierbar und gleichzeitig muss das Imaginäre einstmals auch Symbolisches gewesen sein, weil es sich erst an der Grenze von Imaginärem und Symbolischen unterscheiden kann. Das Symbolische ist daher das Sprechen der Anderen. Dort, wo der Widerstand des Verstehens oder Missverstehens so groß ist, dass das Imaginäre kein bloßes Produkt eines isolierten Bewusstseins, sondern wenn es selbst als Moment des Ganges der Menschheit durch die Geschichte begriffen wird. Zu mir muss also immer schon gesprochen worden sein, bevor das Imaginäre mir zu einem Problem wird.

(via noxe)

"Es ist für das Selbstbewußtsein ein anderes Selbstbewußtsein; es ist außer sich gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung: erstlich, es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein anderes Wesen; zweitens, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht auch nicht das Andere als Wesen, sondern sich selbst im Anderen."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes, Frankfurt am Main 1986. S. 146.

(Quelle: brainexpectingrain)