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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Sie suchte etwas und er suchte etwas, wütend, Grimmassen schneidend, sich mit dem Kopf einbohrend in der Brust des andern suchten sie und ihre Umarmungen und ihre sich aufwerfenden Körper machten sie nicht vergessen, sondern erinnerten sie an die Pflicht zu suchen, wie Hunde verzweifelt am Boden scharren so scharrten sie an ihren Körpern und hilflos enttäuscht, um noch letztes Glück zu holen, fuhren manchmal ihre Zungen breit über des andern Gesicht."
- Franz Kafka: Das Schloss, in: Jürgen Born et al. (Hg.): Franz Kafka – Schriften Tagebücher. Kritische Ausgabe, Frankfurt am Main 1982, S. 75.
"Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.
[…]
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde."
- Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, München 1984, S.49.

(Quelle: sammeldeineknochen)

"Wer nur Erbauung sucht, wer die irdische Mannigfaltigkeit seines Daseins und des Gedankens in Nebel einzuhüllen und nach dem unbestimmten Genusse dieser unbestimmten Göttlichkeit verlangt, mag zusehen, wo er dies findet; er wird leicht selbst sich etwas vorzuschwärmen und damit sich aufzuspreizen die Mittel finden. Die Philosophie aber muß sich hüten, erbaulich sein zu wollen."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes, in: Wolfgang Bonsiepen & Reinhard Heede (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Gesammelte Werke, Hamburg 1980, Band 9, S. 13f.
"When after the Fall Jahweh asks Adam ‘Where are you?’ this question signifies that henceforth man can no longer be found or situated except in the place of the question."
- Maurice Blanchot, ‘The Most Profound Question’, in: The infinite Conversation (trans. S. Hanson), University of Minnesota Press 1993, 14 (via tracesoftraces).
"Der Herrgott is a Schnellkochtopf
da wirst du ganz schnell weich
er kocht dir deinen schweren kopf
und tröstet deinen leich"
- Werner Schwab: Die Präsidentinnen, in: Ders.: Fäkaliendramen, Graz - Wien 1991, S. 58.
"C
Sie hat zurzeit so eine Art Nervenzusammenbruch und wünscht, sie wäre schwarz zur Welt gekommen, männlich und attraktiver.

B
Ich gebe mich selbst.

C
Oder einfach nur attraktiver.

B
Ich gebe mein Herz.

C
Oder einfach anders.

M
Aber das ist kein wirkliches Geben.

C
Einfach irgendjemand scheißandres.

A
Zerbrechlich und würgend.

C
Sie macht nicht mehr weiter mit der tagtäglichen Farce, die nächsten paar Stunden dadurch zu bewältigen, dass sie versucht, die Tatsache zu verdrängen, dass sie keine Ahnung hat, wie sie die nächsten vierzig Jahre bewältigen soll.

A
Ich liebe dich noch immer.

B
Gegen meinen Willen.

C
Sie spricht von sich selbst in der dritten Person, denn die Vorstellung, zu sein, wer sie ist, anzuerkennen, dass sie sie selbst ist, ist mehr, als ihr Stolz vertragen kann.

B
Mit einer Scheißwucht.

C
Sie hat sich selbst zum Kotzen satt und wünscht wünscht wünscht, dass etwas geschieht, damit das Leben beginnt.

A
Ich bin ein viel netterer Mensch, seit ich eine Affäre hatte.

C
Du kannst dich nur töten, wenn du nicht schon tot bist.

M
Schuld macht das.

A
Weil ich jetzt weiß, dass Betrug nichts bedeutet."
- Sarah Kane: Gier, in: Brocher, Corinna u. Tabert, Nils (Hg.): Sarah Kane. Sämtliche Stücke, Hamburg, 2002. S. 193 (via adaequatio)
"Was Jankélévitch angeht, so musste ich natürlich an ihn denken, als ich von der Vergebung sprach - wie könnte es anders sein? -, und wie Sie gehört haben, hatte ich auch das Beispiel des nicht vergebungsfähigen Holocaust im Sinn [… ]. Der Grund, warum ich nicht sagen kann “Ich vergebe”, ist nicht meine Härte, meine Ungerührtheit, meine unerschütterliche Verdammung, sondern einfach nur, dass ich nicht das Recht habe zu vergeben. Es ist immer der Andere, der vergeben muss; ich kann nicht im Namen des Anderen vergeben. Ich kann nicht im Namen der Opfer des Holocaust vergeben. Selbst die Überlebenden, selbst jene, die - wie Primo Lévi - zugegen waren, die das erlebt oder überlebt haben, haben nicht das Recht zu vergeben. Nicht nur, weil sie nicht aufhören können, zu verdammen, sondern weil man nicht für die anderen vergeben kann. Man hat nicht das Recht, zu vergeben, die Vergebung ist unmöglich. Nur da, wo die Vergebung unmöglich bleibt, weil nur die Vergebung des nicht Vergebungsfähigen Sinn hat, nur da kann Vergebung statt haben, wenn sie überhaupt statt hat. In einer anthropo-theologischen Struktur sagt man im Allgemeinen, dass “nur Gott vergeben kann” und dass “ich nicht das Recht dazu habe”; ein endliches Wesen kann nicht eine Schuld vergeben, die immer unendlich ist. “Nicht vergebungsfähig” heißt unbegrenzt, unendlich. Der Name Gottes benennt hier jenen Anderen, dem das Recht zur Vergebung stets überlassen wird, das Recht zur Vergebung und die Möglichkeit, zu geben, zu sagen “Ich gebe”, “Ich entscheide”. Die Gabe und die Vergebung finden stets im Namen des Anderen statt."
- Jacques Derrida: Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen, Berlin 2003, S. 45f.
"Indem er die stumme namenlose Sprache der Dinge empfängt und sie in den Namen in Lauten überträgt, löst der Mensch diese Aufgabe [die Dinge zu benennen]. Unlösbar wäre sie, wäre nicht die Namenssprache des Menschen und die namenlose der Dinge in Gott verwandt, entlassen aus demselben schaffenden Wort, das in den Dingen Mitteilung der Materie in magischer Gemeinschaft, im Menschen Sprache des Erkennens und Namens in seligem Geiste geworden wäre."
- Walter Benjamin: Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen, in: Ralf Konersmann (Hg.): Walter Benjamin - Kairos. Schriften zur Philosophie, Frankfurt am Main 2007, S. 17. (via edsminorplace).