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Wonnegrausen

Ich hätt' so gern ein Mozartzöpfchen und den Tausendtod in der Zitationsmasturbation...

"Das andere Problem ist ihm geläufig, aber nur willkürlich und ohne alle Stringenz gelöst worden: das des fremden Bewußtseins, des fremden Ich, das für den Empiriokritizismus allein durch Analogie erschlossen, auf Grund eigener Erlebnisse nachträglich komponiert werden kann; während doch die empiriokritizistische Methode bereits in der Sprache, über die sie verfügt, und im Postulat der Verifizierbarkeit notwendig fremdes Bewußtsein voraussetzt."
- Theodor W. Adorno: Die Aktualität der Philosophie, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno – Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 1, S. 333.
"Heidegger aber unterstellt prästabilierte Harmonie zwischen wesentlichem Gehalt und heimeligen Geraune. Darum sind die Jungnickelschen Klänge keine liebenswerten Schwächen. Sie sollen den Verdacht übertäuben, der Philosoph könnte ein Intellektueller sein: ‘Und die philosophische Arbeit verläuft nicht als abseitige Beschäftigung eines Sonderlings. Sie gehört mitten hinein in die Arbeit der Bauern.’ Man möchte dazu wenigstens deren Ansicht erfahren. Heidegger bedarf ihrer nicht."
- Theodor W. Adorno: Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno – Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 6, S. 449.
Unterschätzte Tierarten MDCLXII: 
Uroplatus phantasticus.

Unterschätzte Tierarten MDCLXII: 

Uroplatus phantasticus.

(Quelle: weheartit.com, via thepredatorblog)

Was kritische Theorie gewesen sein wird: Moderne Selbstreflexion oder Postmodernekritik?

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Schreull (Universität Marburg) und Jan Müller (Universität Darmstadt) am 19. Mai, um 20 Uhr im Golem (Große Elbstraße 14, Hamburg).

„Die Väter aßen saure Trauben; doch erst den Kindern wurden die Zähne stumpf davon. So baut jede Generation Hindernisse auf, über die ihre Nachkommenschaft stolpern wird.“ Vincent Descombes

Man hat sich daran gewöhnt, dass Kritische Theorie irgendwie gleichbedeutend geworden zu sein scheint mit „Postmodernekritik“. Deshalb wundert man sich kaum noch, wenn verblüffend vielseitige Vorschläge unter dem Sammeltitel „Die Postmodernen“ wegsortiert werden; und auch nicht, wenn man ihnen mit einem – mitunter groben – Irrationalismusverdacht begegnet. Mit einem Eifer, der bei kritisch Denkenden eigentlich (zumindest ihrem Selbstverständnis nach) Irritationen provozieren sollte, werden solche Vorschläge dabei typischerweise so inquisitorisch befragt, dass bereits feststeht, was man in ihnen findet: eine Abkehr von der Idee moderner Zivilisation, revisionistische Geschichtsbetrachtungen, Gesellschaftsvergessenheit, kurz: Relativismus und Skeptizismus.

Das ist alles nicht neu und wäre nicht weiter bemerkenswert (immerhin kursieren solche ideologiekritischen Zuschreibungen seit mindestens 30 Jahren) – würde die immergrüne Postmodernekritik nicht selbst Formen kritischer Theorie vereinen, die sich wechselseitig durchaus absprechen, überhaupt noch kritische Theorie zu sein. Auf der einen Seite warnte Habermas schon in den 80ern vor der Vermischung von Literatur und Philosophie, mit welcher der Begriff von Wahrheit überhaupt und damit auch das unvollendete „Projekt der Moderne“ durch postmoderne Theorien begraben werde. Habermas reagierte damit nicht nur auf Derridas bohrende Kritik an den theoretischen Grundlagen seiner „Reformulierung“ kritischer Theorie; die postmodernekritische Invektive sollte auch die Hegemonie einer „Kritischen Theorie“ auf dem zerklüfteten Feld der Gesellschaftskritik sichern. Und diese Hegemonie freilich ist in Gefahr, wenn „Postmoderne“ sich zu Erben der Kritischen Theorie und der emanzipativen Potentiale des Marxismus’ erklären. Kein Wunder also, wenn – auf der anderen Seite – „orthodoxere“ Erben des Marx’schen Projekts von Haug und Holz über Badiou bis hin zu Zizek in ihrer Abwehr der „Postmoderne“ als letzter Gärungsstufe „spätbürgerlicher Ideologie“ den Schulterschluss mit den ansonsten eher geringgeschätzten Kolleg_innen aus Frankfurt proben – wie auch immer bewusst. Wenn eine „Strömung“ wie „die Postmoderne“ es schafft, derart zerstrittene Gegner zu vereinen – dann ist sie entweder ganz fraglos die Speerspitze einer unbezweifelbaren Barbarei. Oder – vielleicht – sie legt denkerisch den Finger in Wunden des Projekts Kritischer Theorie in vielen (allen?) ihrer Ausprägungen, wie sie sich mehr oder minder behaglich, mehr oder minder akademienah, in der BRD etablieren konnten. Ein Merkmal kritischen Nachdenkens sollte sein, diese Alternative nicht vorschnell als entschieden abzutun.

