"Wenn er auf Reisen eine Familie traf, deren Bekanntschaft zu suchen eigentlich nicht sonderlich elegant war, in der er aber eine Frau entdeckte, die irgendeinen ihm noch nicht bekannten Reiz aufwies, so wäre ihm der Gedanken, in seiner Welt zu bleiben, sich über das Verlangen, das sie aufkommen ließ, quasi hinwegzutäuschen und eine andere Art der Lust an die Stelle derjenigen zu setzen, die er nur bei ihr hätte finden können – etwa indem er eine frühere Geliebte kommen ließ – als eine ebenso feige Flucht vor dem Leben, eine ebenso törichter Verzicht auf eine neue Art von Glück erschienen, wie wenn er, anstatt aufs Land zu fahren, sich in sein Zimmer vergraben und Ansichten von Paris angeschaut hätte. Er baute nicht Hütten in dem, was er sich an Beziehungen geschaffen hatte, sondern schlug statt dessen lieber überall da, wo eine Frau ihm gefiel, eines jener leicht abzumontierenden Zelte auf, wie die Forschungsreisenden sie mitzuführen pflegen. Das, was darin nicht transportabel oder gegen neue Freuden austauschbar war, hätte er leichten Herzens wieder hergegeben, so beneidenswert es andern auch erscheinen mochte."
- Marcel Proust
: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Erster Teil: In Swanns Welt, Frankfurt am Main 1997, S. 257 (via
brainexpectingrain).