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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Oft habe ich […] den Eindruck, dieser Stil stellt eine Art Racheaktion dar. Da Sie auf politische Aktion oder Teilnahme an wirklicher oppositioneller Opposition verzichten, versuchen Sie, mit sprachlichen Mitteln etwas Aktionsähnliches zu erzeugen, mindestens dem Leser etwas anzutun."
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Günther Anders: Brief an Theodor W. Adorno vom 27. August 1963, in: Theodor W. Adorno Archiv (Hg.): Adorno. Eine Bildmonographie, Frankfurt am Main 2003, S. 277.

"Wenn aber die Idee einer ‘letzten’ Sprache mit der einer idealen Kommunikationsstruktur im Begriff der idealen Kommunikationsgemeinschaft zusammengedacht werden muß, so folgt, daß dieser Begriff nicht nur ideale Bedingungen der Verständigung, sondern zugleich eine Situation idealen Verständigtseins bezeichnet. Was als Situation idealer Verständigung gemeint ist, enthüllt sich als Situation jenseits der Notwendigkeit sprachlicher Verständigung. Im Grenzwert der idealen Kommunikationsgemeinschaft ist somit die konstitutive Pluralität der Zeichenbenutzer aufgehoben zugunsten der Singularität eines in allen Richtungen mit sich verständigten (kollektiven) transzendentalen Subjekts, das als gewordenes gleichsam in der Wahrheit ist. Die letzte, die ideale Sprache wäre eine Sprache jenseits der Sprache, […]. das Telos der sprachlichen Kommunikation wäre ihr Ende."
- Albrecht Wellmer: Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes, in: Axel Honneth & Christoph Menke (Hg.): Theodor W. Adorno – Negative Dialektik, Berlin 2006, S. 203f.
"Die Krisis der Sachlichkeit ist kein Signal, diese durch ein Menschliches zu ersetzen, das sogleich in Zuspruch degenerierte, Korrelat der real ansteigenden Unmenschlichkeit. Bis zum bitteren Ende gedacht, wendet jedoch Sachlichkeit sich zum barbarischen Vorkünstlerischen. Noch die ästhetisch hochgezüchtete Allergie gegen Kitsch, Ornament, Überflüssiges, dem Luxus sich Näherndes hat auch den Aspekt von Barbarei; des nach Freuds Theorie destruktiven Unbehagens in der Kultur. Die Antinomien der Sachlichkeit bezeugen jenes Stück Dialektik der Aufklärung, in dem Fortschritt und Regression ineinander sind. Das Barbarische ist das Buchstäbliche. Gänzlich versachlicht wird das Kunstwerk, kraft seiner puren Gesetzmäßigkeit, zum bloßen Faktum und damit als Kunst abgeschafft. Die Alternative, die in der Krisis sich öffnet, ist die, entweder aus der Kunst herauszufallen oder deren eigenen Begriff zu verändern."
- Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie, Frankfurt am Main, 1970, S. 15.

(Quelle: universalestate, via spurloser)

"Ich fürchte, daß gegen diese Inflation des Geschwätzes nur noch ganz radikale Maßnahmen helfen können (Abschaffung der Kirchensteuer zum Beispiel)."
- Elisabeth Lenk: Brief an Theodor W. Adorno vom 13. November 1964, in: Dies. (Hg.): Theodor W. Adorno – Elisabeth Lenk Briefwechsel 1962-1969, München 2001, S. 42.
Edle Freindschaften I: Adorno und Ernst Bloch auf der Tagung des deutschen Werkbundes  in der AdK, 22.-24. Oktober 1965, Foto Karl-Heinz Schubert / Landesarchiv Berlin.

Edle Freindschaften I: Adorno und Ernst Bloch auf der Tagung des deutschen Werkbundes in der AdK, 22.-24. Oktober 1965, Foto Karl-Heinz Schubert / Landesarchiv Berlin.

(Quelle: noxe)

"Auch hier bestand zwischen Pollock und mir volle Einigkeit und ebenso in Bezug auf Herrn Cassirer, den ich für völlig vertrottelt halte."
- Theodor W. Adorno: Brief an Max Horkheimer vom 13. Mai 1935, in: Christoph Gödde und Henri Lonitz (Hg.): Theodor W. Adorno und Max Horkheimer – Briefwechsel 1927-1969, Frankfurt am Main 2003, S. 68.
"Die Entgegnung, die ich darauf zu geben habe, ist die, daß die Gesellschaft, die vergesellschaftete Gesellschaft, eben nicht bloß ein solcher funktionaler Zusammenhang zwischen den vergesellschafteten Menschen ist, sondern daß sie wesentlich, als eine Voraussetzung, bestimmt ist durch den Tausch. Das, was Gesellschaft eigentlich zu einem Gesellschaftlichen macht, wodurch sie im spezifischen Sinn sowohl begrifflich konstituiert wird, wie auch real konstituiert wird, das ist das Tauschverhältnis, das virtuell alle Menschen, die an diesem Begriff von Gesellschaft teilhaben, zusammenschließt, und das in einem gewissen Sinne auch die Voraussetzung nachkapitalistischer Gesellschaften, wenn ich es einmal so vorsichtig jetzt ausdrücken soll, darstellt, in denen ja sicher nicht davon die Rede sein kann, daß nicht mehr getauscht wird."
- Theodor W. Adorno: Einleitung in die Soziologie, Frankfurt am Main 2003, S. 57.
"Die Wahrheit hat keine Grade wie die Wahrscheinlichkeit. Der negierende Schritt über das einzelne Urteil hinaus, der seine Wahrheit rettet, ist möglich nur, sofern es sich selbst für wahr nahm und sozusagen paranoisch war. Das wirklich Verrückte liegt erst im Unverrückbaren, in der Unfähigkeit des Gedankens zu solcher Negativität, in welcher entgegen dem verfestigten Urteil das Denken recht eigentlich besteht."
- Theodor W. Adorno & Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno – Gesammelte Schriften, Band 3, Darmstadt 1998, S. 220.