Denn: Schon, was unter „die Postmodernen“ gezählt wird, ist gar nicht so klar; der Vorwurf eines voluntaristischen Relativismus müssen sich viele Postmodernekritiker_innen selbst gefallen lassen. Sebastian Schreull wird in seinem Vortrag daran erinnern, wie Kritische Theorie dann wieder zu traditioneller Theorie regrediert, wenn sie ihren Gegenstand nicht länger wirklich trifft, er nicht länger immanent kritisiert, sondern ihm einfach ein Schema übergestülpt wird. Wie immer problematisch als „postmodern“ markierte Philosophien sein mögen – ihre Mängel berechtigen nicht dazu, die ‚Standards’ einer kritisch-theoretischen Praxis dogmatisch zu unterschreiten. Und das ist nicht eine philologische Übung, sondern eben die Wirklichkeit kritischer Theorie: Nur durch die angemessene, treffliche Kritik anderer „Gestalten des Bewußtseins“ bestimmt sie ihre Wirkung und dadurch die gesellschaftliche Wirklichkeit, um diese zu verändern.

Eine geteilte Schwierigkeit der vereinigten Postmodernekritiker könnte – das reißt Jan Müller in seinem Referat an – ihre falsch verstandene Ernsthaftigkeit sein. Wo Ironie und Distanzierung lediglich als Zeichen relativistischer Selbstüberhöhung oder als Symptom des Verzichts auf Konsequenz verstanden wird, da scheint ein gewisser Dogmatismus nicht nur schick, sondern das einzige Gegengift zu sein. Doch dieser Schein trügt. Wer die Schwierigkeit und, ja, auch die unvermeidliche Abgehobenheit begrifflicher Modellierungen

ernstnimmt und mitmacht, der leistet damit keinen Verzicht auf vernünftige Rechenschaft – ganz im Gegenteil. Zur „Re-Aktualisierung“ (also: zum Wieder- oder Endlich-mal- Wirklichmachen) kritischen Nachdenkens gehört auch der Umgang mit der Schwierigkeit, wie weit man die Metareflexion treiben muss, und ab wann sie selbstgefällig oder gegenstandslos wird. Manche_r „Kritische_r Theoretiker_in“ verschreckt schon die Ahnung dieser Schwierigkeit so sehr, dass sie und er sich sicherheitshalber antiintellektualistisch panzern; andere wiederum bieten gegen das Gespenst das ganze Arsenal der akademischen Philosophie auf. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Schwierigkeit als eine theoretische verstehen, und sie deshalb auch nur (spiegelbildlich zueinander) theoretisch lösen wollen. Ein Autor wie Derrida dagegen könnte in der spielerischen Einsicht, dass das Problem – „vielleicht“ – ein praktisches ist, dem Erbe, dem Geist und der Aufgabe (wie man so sagt) der „Kritischen Theorie“ verblüffend nahe sein.

In der anschließenden Diskussion können wir ausprobieren, was es bedeutet, dass in kritischer Theorie wieder wirklich um ihr Erbe gestritten wird, und fragen, was dabei an Tradition auf der Strecke bleibt (und ob das ausschließlich schade ist).

"Wenn ich mit meiner Gemahlin
Im Traum ins Kino geh,
Steht ein schöner schwarzer Stalin
Auf seiner gelben Allee."
- Peter Hacks: Denkmal für ein Denkmal (I), in: Ders.: Die Gedichte, Hamburg 2000, S. 304.
"Ferner muß die Widerlegung nicht von aussen kommen, d.h. nicht von Annahmen ausgehen, welche ausser jenem System liegen, denen es nicht entspricht. Es braucht jene Annahmen nur nicht anzuerkennen; der Mangel ist nur für den ein Mangel, welcher von den auf sie gegründeten Bedürfnissen und Forderungen ausgeht. […] Der Nerv des äusserlichen Widerlegens beruht dann allein darauf, die entgegengesetzten Formen jener Annahmen, […], seinerseits steif und fest zu halten. […] Die wahrhafte Widerlegung muß in die Kraft des Gegners eingehen und sich in den Umkreis seiner Stärke stellen; ihn ausserhalb seiner selbst angreiffen und da Recht zu behalten, wo er nicht ist, fördert die Sache nicht."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Wissenschaft der subjectiven Logik oder die Lehre vom Begriff, in: Friedrich Hogemann und Walter Jaeschke (Hg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Gesammelte Werke, Hamburg 1982, Band 12, S. 15.
"Reemtsma hätte ohne weiteres seine Ruhe vor mir haben können. Aber aus einem bestimmten Grund, den wir an dieser Stelle noch nicht angeben können, mag er sich mit dem verdeckten Kampf gegen Wieland und das Menschengeschlecht nicht begnügen. Er steigert sich zu einer gleichsam paradoxen Langweile, einer Langweile, welche wütend und offensiv und nunmehr in der Tat unleidlich ist. Er erfrecht sich gegen Goethe."
- Peter Hacks: Mehrerlei Langeweile. Zu Jan Philipp Reemtsma ‘Das Buch vom Ich – Christoph Martin Wielands ‘Aristipp und einige seiner Zeitgenossen”, Haffmans 1993, in: Arnold Schölzel (Hg.) Peter Hacks / Hans Heinz Holz – Nun habe ich Ihnen doch zu einem Ärger verholfen. Briefe – Texte – Erinnerungen, Berlin 2007, S. 109.
Der Tag nach dem Tag.

Der Tag nach dem Tag.

(Quelle: idiod, via hamletmaschine)

Grenzziehung.

Grenzziehung.

(Quelle: fuckyouverymuch)

Hab’ Dich gerne: Selbst-Mit-Leid.

Hab’ Dich gerne: Selbst-Mit-Leid.

(Quelle: neurobutt, via actionboy)

“Hätt’ er nicht gern ein Schwesterlein?”

“Hätt’ er nicht gern ein Schwesterlein?”

(Quelle: sandman-kk)

"Man muß […] gegen die Vielzahl denken und anschreiben. Gegen die Mehrzahl, die Meisten, die Zuvielen, die »den Sprachgebrauch gemacht [haben]«. Gegen den Sprachgebrauch, der beherrscht, was man den öffentlichen Raum nennt. Gäbe es eine Gemeinschaft, ja einen Kommunismus des Schreibens, so hätte sie ihre Bedingung zunächst daran, daß man gegen jene Krieg führt, die den vorherrschenden Sprachgebrauch prägen und sich zueigen machen, gegen die Mehrzahl, die Stärksten und Schwächsten zugleich – wobei es eine offene Frage bleibt, ob die größte Kraft, Stärke und Macht, mit einem Wort: die Hegemonie oder Dynastie, auf der Seite der größten Zahl – und nicht vielmehr […] auf der des Schwächsten ist. Und umgekehrt."
- Jacques Derrida: Politik der Freundschaft, übersetzt von Stefan Lorenzer, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2000, S. 108f.

(Quelle: abendgesellschaft, via frutelia3000)

"Wie diese Idee der Selbstführung durch Gründe und Zwecke begrenzt, ja durchlöchert werden kann (denn sie muß begrenzt und durchlöchert werden, weil sie den Menschen an seine Subjektivität, an seine soziale Teilnahme kettet), ohne dadurch unfrei zu werden, ist die Lehre, die die Künstler erteilen und die die ethisch-politische Bedeutung des Ästhetischen ausmacht. Die ästhetische Erfahrung ist, daß es Freiheit von der praktischen Freiheit gibt, daß es Freiheit gibt, die nicht Unterwerfung unter fremde Übermacht ist, weil sie Freigabe zu einer anderen Entfaltung der eigenen Kräfte ist. Das letzte Wort der Ästhetik ist die menschliche Freiheit."
- Christoph Menke: Kraft. Ein Grundbegriff ästhetischer Anthropologie, Frankfurt am Main 2008, S. 129.
Wie rasch wäre mir diese Leiter und diese Höhe unerträglich.

Wie rasch wäre mir diese Leiter und diese Höhe unerträglich.

(Quelle: urban-mouse, via mer-de-noms)

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"Wir Anderen, wir Immoralisten, haben […] unser Herz weit gemacht für alle Art Verstehen, Begreifen, Gutheißen. Wir verneinen nicht leicht, wir suchen unsere Ehre darin, Bejahende zu sein. Immer mehr ist uns das Auge für jene Ökonomie aufgegangen, welche alles Das noch braucht und auszunützen weiss, was der heilige Aberwitz der Priester, der kranken Vernunft im Priester verwirft, für jene Ökonomie im Gesetz des Lebens, die selbst aus der widerlichen species des Muckers, des Priesters, des Tugenhaften ihren Vortheil zieht, – welchen Vorteil? – Aber wir selbst, wir Immoralisten sind hier die Antwort …"
- Friedrich Nietzsche: Götzendämmerung, Frankfurt am Main 1998, S. 87.