(Quelle: noxe, via lf)

"Ich finde kein besseres Wort als Erfahrung; nämlich im Sinne einer Reise, die die Grenze passiert. Eine Erfahrung zwischen zwei Erfahrungen: einerseits die Überfahrt, die Odyssee mit oder ohne Nostalgie - Sie kennen vielleicht den Text von Adorno und Horkheimer, der von den Lotophagen und dem homerischen Nostos handelt-, eine Irrfahrt, von der man nicht mehr zurückkehren kann, so viele in einer bestimmten Etymologie verhüllten Möglichkeiten des Wortes ‘Erfahrung’, das man manchmal, wie auch den ‘Trip’, mit der Erfahrung der ‘Droge’ verbindet, die Beziehung zum Anderen und die Öffnung gegenüber der Welt im allgemeinen; und andererseits das organisierte Experiment, das Experimentelle als ‘organisierte Reise’. Was bedeutet dieses zwischen? Das Zwischen bedeutet vielleicht, daß die Erfahrung, auf die ich mich beziehe, das Denken dieser Erfahrung oder diese Erfahrung als Denken, sich noch nicht durch die herkömmliche Opposition wie beispielsweise Natur/Technik, Natur/Artefakt, Nicht-Arbeit/Arbeit, natürliche Erfahrung/künstliches Experiment und so weiter bestimmen läßt. Ich spreche also nicht nur von der Erfahrung mit Drogen oder der Erfahrung mit Nicht-Drogen (die in der Natur ebensowenig vorkommen wie Drogen, oder?), sondern von Erfahrungen, die qualitativ sehr differenziert sind – manchmal sogar für ein und dasselbe ‘Individuum’ –, und die man nicht beschreiben kann, ohne die Qualifikationen und Standpunkte zu vervielfachen. […] Dabei geht es um nichts weniger als um das Ich, das Bewusstsein, die Vernunft, die Freiheit, das verantwortliche Subjekt, die Entfremdung, den eigenen Körper und den Fremdkörper, die sexuelle Differenz, das Unbewusste, die Unterdrückung oder Verdrängung, die verschiedenen ‘Partien’ des Körpers, die Injektion, die Introjektion und die (orale oder nicht-orale) Einverleibung, die Beziehung zum Tod (die Trauer und Verinnerlichung), die Idealisierung, die Sublimierung, das Reale und das Gesetz, gut, ich höre auf…"
- Jacques Derrida: Die Rhetorik der Droge, in: Peter Engelmann (Hg.): Jacques Derrida - Auslassungpunkte. Gespräche, Wien1998, S. 255.
"Zum dichterischen Anspruch steht Kierkegaards Werk zweideutig. Mit Arglist ist es auf jedes Mißverständnis hin angelegt, das beim Leser einen Prozeß der Aneignung seiner Gehalte inauguriert. Die Dialektik in den Sachen ist ihm zugleich Dialektik der Mitteilung."
- Theodor W. Adorno: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 2, S. 11.
"Die traditionelle Philosophie glaubt, ihren Gegenstand als unendlichen zu besitzen, und wird darüber als Philosophie endlich, abschlußhaft. Eine veränderte müßte jenen Anspruch kassieren, nicht länger sich und anderen einreden, sie verfüge übers Unendliche. Sie würde aber statt dessen selber, zart verstanden, unendlich insofern, als sie verschmäht, in einem Corpus zählbarer Theoreme sich zu fixieren."
- Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 6, S. 25.
"Hegels Philosophie rauscht."
- Theodor W. Adorno: Aspekte, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 5, S. 294.
"Es ist also möglich, das kantische Als ob, die Proustsche Metapher oder den Adornitischen Widerspruch zu übersteigen. Bleibt nach dem Preis zu fragen, der für diesen Exzess zu zahlen ist. Dieser Preis ist genau die Wiedereinführung einer Transzendenz in das Denken der Immanenz."
- Jacques Rancière: Ist Kunst widerständig?, Berlin 2008, S. 29.
"Ob einer glücklich ist, kann er dem Winde anhören. Dieser mahnt den Unglücklichen an die Zerbrechlichkeit seines Hauses und jagt ihn aus leichtem Schlaf und heftigem Traum. Dem Glücklichen singt er das Lied seines Geborgenseins: Sein wütendes Pfeifen meldet, dass er keine Macht mehr hat über ihn."
- Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt am Main 1951, S. 54. 

(Quelle: hankythewanky, via brainexpectingrain)